Geben wir etwas zurück Was haben Flüchtlinge mit Live-Kommunikation zu tun? – Gastbeitrag von Stephan Schäfer-Mehdi

Welcome-Party für Flüchtlinge

„Ich ringe schon eine ganze Weile mit mir, ob der FAMAB als Verband eine Haltung zu einem gesellschaftlichen Thema, wie dem Umgang mit Flüchtlingen, haben muss. Als ich den Artikel von Stephan Schäfer-Mehdi las, war mir die Antwort klar: Natürlich!
Wir stehen auf Initiative unserer Mitglieder sehr klar für Nachhaltigkeit und damit für einen humanen, respektvollen und liberalen Umgang mit Menschen. Und zwar mit allen Menschen!

Vielen Dank, Stephan Schäfer-Mehdi, für den Denkanstoß.“ – Jan Kalbfleisch.

Was haben Flüchtlinge mit Live-Kommunikation zu tun?

Auf den ersten Blick, nichts, nada, niente. Während Tausende sich unter prekärsten und gefährlichsten Bedingungen auf den Weg zu uns machen, um ein sichereres oder besseres Leben zu finden, jetten wir durch die Welt. Wir arbeiten hart, leben aber oft auf hohem Niveau. Wir genießen den Luxus der Sternehotels, die Lounges der Airlines und das herzliche Willkommen, das wir an fast allen Orten der Welt erleben. Über Sicherheit müssen wir uns selten Gedanken machen.

Deshalb ist es höchste Zeit als Branche der Welt etwas zurückzugeben: Das Mindeste ist unsere Gastfreundschaft und ein Willkommen für die Menschen, die hier Sicherheit, Schutz und Freiheit suchen.

 

 

Wir leben von der Freiheit, von der Freiheit unsere Ideen umsetzen zu können, von der Akzeptanz vieler Gruppen unsere Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn wir in Spanien den Launch eines (Luxus-)Autos durchführen, gehen wir selbstverständlich davon aus, dass wir willkommen sind. Es finden keine lautstarken Proteste statt. Ist das selbstverständlich? Ja, wir gehen davon aus. Wir bringen ja Arbeit und Chancen auf Wohlstand. Aber reicht dieses Selbstverständnis, das manchmal auch an Selbstgefälligkeit grenzt? Ich weiß, einige tun etwas, ohne groß drüber zu reden. Aber reicht das?

Stellen wir uns vor, wir kommen in ein Land, um unseren Job zu machen, und werden beschimpft und bedroht von den einheimischen Eventmanagern, Veranstaltungstechnikern oder Caterern, dass wir ihnen die Arbeit wegnehmen. „Weg mit dem Dreck!“ Das passiert den Flüchtlingen heute fast täglich. Ob offen und real in Freital und Heidenau …, virtuell in den Sozialen Medien oder versteckt am Stammtisch.

Es ist Zeit darüber zu reden.

Ja, es gibt engagierte Menschen und Agenturen in unserer Branche, die Zeichen setzen. Ob gegen Rassismus oder für Flüchtlinge. Aber die sind zu wenig, die Zeichen sind zu klein und zu leise. Und es ist Zeit darüber zu reden. Es ist Zeit das lautstark zu tun, um andere zu motivieren und zu aktivieren. Das sollten wir doch können!

Wir können tatenlos zusehen, auf Vorreise den Sonnenuntergang mit einem Cocktail genießen und unser Businessmodell pflegen. Und jetzt werde ich polemisch. Ja, Riefenstahl und Speer konnten seinerzeit auch vermeintlich fantastische Events machen. Aber das ist nicht meine Vorstellung von unserer Branche. Ich möchte, dass sie menschlich ist und Menschlichkeit zeigt. Und um auch ein Zeichen gegen den lautstarken Hass zu setzen und den Menschen ein Zeichen zu geben, die helfen. Sie werden nämlich von der Politik allein gelassen, nicht nur, wenn sie die Versorgungsdefizite auszugleichen versuchen, sondern besonders, wenn sie Schmähungen und Bedrohungen erleiden.

Ich finde, wir alle sind gefordert, als Kommunikationsexperten oder als Logistikchamps. Wir können viel tun. Ob lokal als Unterstützung und Entlastung der vielen ehrenamtlichen Helfer, von Spendenaktionen bis zum Deutschunterricht für Flüchtlinge.

Die einen haben vielleicht Zelte oder können sie besorgen, andere Trucks. Caterer können kurzfristig bei Bedarf in ihrer Stadt helfen. Aber es braucht auch große Zeichen: Als Aufstand der Anständigen. In den 90er Jahren waren es die Lichterketten. Vielleicht wenn jede FAMAB-Agentur in ihrer Stadt zeitgleich an einem Aktionstag einen Willkommens-Event für Flüchtlinge macht, dazu die Reichweite von Social Media einsetzt und der FAMAB das koordiniert.

Wie Peter Breuer im w&v-Blog schrieb:

Das Briefing steht jeden Tag in den Nachrichten“.

 

PS: Die Familie meines Großvaters wurde ab 1933 politisch verfolgt. Seit den 70er Jahren engagiere ich mich gegen Rassismus. Ich habe Initiativen mitgegründet und unterstützt, auch in Solingen. Der feige Brandanschlag und Mord in meiner Heimatstadt war ein weiteres einschneidendes Geschehen. Als ADC-Mitglied versuche ich, auch gerade den Club zu mobilisieren. In Abwandlung des Talmud-Zitats aus „Schindlers Liste“:

„Wer nur einem einzigen Menschen hilft, hilft der ganzen Welt“…?

Über Stephan Schäfer-Mehdi

Stephan Schäfer-Mehdi Als freiberuflicher Creative Director und ¬Consultant für Live-Kommunikation betreut Stephan Schäfer-Mehdi Unternehmen und Agenturen.
Stephan Schäfer-Mehdi

Als freiberuflicher Creative Director und ­Consultant für Live-Kommunikation betreut Stephan Schäfer-Mehdi Unternehmen und Agenturen. Vorherige Stationen waren Chief Creative Officer von VOK DAMS, wo er die Kreation und Konzeption von Events und Inszenierungen für Kunden wie Bayer, BASF, Puma, Deutsche Bank oder Mercedes-Benz verantwortete, und Quasar Communications. Seine Projekte wurden und werden mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Art Directors Club für Deutschland (ADC).

1972 hat er seine erste Veranstaltung geplant und umgesetzt. Seither war er für einige hundert Theaterproduktionen, Ausstellungen und Marketing-Events verantwortlich. Als Trainer und Referent konzipiert und betreut er Seminare. Seit 1996 auch für das Studieninstitut für Kommunikation. Als Fachjournalist und Autor ist er ebenfalls aktiv.

Nachlese:

Die Eventbranche im Einsatz für Flüchtlinge
Wie kann die Eventbranche zur Verbesserung der Flüchtlingssituation beitragen?
Beitrag von Stephan Schäfer-Mehdi auf event-partner.de:

In seinem Blogbeitrag für den Famab gibt Stephan Schäfer-Mehdi der Eventbranche einen wichtigen Denkanstoß: Dass eine Branche voller Eventmanager, Caterer und Veranstaltungsdienstleister die idealen Voraussetzungen mitbringt, um die Lage der Flüchtlinge enorm zu verbessern – eine Ausgangslage, die viel mehr genutzt werden sollte.

Jan Kalbfleisch
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Veröffentlicht von

Jan Kalbfleisch

Jan Kalbfleisch, Dipl. Wirtsch. Ing., arbeitete – bevor es ihn in die Live-Kommunikation zog – in der Medienbranche sowohl als Unternehmensberater als auch in der Geschäftsleitung von Medienhäusern. Als Geschäftsführer einer Eventagentur setzte er innovative Vortrags- und Weiterbildungsformate in die Tat um. Nebenberuflich dozierte er an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

One thought on “Geben wir etwas zurück Was haben Flüchtlinge mit Live-Kommunikation zu tun? – Gastbeitrag von Stephan Schäfer-Mehdi

  1. Die Familie ist nicht untätig. Am 15.9.2015 gibt es ein Willkommenkonzert in der neuen Notunterkunft Zweigstraße in Solingen. Und morgen startet die bundesweite virale Campagne „Refugees Welcome by Musicians“!

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