FAMAB-Buchtipp: Schwarmdumm. So blöd sind wir nur gemeinsam Der ultimative Denkanstoß von Prof. Gunter Dueck

Das Thema Arbeiten 4.0 betrifft auch Gedanken rund um das Miteinander in Unternehmen oder zwischen Unternehmen. Wie sieht es heutzutage mit der Individualität in Unternehmen aus? Ist sie überhaupt noch gefragt, oder wird im Team- und Gruppendenken vieler Meetings diese einzigartige Kreativität im Keim erstickt? „Damit Teams smarter agieren, muss viel geschehen.“ Das ist zumindest eine These, die Professor Gunter Dueck in seinem Buch „Schwarm­dumm. So blöd sind wir nur gemeinsam“ aufzeigt.

Wir müssen umdenken

Prof. Gunter Dueck auf dem AdobeDIGITAL MARKETING SYMPOSIUM 2015 Foto by Andreas Schebesta, ferEVENTfotograf
Prof. Gunter Dueck auf dem AdobeDIGITAL MARKETING SYMPOSIUM 2015
Foto by Andreas Schebesta, derEVENTfotograf

 

Auf seinem Blog Omnisophie beschreibt der Autor sein Buch:

„Dieses Buch behandelt die selbstverschuldete Kompliziertheit unseres Lebens. Es deckt die Ursachen auf, warum es so weit gekommen ist. Es endet mit einem Appell, auf die einfache Seite zu wechseln. Nicht auf die ,simple‘ Seite, sondern auf die ,smarte‘. Das sagt Ihnen Ihr Chef sicherlich auch: ,Work smarter, not harder‘, aber das können Sie nur für sich selbst bei Ihrer ureigenen Arbeit tun. Damit Teams smarter agieren, muss sich viel ändern. Sehr viel. Einfach deshalb, weil wir schon lange in eine falsche Richtung gegangen sind und schon vieles unsinnig geregelt haben.

Es soll einfach sein – aber genial einfach, nicht dumm einfach! Klick um zu Tweeten

Ich will Ihnen das Spiegelbild Ihres überkomplizierten Arbeitslebens vorhalten und zeigen, dass es auf unklugen bis hin zu glatt falschen und sogar kreuzdummen Grundlagen errichtet ist……….“

Was ist smart?

Damit Teams smarter agieren, muss viel geschehen. Klick um zu Tweeten

Da stellt sich die Frage: Was ist smart? Sind es Visionen, Missionen, freundliches Betriebsklima, Führungskultur, ethische Leitlinien, Vertrauen, Offenheit, gute Kommunikation, Teamgeist, Identifikation, Geborgenheit …?

Und was ist dann „unsmart“ bzw. „Dumm einfach bis kompliziert“? Sind es  Hektik, Aktionismus, Silodenken, Abteilungskämpfe, Vergleiche, Konkurrenz innerhalb des Firma …?

„Wenn der Schwarm immer so dumm handelt, leidet bald auch die Seele und der Verstand der Einzelnen.“ Es macht ihn neurotisch.

So fordert der Querdenker und ehemalige CEO von IBM Deutschland: „Es muss uns gelingen, eine kritische Masse für eine Gegenbewegung zur Schwarmdummheit zu bilden.“

Das wirkt fast wie ein Schlag ins Gesicht von CEOs und Managern. Und als Krönung wurde das Buch auch noch auf die Shortlist zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015 gewählt. Meiner Meinung nach zurecht!

Autor Gunter Dueck beschreibt in seinem Buch sehr genau, warum einzelne intelligente Meinungen und Gedanken meist in Organisationen zu kollektiver Dummheit führen. Eigentlich wollte er sein Buch „Die Entstehung von Dummheit in Meetings“ nennen.

 

Gunter Duecks Buch: Schwarmdumm - So blöd sind wir nur gemeinsam
Gunter Duecks Buch: Schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam

Gruppen verhindern die Intelligenz einzelner Individuen

In Gruppen geht oft die Intelligenz einzelner Menschen unter. Klick um zu Tweeten

Wer heutzutage ein Problem hat, einen guten Handwerker sucht oder technische Hilfe mit dem Tablet benötigt, fragt einfach seine Freunde nach einer Empfehlung. Oft geschieht dies auch online im WWW. So beschreibt Dueck das Gegenteil von Schwarmdummheit, die „Schwarmintelligenz“.  Das bedeutet, dass irgendjemand schon eine Lösung wissen wird oder gemeinsam mit anderen, sei es im Freundeskreis oder einer Gruppe, eine Idee oder ein Lösungsansatz entwickelt wird.

Ameisen, das fleißige Arbeitsvolk

Laut Dueck ist dies eine Methode, die unsere Wirtschaft deutlich voran bringen könnte. Allerdings sei in Firmen immer öfter genau das Gegenteil der Fall. Viele deutsche Manager bewundern das Ameisenvolk als emsigen Tiere, die ständig fleißig sind, unglaubliche Lasten tragen und anscheinend immer genau wissen, was zu tun ist.

Es ist das Bild eines Traummitarbeiters eines jeden Unternehmens. Dueck beschreibt dies geradezu plastisch gleich zu Beginn seines Buches. Er will den Beweis antreten, dass die vielbeschworene Schwarmintelligenz längst nicht so einfach funktioniert, wie viele glauben. Er belegt seine Thesen mit vielen Beispielen, eingängig geschrieben mit dem Hang zur Übertreibung.

Produktivität bei Ameisen steigern?

Die Ameisen seien ein hübsches Bild, findet Dueck. „Wenn Ameisen einen menschlichen Manager kriegten, würde der sagen: ‚Holt mal zehn oder 20 Prozent mehr in den Bau ran.‘ Dann würden sie sich zanken, wem die Beute gehört, würden Reviere einteilen oder Logistikoptionen anfangen.“ Aus dem Ameisenhaufen würde wahrscheinlich ein großer Chaoshaufen.

Stress bringt Schwarmdummheit

Überzogene Vorgaben, ständiger Termindruck und ein nicht enden wollendes Getriebensein herrscht in den meisten  Unternehmen vor. Genau das ist, laut Dueck, der alles entscheidende Unterschied zwischen Schwarmdummheit und Schwarmintelligenz: „Wenn der Schwarm sich trifft, um was begeistert gemeinsam zu machen, sind das Leute, die was Gemeinsames wollen. Wenn man sich in normale Businessmeetings reinsetzt, sind da Leute, die sich zu etwas treffen müssen. Und meistens treffen sie sich, um Probleme zu lösen, die sie gerade selber gestern erschaffen haben.“

Dueck formuliert die These, dass die meisten Mitarbeiter in Firmen zu stark belastet sind. Dadurch bleibt keine Zeit, Termine vorzubereiten, Ideen zu entwickeln und das große Ganze im Blick zu behalten. Stattdessen werde nur noch abgearbeitet:

„Wenn man zu sehr ausgelastet ist, gibt es viel Zusatzarbeit dadurch, dass man sich dauernd entschuldigen muss, dass irgendwelche Arbeiten noch warten müssen. Man müsste mal wirklich statistisch erfassen, wie viel von der Arbeit noch überhaupt Arbeit ist und nicht irgendwie Entschuldigung.“

Schwarmintelligenz in der Arbeitswelt ist ein Mythos

Wer Kommunikation zielgerichtet und einheitlich über alle Kanäle umsetzen will, benötigt eine Leitidee – ein Mission Statement.

Mathematisch gesehen, so Buchautor Dueck, ist eine Auslastung von 85 Prozent das Limit. Haben Mitarbeiter allerdings mal Zeit für eine kurze Pause, entsteht schnell der Eindruck der Faulheit. Dem wird entgegengewirkt, indem die Auslastung erhöht wird.

Firmenchefs wollen gerne möglichst hundert Prozent Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter nutzen, um zu hoch gesteckte Ziele zu erreichen. Dadurch ersticken sie aber jede Kreativität und Innovation im Keim.

Er schreibt: „Was ist Schwarmintelligenz? Versuchen Sie mal, einem Dummen zu erklären was Dummheit ist?“

Ein düsteres aber leider reales Bild malt Gunter Dueck, der selbst Mathematikprofessor ist und jahrelang Cheftechniker bei IBM war, bis er vor vier Jahren in den Ruhestand ging. Seitdem beleuchtet er den Arbeitsalltag in Großkonzernen kritisch in mehreren Büchern. Ein Problem sieht Dueck in der Größe von Unternehmen. Ist eine Firma klein, ginge vieles leichter. „Wenn bis hundert Leute zusammenarbeiten, kennen sich alle. Dann ist das noch ein schwarmintelligentes Team. So ab 200 Leuten fängt es an, dass man Abteilungen einzieht und verschiedene Ziele den Abteilungen gibt, die dann egoistisch werden und so ein bisschen gegeneinander kämpfen.“ Man müsse darüber nachdenken, wie man diese Anfangsintelligenz der ersten Hundert in ein größeres System rettet.

Fazit: Das Buch ist spannend und sicherlich wird der ein oder andere Leser, angestoßen von den Fragen und Gedankengängen Duecks, ins Grübeln kommen.

Und auch, wenn die Unternehmensleiter dieses Buch nicht beherzigen mögen, ist ein „Aufstand der Ameisen“ bestimmt denkbar.

 

Infos zum Buch

Tiel: Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam

Verlag: Campus2015

Hardcover gebunden, 324 Seiten, 24,99 Euro

EAN 9783593502175

Der Autor:

Gunter Dueck studierte in Göttingen von 1971 bis 1975 Mathematik und Betriebswirtschaft und hat 1977 an der Universität Bielefeld in Mathematik promoviert. Er forschte zehn Jahre mit seinem wissenschaftlichen Betreuer Rudolf Ahlswede zusammen. Gemeinsam gewannen sie 1990 den Prize Paper Award der IEEE Information Theory Society für eine neue Theorie der Nachrichtenidentifikation. Nach der Habilitation 1981 war Gunter Dueck fünf Jahre Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld.

1987 wechselte er an das Wissenschaftliche Zentrum der IBM in Heidelberg. Dort gründete er eine große Arbeitsgruppe zur Lösung industrieller Optimierungsprobleme und war maßgeblich am Aufbau des Data-Warehouse-Service-Geschäftes der IBM Deutschland beteiligt, zuletzt als Chief Technology Officer. Gunter Dueck war IBM Distinguished Engineer, Mitglied der IBM Academy of Technology und IBM Master Inventor. Er arbeitete an der technologischen Ausrichtung der IBM, an Strategiefragen und Cultural Change mit. Im August 2011 ist er bei IBM in den Ruhestand gegangen.

Dueck war Mitglied der Präsidien der Gesellschaft für Informatik (GI) und der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV). Er arbeitet seit 1. September 2011 als freier Schriftsteller und Redner und schreibt die Kolumne im Informatik Spektrum. Er ist IEEE Fellow und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. (Quelle Wikipedia)

Veröffentlicht von

FAMAB-Redaktion

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