Eventtalent oder -Management? Rückblick auf den FAMAB NEW TALENT AWARD 2015 von Prof. Dr. Sören Bär

Publikumsabstimmung

Am Mittwoch, dem 20. Mai 2015, fand zum nunmehr bereits vierten Mal der FAMAB NEW TALENT AWARD, dieses Jahr  in der Location “Station Airport” in Düsseldorf, statt. Dieser bedeutendste Nachwuchswettbewerb der Eventbranche wird vom FAMAB, dem Verband für Direkte Wirtschaftskommunikation, durchgeführt und ist quasi der „kleine Bruder“ des FAMAB AWARD, der den professionellen Eventagenturen vorbehalten ist. Als Jurymitglied des FAMAB AWARD in den Jahren 2013 bis 2015 habe ich an vielen kontroversen und erkenntnisreichen Diskussionen teilnehmen dürfen.

Rückblick auf den FAMAB NEW TALENT AWARD 2015

Der von dem Moderator Aljoscha Höhn und dem für die Ablaufregie verantwortlich zeichnenden Christoph Küppers ursprünglich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit an der Hochschule Fresenius konzipierte Award hat sich mittlerweile erfolgreich etabliert und erfreut sich großer Beliebtheit unter den Hochschulen. Es übt eine starke Faszination auf die Studierenden aus, sich im direkten Vergleich in Battles und Pitches bei knapper Zeit mit den Konkurrenten zu messen und sich dabei gleichzeitig einem erwartungsvollen und kritischen Publikum präsentieren zu dürfen. Neben rhetorischer Begabung und guter Präsentationstechnik bedarf es auch erheblicher Nervenstärke, um dem Lampenfieber begegnen zu können und auf der großen Bühne erfolgreich zu bestehen.

Foto: Henning Stein, eveosblog.de
Foto: Henning Stein, eveosblog.de

 

Den Sieg in der Kategorie EVENT, und damit den begehrten goldenen Apfel, trug in diesem Jahr die Hochschule Bremen davon. Silber gewann die Hochschule Heilbronn – Campus Künzelsau, und Bronze ging an die EBC Hochschule Hamburg.
Den goldenen Apfel in der Kategorie ARCHITECTURE erntete Christina Schmidt mit ihrem Projekt „Archisign – Ein Messestand für Rheinzink“.

Erwartungen eines Jurymitglieds

Nachdem ich in den Jahren 2012 und 2014 jeweils als Coach ein studentisches Team im Wettbewerb unterstützte, war ich in diesem Jahr sehr gespannt auf die neuen Erkenntnisse, die sich mir als Jurymitglied eröffnen würden. Herausragende Eventkreationen und die besten konzeptionellen Ideen des Branchennachwuchses sowie ein inspirierender Austausch unterschiedlicher Sichtweisen mit den Jurykollegen waren verlockende Aussichten.

Abstimmung der Jury
Die EVENT-Jury stimmt über das „Eventtalent“ ab.

Als Mentor und Teamleader ist man im Wesentlichen ein Mitglied der Mannschaft und teilt Freud und Leid mit den betreuten Studenten. Man fiebert engagiert mit und ist zwangsläufig in hohem Maße engagiert – eine emotionale Achterbahnfahrt. Der Perspektivenwechsel durch die Jurytätigkeit ermöglicht den Blick hinter die Kulissen und erfordert eine eher nüchterne und rationale Betrachtungsweise. Als Vertreter der Wissenschaft in der EVENT-Jury des FAMAB AWARD in den Jahren 2013 und 2014 hatten mir viele kontroverse und erkenntnisreiche Diskussionen über die Einreichungen der Eventprofis bereits wertvolle Erfahrungen zu den differenzierten Herangehensweisen und Überlegungen der Jurymitglieder gebracht.

Während die Agenturvertreter in erster Linie viel Wert auf die Kreation und die Entwicklung außergewöhnlicher, innovativer Ideen legen, sind der Kundenseite vor allem die Realisierbarkeit, der praktische Nutzen und die Einhaltung des Budgets wichtig. Als Wissenschaftler sollte man sich durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise auszeichnen.

In der EVENT-Jury saßen Tina Brand (DB Mobility Logistics AG), Aage Duenhaupt (Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG), Jens Güssow (GD: group AG), Claudia Köhler (VOK DAMS Events GmbH), Pia Madison (PUMA SE), Anja Osswald (PHOCUS BRAND CONTACT GmbH & Co. KG), Christian Poswa (insglück Gesellschaft für Markeninszenierung mbH), Helge Thomas (pro event live-communication GmbH), Dr. Walter Wehrhan (MM-Musik-Media-Verlag GmbH EVENTPARTNER), Prof. Dr. Sören Bär (Staatliche Studienakademie Riesa) und der Jury-Präsident Christian Seidenstücker (JOKE Event AG).

 

Foto: Henning Stein, eveosblog.de
Foto: Henning Stein, eveosblog.de

 

Martina Ernsting-Elsner, die den Award von Seiten des FAMAB wiederum hervorragend organisierte und koordinierte, war damit eine illustre und von hoher Fachkompetenz geprägte Zusammenstellung des Entscheidungsgremiums gelungen.

New Talent – Old School?

Allerdings machte sich bei den Jurymitgliedern nach Abschluss des Wettbewerbs eine gewisse Ernüchterung breit. Die erhofften kreativen Höchstleistungen und das wünschenswerte Ideenfeuerwerk waren im Gegensatz zu früheren Jahren leider weitgehend ausgeblieben. Mitreißende Konzeptionen und Performances durften die Juroren kaum beobachten. Die bei den vergangenen drei Auflagen des Wettbewerbs durchaus wahrnehmbaren ehrgeizigen Höhenflüge des Eventnachwuchses waren Darbietungen gewichen, die sich allzu streng innerhalb der durch die Briefings vorgegebenen Korsettstangen bewegten.

Fehlendes Eventtalent?

Dr. Walter Wehrhan, der Chefredakteur des Fachmagazins für Event-Marketing „EVENT PARTNER“, überschrieb seine Retrospektive denn auch mit der Feststellung ‘‘New Talent – Old School‘‘ (zu lesen in: EVENT PARTNER, Nr. 3/2015, S. 59.) und brachte damit seine Enttäuschung zum Ausdruck, statt unkonventioneller, frischer Ideen doch eher solides Handwerk gesehen zu haben – beileibe nicht schlecht, aber eben zuweilen etwas altbacken.

Woran lag es? Engen die Briefings die Eventtalente zu sehr ein? Ist das Studium an den Hochschulen zu stark auf das Eventmanagement ausgerichtet, und spielen Kreativitätstechniken eine untergeordnete Rolle?

Der charismatische Helge Thomas richtete vor der Siegerehrung einen flammenden und sehr emotionalen Appell an die Studierenden, ihrer Kreativität und ihren Ideen freien Lauf zu lassen und die Briefings weniger als Dogma zu betrachten.

Helge Thomas
EVENT-Jurymitglied Helge Thomas, Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung der pro event live-communication GmbH

 

Dem kann ich mich nur anschließen. Es bleibt zu hoffen, dass die betreuenden Eventagenturen den Studententeams bei der nächsten Auflage viel kreativen Freiraum bieten und sie motivieren und ermutigen, ihren Ideenreichtum einzubringen.

Das gewachsene Interesse der Hochschulen ist als hohe Wertschätzung des Wettbewerbs zu werten. In diesem Jahr hatten sich immerhin vierzehn Hochschulen angemeldet. Da aber das Award-Konzept nur die Teilnahme von acht oder zehn Teams zulässt, muss zwangsläufig einigen Bewerbermannschaften abgesagt werden. Um die Auswahl der letztlich berücksichtigten Hochschulen transparent zu gestalten, wäre es aus Sicht des Verfassers sinnvoll, das Bewerbungsverfahren als Qualifikationsrunde mit einem Punktbewertungsverfahren durchzuführen. Einfließen könnten zum einen die Bewerbungsvideos und Motivationsschreiben, welche in diesem Jahr zum Teil eine hohe Qualität aufwiesen. Zum anderen wäre es möglich, den Hochschulteams bereits vor dem Wettbewerb ein Event-Briefing als Aufgabe zu stellen und die Bearbeitung mit Punkten zu bewerten. Es ist anzunehmen, dass ein großer Teil der Jurymitglieder bereit wäre, diese Bewertung vorzunehmen und somit darüber zu befinden, welche Teams das Finale bestreiten dürfen. 

Sören Bär

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Sören Bär

Prof. Dr. Sören Bär studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing, Handel und Distribution sowie Personalwirtschaftslehre an der Universität Leipzig. Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstühlen Marketing sowie Handel und Distribution der Universität Leipzig und im Forschungsprojekt „Tourismus als Wirtschaftsfaktor im Südraum Leipzig“ tätig und promovierte 2005 zum Thema „Kooperatives Marketing für touristische Regionen“. 2011 wurde er vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zum Professor für Marketing und Dienstleistungsmanagement berufen. Er leitet seit 2010 den Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement und die Studienrichtung Event- und Sportmanagement an der Staatlichen Studienakademie Riesa. Zudem ist er Gastdozent an der Technischen Universität Liberec, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, der Hochschule Mittweida und der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Markenmanagement, Event- und Sportmarketing, Crossmediale Verknüpfungen von Kommunikationskanälen, Eventmarken, Shopping Center Management, Standortmanagement, Hochschulmarketing, Preismanagement und Tourismusmarketing.

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