Zertifikate und Qualität: Eventmanager an einem Tag? Gastartikel von Stephan Schäfer-Mehdi über Aus- und Weiterbildung

Grafik by Pia Kleine Wieskamp

Eventmanager an einem Tag, einem Wochenende oder wenigen Wochen – ist diese Form der Ausbildung ausreichend? Ausnahmen bestätigen äußerst selten die Regel. Der Markt ist da, sonst gäbe es nicht so viele Anbieter von Aus- und Weiterbildungen. Aber wie steht es mit Transparenz und Qualität? Jetzt untersucht die Hochschule Hannover zusammen mit dem AUMA im Studiengang „Veranstaltungsmanagement“ Nachfragestrukturen und Angebotsprofile von Aus- und Weiterbildung in der Veranstaltungswirtschaft. Doch neben einer solchen Studie könnte ein offizielles FAMAB-Siegel zur Qualitätsorientierung dienen. Eine solche Überprüfung aus der Praxis würde auch die späteren Berufschancen der Absolventen erhöhen können.

Qualitätsorientierung bei der Aus- und Weiterbildung

Da hat mich doch letztens jemand als Eventmanager vorgestellt, was mir nicht so recht war. Spätestens seit „Panem & Circensis” (Brot & Spiele) haben wir eine äußerst schillernde Tradition. Oder man denke an den Fall des Charles-Fréderic Vatel, der gelernte Koch und Haushofmeister zur Zeit Ludwig des XIV., der sich wegen einer verspäteten Fischlieferung kurz vor einem Bankett mit 3.000 Gästen umbrachte. Das nennt man Aufopferung für seinen Job. Einige hundert Jahre später sorgte ein gewisser Albert Speer mit seinen Inszenierungen auch nicht gerade für ein besseres Image, zumindest in den heutigen demokratischen Kreisen. Und Fälle, wie der von Eventmanager Manfred Schmidt und Ex-Bundespräsident Wulff, tun ihr übriges.

IHK-Workshop in München
IHK-Workshop in München

Wahrscheinlich rangiert heute das Image irgendwo vor Journalist, Politiker und Investmentbänker. Trotzdem wollen viele Jugendliche und junge Menschen in die Eventbranche und „Eventmanager“ werden, obwohl der Job laut einer US-Studie zu den Top10 der stressigsten Jobs nach Soldat, Feuerwehrmann, Polizist oder Pilot zählt.

Skandale rund um den Beruf des Eventmanagers

Die Skandale haben den Beruf immerhin bekannt, wenn nicht berüchtigt, gemacht. In Wirklichkeit ist der Glamourfaktor sehr gering und vieles ist inzwischen extrem geregelt. Selbst im Berufenet der Arbeitsagentur ist der Job angekommen, und dort finden sich passable Infos über den Berufseinstieg zukünftiger Eventmanager/innen.

Es war noch nie so leicht und klar wie heute, „Eventmanager“ zu werden. Ich konzentriere mich mal wirklich auf die Marketingevent- und Live-Kommunikationsbranche und nicht den ganzen Rest des Veranstaltungswesens. Ich werde oft um Rat von Vätern oder Müttern aus dem Bekanntenkreis gefragt, wenn ihre Kinder diesen Berufswunsch haben.

Eventmanager? Ich empfehle dann immer, die Kinder was „Anständiges“ lernen zu lassen. Klick um zu Tweeten

Im Ernst, ob Ausbildungsberuf, Fachwirt/in oder BWLer, alle Wege stehen offen. Für junge Menschen mit klaren Karriereabsichten empfehle ich immer das Studium, denn, um in ein Unternehmen, also auf Kundenseite, zu kommen, konkurriert man mit den Hochschulabsolventen. Übrigens gibt es 200.000 Treffer bei den Suchworten „Eventmanager Ausbildung“.

Stephan Schäfer-Mehdi
Stephan Schäfer-Mehdi

Der Aus- und Weiterbildungsmarkt bietet die Qual der Wahl

Der Markt für Weiterbildung ist tatsächlich einer, und was für einer! Über 62.000 Treffer liefert das Suchwort „Eventmanager Weiterbildung“. Ich gebe zu, ich habe den Überblick verloren, wo und wie man überall sein Event-Diplom machen kann. Seit 1996 war ich da selbst als Referent und Dozent aktiv. Damals gab es einen Anbieter. Wie prüft man heute, wenn man sich binden will? Wirkliche Kontakte in die Branche sollte der Anbieter haben und entsprechend verankerte Referenten. Dann wird nämlich aus dem Seminar ganz schnell ein Netzwerk.

Eventmanager an einem Tag, einem Wochenende oder wenigen Wochen, da entspricht das erworbene Zertifikat eher dem Wert des Jodeldiploms, Ausnahmen bestätigen äußerst selten die Regel. Für die ganzen nicht-staatlichen Aus- und Weiterbildungsanbieter wäre ein FAMAB-Siegel zur Qualitätsorientierung gar nicht so schlecht.

Eventmanager, Kreative und mehr

Aber es gibt ja nicht nur die „Eventmanager“, sondern auch die Kreativen wie mich. Von der Generation Y bis zum 68er, wir sind fast alle Quereinsteiger. Hier sind wir noch sehr, sehr, sehr, sehr weit von klaren Wegen entfernt. Angesichts der Differenzierungen und gestiegenen Ansprüche wäre ein solides Studium nicht schlecht, in dem man sich allgemein und branchenspeziell vor allem mit Dramaturgie und Inszenierung auseinandersetzt. Aber alle Ansätze sind stecken geblieben. Hier ist wahrscheinlich die Grundgesamtheit unserer Branche zu klein für einen Hochschul-Vorreiter. Bei Architekten, Designern oder Filmleuten sieht man ja, was dabei raus kommen kann.

Da versuche ich immer, für treibhaus 0.8 eine Lanze zu brechen, denn analog zur Texterschmiede, können Agenturen ihren Kreativnachwuchs zunächst als Volontär heranziehen. Schade, dass es seit 2008 nicht gelungen ist, mehr Agenturen zu beteiligen.

Die Quantität würde der heute schon beachtlichen Qualität gut tun. Der Initiatorin Annette Beyer gebührt ein ordentlicher Dank – und irgendwann ein FAMAB-Lifetime-Achievement-Award –, dass sie das seit so vielen Jahren ziemlich alleine wuppt. Vielleicht ist so eine Institution sogar gut, denn sie kann jenseits bürokratisch-starrer Lehrpläne sehr flexibel auf Veränderungen und neue Erfordernisse eingehen. Deshalb engagiere ich mich dort auch seit Gründung als Prüfer.

Ach, ich wollte doch noch was zum demografischen Wandel sagen. Allen Statistiken und Unkenrufen über den Fachkräftemangel bei den Agenturen zum Trotz, hat der Job – noch – eine gewisse Anziehungskraft. Das kann sich natürlich schnell ändern. Es muss der Branche gelingen, nach der Ausbildung, die Laufbahnen attraktiv zu halten oder zu gestalten. Da gibt es das immanente Problem der Work-Life-Balance. Die Belastungen sind extrem hoch, die Gehälter oft nicht adäquat. Das wird sich rächen. So sind auch die Karrierechancen für Frauen nicht wirklich „gleich“. Aber das ist ein anderes Thema. Jede Branche hat den Nachwuchs, den sie verdient. Bei uns ist das Glas halbvoll.

Stephan Schäfer-Mehdi

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Stephan Schäfer-Mehdi

Als freiberuflicher Creative Director und ­Consultant für Live-Kommunikation berät und betreut Stephan Schäfer-Mehdi Unternehmen wie Bayer AG und Agenturen wie WILKENWERK, JOKE Event AG oder Pure Perfection. Vorherige Stationen waren Chief Creative Officer von VOK DAMS, wo er die Kreation und Konzeption von Events und Inszenierungen für Kunden wie Bayer, BASF, Puma, Deutsche Bank oder Mercedes-Benz verantwortete und Quasar Communications. Seine Projekte wurden und werden mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Art Directors Club für Deutschland (ADC). Als Trainer und Referent konzipiert und betreut er Seminare. Als Fachjournalist, Blogger und Autor ist er ebenfalls aktiv. Er ist Autor des Standardwerkes: Eventmarketing, Kommunikationsstrategie, Konzeption und Umsetzung, Dramaturgie und Inszenierung, das 2015 in einer aktualisierten Auflage erschien.

4 thoughts on “Zertifikate und Qualität: Eventmanager an einem Tag? Gastartikel von Stephan Schäfer-Mehdi über Aus- und Weiterbildung

  1. Das treibhaus 0.8 freut sich über das Qualitäts-Lob aus berufenem Munde. Danke dafür, lieber Stephan Schäfer-Mehdi! Und ja, ich finde, dass unsere extrem praxisnahe, immer aktuelle, von aktiven CDs bestrittene Weiterbildung mehr bringt als jedes mögliche Live-Konzeptions-Studium im konventionellen Hochschulrahmen. Eine kleine, aber wichtige Korrektur: Das treibhaus 0.8 hat nicht zu wenig zahlungsbereite Agenturen – gut 30 haben sich seit 2008 beteiligt – sondern zu wenig geeignete Bewerber! Das treibhaus 0.8-Volontariat ist ein stattliches personelles und finanzielles Investment für jede mittelständische Agentur. Diese trägt ja sämtliche Kosten und muss dem Hochschulabsolventen – meist Master, manchmal promoviert – mittlerweile auch ein akzeptables Gehalt zahlen. Wenn sich kein Bewerber findet, an den die Agentur wirklich „glaubt“, verzichtet sie lieber. Mit Recht! Ginge es nach der Bereitschaft der Agenturen, könnten wir jährlich rund 20 Teilnehmer ausbilden – allein, es fehlt die Auswahl an talentierten Menschen, die das wollen. Es gibt sie ja, die talentierten Bewerber von den Kommunikations-Hochschulen! Die Live-Cross-Arbeiten beim Nachwuchswettbewerb des ADC lassen mich jedes Jahr vor Neid erblassen. Nur bewirbt sich keiner von denen bei einer Live-Kommunikations-Agentur. Warum? Frag mal den FAMAB!

  2. Dann vielleicht mal ein Kommentar von jemanden der ein solches Kurs bei der IHK gemacht hat.
    Natürlich ersetzen 2 Bücher und ein paar Tage keine Ausbildung geschweige denn ein Studium.
    Dennoch waren annähernd alle Teilnehmer bereits in der Branche tätig, teilweise sogar schon seit über 20 Jahren. Und sogar erfolgreich!
    Sei es Hochzeiten, Incentives, Messen und Strassenfest… Und genau diese haben ihrer aus purer Leidenschaft ausgeübten Tätigkeit ein ordentliches „Grundwissenfundament“ gesetzt.

  3. Lieber Kollege, ich stimme Ihnen aus vollem Herzen zu. Mir fehlen allerdings Roß und Reiter.
    Leider muß man auch feststellen, daß der FAMAB auf dem Gebiet lange geschlafen hat. Ein Verbandssiegel oder Qualitätskriterien wären nämlich eine wertvolle Orientierung.

    Allerdings muß man unterscheiden zwischen Ausbildung und Weiterbildung, zwei hoch differenzierte Märkte. In der Weiterbildung ist zu differenzieren zwischen Kursen und Langläufern mit einer Abschlußprüfung.

    Die klassischen Eventmanagement-Kurse bieten eine verwirrende Vielfalt, vor allen Dingen wenig für Fortgeschrittene. Ein seriöses Seminarangebot findet man bei der IECA und bei der masterclass von Matthias Kindler sowie bei der Deutschen Event-Akademie. Stellen wir also die Lidl-Frage „Woran erkennt man eigentlich ein gutes Seminar?“

    • Eine detaillierte Seminarbeschreibung mit Zielgruppe, Themen, Zielen
    • Eine pass-genaue berufliche Vita des Dozenten/der Dozentin mit einer ausführlichen
    Beschreibung des Werdegangs
    • Qualitätssiegel und Zertifikate des Anbieters
    • Eine Spezialisierung, zumindest auf Kommunikation und Marketing
    • An Referenzen, Bewertungen durch Teilnehmer
    • An einem eigenen Qualitätsmanagement
    • An Informationen zur Erfolgskontrolle

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