Gewerbesteuerliche Hinzurechnung

Gewerbesteuerliche Hinzurechnung
Veranstaltungslocations und Büroräume sind im Sinne der Finanzverwaltung gleich zu behandeln.

Erste Betriebsprüfungen indizieren, die gewerbesteuerliche Hinzu­rech­nung trifft die Veranstaltungsbranche unvermutet heftig. Mieten für Veranstaltungsstätten, technisches Equipment und zum Teil auch für Hotelzimmer unterliegen danach der Gewerbesteuerplicht nach§ 8 GewStG und müssen anteilig der Gewerbesteuerzahllast hinzugerechnet werden. Zwar sind gegen diese Praxis eine Reihe von Prozessen anhän­gig, doch solange diese nicht höchstrichterlich entschieden sind, herrscht Unsicherheit bei allen Beteiligten.

Laut der Gewerbesteuerreform aus 2008 muss ein Viertel der Finan­zierungsaufwendungen dem Gewerbeertrag hinzugerechnet werden. Was im ersten Augenblick nach Kreditzinsen und Leasing klingt, betrifft im gleichen Maße Mieten für alle beweglichen und unbeweglichen Wirtschaftsgüter. So ist die derzeitige Auslegung durch die Finanzämter und das hat weitreichende Folgen für die Veranstaltungswirtschaft. Denn der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung geht es nicht nur um Büro­räume oder Lager. Es geht auch um Veranstaltungsstätten, um techni­sches Equipment oder auch um Hotelzimmer. Und zwar ganz gleich, ob der Vermieter bereits Gewerbesteuer zahlt oder nicht.

Im Klartext heißt das: eine Dienstleister-GmbH, die im Auftrag seines Kunden technische Equipment wie Beamer oder Beschallungsanlagen (beweg­liche Wirtschaftsgüter) mietet, muss 20% des Mietzinses als fiktiven Zinsanteil bei seiner Gewerbesteuerermittlung hinzurechen. Handelt es sich um eine Location (unbewegliche Wirtschaftsgüter) ist dieser fiktive Zinsanteil sogar die Hälfte der Miete. Will die Dienstleister-GmbH nicht auf den Kosten „sitzen bleiben“ muss er das Delta an seine Kunden weiterberechnen. Im Falle der Location würden sich die zusätzlichen durch die Gewerbesteuer entstehenden Kosten für den Kunden je nach Gewerbesteuerhebesatz des Ortes in dem sein Dienstleister ansässig ist, um rund 2,2 % erhöhen. Zwar gibt es einen Mittelstandsklausel im Gewerbesteuerrecht, die einen Freibetrag von 100.000 Euro für Miet-, Leasing- und Finanzierungskosten gewährt. Doch dieser ist bei den meisten Unternehmen der Branche bereits durch eigene Mieten, Leasingraten und Finanzierungskosten bereits ausgeschöpft, bevor diese für ihre Kunden aktive werden.

Beispielrechnung:

·         Miete für einen Location = 100 Geldeinheiten (GE)

·         Zu den Finanzierungsentgelten hinzuzurechnender Mietzins (50%) = 50 GE

·         Hiervon ein Viertel  = 12,5 GE (Freibetrag bereits ausgeschöpft)

·         12,5 GE X Gewerbesteuermesszahl (derzeit 3,5% in der BRD) = 0,44 GE

·         0,44 GE X Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde (Frankfurt bspw. 490) = 2,16 GE

·         Letztlich erhöhen sich die Kosten der Anmietung in diesem Beispiel um rund 2,2 %

Kaskadeneffekt

Da bei der Ermittlung der Gewerbesteuerzahllast nicht berücksichtigt wird, ob der Vermieter bereits Gewerbesteuer zahlt, kommt es nach derzeitiger Auslegung zu einer Mehrfachzahlung, wenn beispielsweise eine Agentur bei einem Spezialisten für Hotelreservierungen die Zimmer anmietet, die sie dann ein ihren Kunden weitervermietet. Letztlich würde bei diesem Beispiel nicht nur das Hotel Gewerbesteuer zahlen sondern ebenfalls der Vermittler, genauso wie die Agentur und auch der Kunde. Das Projekt wäre an dieser Stelle mehr als 6% teurer.

Standortpolitik

Das in der Bundesrepublik mit dem Gewerbesteuerhebesatz Standort­politik betrieben wird, ist keine neue Erkenntnis. Erstaunlich ist es aber, dass durch die unterschiedliche Auslegung der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung durch die einzelnen Finanzämter auch Standortpolitik betrieben wird. Auch wenn dies wahrscheinlich nicht bewusst geschieht, macht es eine klare Einschätzung und entsprechende Kalkulation für Kunden wie Dienstleister fast unmöglich. 

Haltung des FAMAB

Dass der FAMAB die gewerbesteuerliche Hinzurechnung für die Branche deutlich anders sieht als die Finanzbehörden, ist nicht verwunderlich. Seine Auffassung ist:

·         Die getätigten Aufwendungen für die angemieteten beweglichen und unbeweglichen
Wirtschaftsgüter beinhalten aufgrund ihrer Verknüpfung mit einer konkreten Veranstaltung und der regelmäßig kurzfristigen Überlassung keinen Finanzierungsanteil, welcher mit der Hinzurechnung fiktiv abgegolten werden soll.

·         Sofern die angemieteten beweglichen und unbeweglichen Wirtschaftsgüter im Eigentum des Mieters stehen würden, würde regelmäßig kein Anlagevermögen vorliegen, da man aufgrund der erwähnten Kurzfristigkeit fiktiv einen sofortigen Weiterverkauf unterstellen müsste. Die Annahme sog. fiktiven Anlagevermögens ist jedoch zwingende Voraussetzung für die Hinzurechnung.

·         Aufgrund der häufig vorliegenden Leistungsbündel (Zusammenfassung diverser Leistungen) ist eine Aufteilung schwierig und wirtschaftlich oftmals nicht sinnvoll gestaltbar.

·         Die Hinzurechnung führt zu einer Benachteiligung deutscher gegenüber ausländischen Unternehmen

Trotzdem: Solange keine höchstrichterliche Entscheidung bzw. ein klarer Verwaltungserlass der Länderfinanzbehörden vorliegt, bleibt die Unsicherheit über die Umsetzung des §8 GewStG bestehen und Kunden sollten sich über die plötzlichen Preissteigerungen nicht wundern. Denn auch der FAMAB rät seinen Mitgliedern, die Kostenerhöhung in die Preisgestaltung einfließen zu lassen. „Das Ziel dabei ist nicht die Erhöhung des Gewinns, sondern lediglich eine Absicherung der erhöhten Kosten“, so FAMAB-Geschäftsführer Jan Kalbfleisch.

25.02.2015
Kategorie:
Geschrieben von: GO