Wir müssen auch soziale Verantwortung übernehmen UNICBLUE meint: Es liegt auch an uns deutschen Unternehmern, proaktiv zu handeln.

In den letzten Wochen und Monaten werden Themen wie Aufnahme von Flüchtlingen, Integration und soziale Verantwortung wieder groß geschrieben. Es gibt Menschen und Organisationen, die direkt und unkompliziert Hilfe und Unterstützung anbieten möchten. Ein positives Beispiel anhand der Initiative der Firma UNICBLUE, welches Schule machen sollte, zeigen wir in einem Gespräch.

Stattdessen werden Initiatoren in Social Communities wüst beschimpft, wie Til Schweiger nach seinem Spendenaufruf (siehe den Artikel auf Focus.de) oder Lutz S., der in seiner Initiative #1000 Mal Willkommen Menschen eine Plattform bietet, welche Flüchtlingen zeigen, dass sie in Deutschland willkommen sind, und für seinen Einsatz angegriffen wurde.

Gerade bei Facebook provozieren Aufrufe gegen Fremdenfeindlichkeit oft. Diese Erfahrung hat auch das FAMAB-Mitglied UNICBLUE gemacht.

Das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet bietet drei Flüchtlingen eine Zukunftsperspektive. Seit dem 1. August haben Filmon, Mohamad (beide aus Eritrea) sowie Elvis (aus Guinea-Bissau) einen Ausbildungsvertrag bei dem Gelsenkirchener Unternehmen.

Wir haben uns mit Franz Przechowski, Geschäftsführender Gesellschafter von UNICBLUE, unterhalten.

„Unsere Wertewelt besteht nicht nur aus Floskeln, sondern sie wird gelebt!”

FAMAB-Blog: Herr Przechowski, Sie sind durch Ihre ungewöhnliche Suche nach Auszubildenden eher unfreiwillig zu „Medienruhm“ gekommen.

Franz Przechowski: Das stimmt zum Teil. Natürlich denkt man als Kommunikator für Marken auch vorher über die Auswirkungen von Kommunikation in eigener Sache nach. Aber das Thema ist aktuell so brisant, dass viele Medienanfragen kommen, die ich auch gerne alle bediene. Einmal, um unser Ziel, die Integration von Kriegsflüchtlingen in unseren gesellschaftlichen Alltag, zu unterstützen, aber auch um den Beweis anzutreten, dass die Wertewelt von UNICBLUE nicht nur Floskeln sind, sondern gelebt wird.

FAMAB-Blog: Wie kamen Sie auf die Idee, zwei Ausbildungsplätze Ihrer Firma UNICBLUE Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen?

Franz Przechowski: Zum einen durch die menschliche Katastrophe, die mich Anfang des Jahres über die Berichterstattung in den Medien erreicht hat. Wer die Bilder von überfüllten Booten auf dem Mittelmeer sieht und nur eine Ahnung davon hat, wie es auf See bei Wind und Wetter ist, der bleibt dabei nicht kalt. Dazu kam im Februar eine Sitzung des IHK-Regionalausschusses in Gelsenkirchen, bei dem angesichts der demografischen Entwicklung über den drohenden Fachkräftemangel wehgeklagt wurde, ohne halbwegs vernünftige Lösungsansätze zu erarbeiten.

Dieser Abend hat mich schwer verärgert und führte dazu, dass ich mich mit dem Thema in der Folge beschäftigt habe. Wie so oft im Leben – das Thema lag sozusagen auf der Straße, und ich musste mich nur bücken. Menschen, die ihre Heimat verlassen, weil sie in Lebensgefahr sind, tausende von Kilometern quer durch einen Kontinent laufen, um in der Hoffnung ein besseres Leben zu finden, weitere Lebensgefahren auf sich nehmend zu uns kommen – das können keine Faulenzer oder Schnorrer sein. Es sind die willensstarken und ehrgeizigen Menschen.

UNICEBLUE unterstützt aktiv Flüchtlinge.

Facebook-Post von UNICBLUE.

FAMAB-Blog: Was erwarten die Auszubildenden bei Ihnen?

Franz Przechowski: Neben den täglichen Aufgaben, die im Rahmen der Ausbildung zu erledigen sind, betreuen wir die drei jungen Männer bei der Wohnungssuche, dem Umzug und allen Behördengängen. Wegen unserer medialen Präsenz haben wir natürlich hier im regionalen Raum auch einen gewissen Vorteil. Niemand beim Amt oder aus der Kommunalpolitik möchte es riskieren, dass wir vielleicht beim nächsten Interview kritische Töne anstimmen.

FAMAB-Blog: Haben Sie sich Rat und Unterstützung bei den zuständigen Behörden eingeholt?

Franz Przechowski: Wir haben von Beginn an mit der ELNet-Bleiberecht.de in Recklinghausen zusammengearbeitet. Die Projektgruppe der Caritas wird von Bundes- und Landesministerien finanziert und leistet hervorragende Arbeit auf dem Feld der Integration von Migranten. Eine der Leiterinnen, Frau Dr. Lillig, ist in allen juristischen Fragen und auch bei der Einstufung der Migranten bei einer Vorauswahl zur Bewerbung sehr kompetent.

FAMAB-Blog: Und was erwarten Sie von den Auszubildenden?

Franz Przechowski: Loyalität und den Willen etwas Wertschöpfendes für das Unternehmen zu leisten. Also nichts anderes, als von allen übrigen Mitarbeitern.

FAMAB-Blog: Wie und wo haben Sie dann diese „Jobangebote“ gestartet?

Franz Przechowski: Zunächst hatte ich keine Ahnung, wen ich ansprechen sollte. Die Agentur für Arbeitsvermittlung (AfA) war auf Anfrage nicht zuständig. Das Amt für Migration in Gelsenkirchen wurde von unserem Angebot überrascht und wollte sich dazu später melden, wenn man sich „schlau“ gemacht hat. Auf diese Rückmeldung warten wir noch heute. Also haben wir bei Facebook ein Posting auf unserer Firmenseite veröffentlicht, in dem wir nachfragten, wer uns in dieser Sache mit Know-how unterstützen kann. Sie dürfen nicht vergessen, dass zu Beginn des Jahres 2015 so ziemlich alles juristisch blockiert war, was Arbeit für Flüchtlinge anging. Das hat sich mittlerweile deutlich verändert. Über Facebook haben wir dann den Kontakt zu ELNet-Bleiberecht bekommen.

FAMAB-Blog: Und warum haben Sie u.a. Facebook als Plattform gewählt?

Franz Przechowski: Weil wir damit unkonventionell und ohne bürokratische Bremsen in eine kompetente Kommunikation treten konnten. Das Ergebnis gibt uns Recht.

FAMAB-Blog: Wie war nun die Resonanz auf die Anzeige – wie viele Bewerber haben sich gemeldet?

Franz Przechowski: Bewerber haben sich natürlich nicht gemeldet. Kein Flüchtling, der im Auffangheim lebt, würde auf die Idee kommen bei UNICBLUE auf die Facebook-Seite zu gehen. Unser Ziel war es, Kontakt zu Menschen oder Institutionen zu bekommen, die unmittelbar mit den Flüchtlingen arbeiten.

FAMAB-Blog: Und die weitere Resonanz, die kam, war unerwartet. Bitte berichten Sie.

Franz Przechowski: Ja, es gab einen „braunen“ Shitstorm von Fremdenhassern und Menschen, die sich zu unüberlegten Kommentaren verleiten lassen. Aber die positive Resonanz im Sinne einer freiheitlichen und humanistischen Haltung war überwältigend groß. Das hat uns Auftrieb und Zuversicht gegeben.

FAMAB-Blog: Was würden Sie Unternehmen empfehlen, die, ähnlich wie Sie, Flüchtlinge aktiv unterstützen möchten?

 

Flüchtlingsthemen und Menschlichkeit sind Chefsache - so die Unternehmerfamilie von Unicblue.
Flüchtlingsthemen und Menschlichkeit sind Chefsache – so die Unternehmerfamilie Przechowski von UNICNLUE.

 

Franz Przechowski: Das ist Chefsache. Zunächst ist die interne Kommunikation und Akzeptanz beim Mitarbeiterstamm entsprechend aufzubauen. Sammeln Sie Argumente für die Einstellung von Flüchtlingen, die nicht nur humanitären Charakter haben. Arbeiten Sie die Notwendigkeit für den eigenen Betrieb heraus. Stichworte sind: demografische Entwicklung in Deutschland, Fachkräftemangel, Globalisierung (…ganz viele Flüchtlinge sprechen gutes Deutsch, was sicherlich noch ausbaufähig ist, aber fast alle sprechen perfekt Englisch oder Französisch oder auch Arabisch), kulturelle Bereicherung des Betriebsklimas und der Stolz der Belegschaft weltoffen zu sein.

FAMAB-Blog: Und wie geht es weiter mit dem Engagement?

Franz Przechowski: Wir sehen schon dem Ausbildungsjahr 2016 entgegen.

„Unser Leitsatz lautet: We believe in Change”

 

FAMA-Blog: Herzlichen Dank, Herr Przechowski!

Franz Przechowski über UNICBLUE:

Franz Przechowski
Franz Przechowski von UNICBLUE

Aktuell haben wir sieben Ausbildungsplätze, wovon drei mit jungen Männern aus Eritrea und Guinea besetzt sind. Aber wir interessieren uns auch für akademisch ausgebildete Menschen aus Syrien, die wir schon für operative Positionen einstellen würden, wenn es Sinn macht.

UNICBLUE hat eine eigene Wertewelt. Wir haben unsere Wurzeln im Ruhrgebiet, aber die Welt ist unser Revier. Als global agierendes Unternehmen haben wir deshalb stets eine offene Weltanschauung. UNICBLUE denkt und agiert „Out of the Box“, weil wir eine kreative DNA haben, die sich nicht nur bei Entwürfen niederschlägt, sondern alltäglich – bei unserer Arbeit und unseren Entscheidungen. „Last not least“ sind wir ein Familienunternehmen geprägt von persönlicher Verantwortung und Engagement zum Wohle des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und seiner Umgebung.

FAMAB-Redaktion

Blog-Redaktion bei FAMAB e.V.
Wir freuen uns auf spannende Berichte, hilfreiche Kommentare, kollegialen Austausch und nicht zuletzt hitzige Debatten.

Veröffentlicht von

FAMAB-Redaktion

Wir freuen uns auf spannende Berichte, hilfreiche Kommentare, kollegialen Austausch und nicht zuletzt hitzige Debatten.

One thought on “Wir müssen auch soziale Verantwortung übernehmen UNICBLUE meint: Es liegt auch an uns deutschen Unternehmern, proaktiv zu handeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.