Nachhaltigkeit, Verantwortung und Tradition Ein Gastbeitrag von Prof. Stefan Luppold

Wenn wir damit beginnen, über die Wiederverwertung der Hüllen von Namensschildern zu sprechen, dann haben wir den falschen Ansatz gewählt. Es geht um ein größeres, ein grundlegendes Verständnis von Nachhaltigkeit. Wer sich einen Moment Zeit nimmt, um in der Schublade seiner persönlichen Erinnerungen zu kramen, wird dort sogar Nachhaltiges entdecken, dessen Entstehungsdatum weit vor der Zeit liegt, in der dieses Thema zu einem großen wurde.

Vor mehr als zehn Jahren fuhr ich Taxi und fragte den Fahrer, ob er angestellt sei. „Nein, selbständig, mir gehört das Taxi“. Ich wollte wissen, wieviele Fahrer er für nachts einsetzt. „Keinen, da steht das Taxi in der Garage!“. Für mich auf den ersten Blick völlig unwirtschaftlich, das Fahrzeug muss laufen, eben Tag und Nacht im Einsatz sein. Nein, war die Antwort, der Wertverlust bei einem Rund-um-die-Uhr-Einsatz stehe in keinem Verhältnis zu den Erträgen:

„Lieber verzichte ich auf den Umsatz und schone meinen Wagen“.

Der uns innewohnende Drang (oder Zwang?) zu einer hohen Auslastung ist also auch wirtschaftlich nicht immer sinnvoll. Eine Freiburger Bäckerei hat vor kurzem angekündigt, an Samstagen zu schließen. Die Mitarbeiter, insbesondere die Bäcker, benötigen eine vernünftige, balancierte Mischung an Arbeits- und freier Zeit. Die Kunden werden sich darauf einstellen und, da das Sortiment an Backwaren besonders lecker und von hoher Qualität ist, auch damit umgehen können. Soziale Nachhaltigkeit im Sinne eines motivierten und ausgeglichenen Teams, mit einer geringen Fluktuation, Spaß an der Arbeit und damit einer nachhaltigen Tätigkeit.

Verantwortliches Handeln gewinnt an Bedeutung

Die vielen Buzz Words unserer Zeit – Corporate Citizenship, Compliance, Corporate Governance etc., hängen zusammen und beschreiben keine isolierten Felder für Aktivitäten. Eine große Überschrift, die man wählen kann, ist „Verantwortung“. Verantwortliches Handeln kann nicht anders sein als nachhaltig, als die Rolle des Unternehmers verständig und achtsam im sozialen Gefüge auszufüllen, als mit Würde und Stil zu agieren. Zugänge schaffen Bildung und Erziehung, ein klares Bild der eigenen Existenz und eine Portion Fähigkeit zur Empathie.

Die nachhaltige Aufgabe der Hochschulen

Hier begründet sich unsere Aufgabe an den Hochschulen – mit jungen Menschen diese Kultur eines ganzheitlichen Managements zu besprechen und dessen Bedeutung herauszuarbeiten. Dann sind auch Work-Life-Balance und Gender Neutrality explizites Element. Es ist dabei erforderlich, dies zu erläutern, zu lehren, beispielhaft vorzustellen, natürlich vorzugsweise entlang von Trendberichten, Zertifizierungen, Praxisbeispielen. Allerdings ist Nachhaltigkeit an einer Hochschule auch implizit: Die Studenten der dritten und fünften Semester geben Wissen – und Aufgaben – weiter an „die neuen Ersties“. Die werden eingebunden in den Hochschulbetrieb, gewonnen für Funktionen in den studentischen Gremien und – Aufzucht und Nachfolge – an die Übernahme von Pflichten der bald Graduierten und dann als Alumni Ausgeschiedenen herangeführt. Das System hält sich dabei selbstständig auf einem hohen Niveau und funktioniert nachhaltig. Hier verwenden die jungen Menschen meist einen Begriff, der durchaus als Synonym von Nachhaltigkeit verstanden werden darf: Tradition.

Prof. Stefan Luppold

Prof. Stefan Luppold

Studiengangsleiter BWL - Messe-, Kongress-und Eventmanagement bei Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Ravensburg
Stefan Luppold ist Professor an der staatlichen DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) Ravensburg; dort leitet er den Studiengang „Messe-, Kongress- und Eventmanagement“. Das gleichnamige Institut (IMKEM) hat er 2009 gegründet. Zuvor war er zwei Jahrzehnte lang in internationale Projekte der Veranstaltungs-Branche eingebunden, darunter bei Messe- und Kongressgesellschaften, Stadien und Arenen, Kultureinrichtungen sowie den Veranstaltungsabteilungen wissenschaftlicher Verbände und Event-Agenturen. Als Herausgeber von zwei Fachbuchreihen mit aktuell 17 Bänden, als Mitherausgeber des 2013 veröffentlichten „Handbuch Messe-, Kongress- und Eventmanagement“ sowie als Autor, Referent bei Branchenverbänden und Gastdozent an Hochschulen im In- und Ausland gibt er sein Wissen weiter.
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Stefan Luppold ist Professor an der staatlichen DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) Ravensburg; dort leitet er den Studiengang „Messe-, Kongress- und Eventmanagement“. Das gleichnamige Institut (IMKEM) hat er 2009 gegründet. Zuvor war er zwei Jahrzehnte lang in internationale Projekte der Veranstaltungs-Branche eingebunden, darunter bei Messe- und Kongressgesellschaften, Stadien und Arenen, Kultureinrichtungen sowie den Veranstaltungsabteilungen wissenschaftlicher Verbände und Event-Agenturen. Als Herausgeber von zwei Fachbuchreihen mit aktuell 17 Bänden, als Mitherausgeber des 2013 veröffentlichten „Handbuch Messe-, Kongress- und Eventmanagement“ sowie als Autor, Referent bei Branchenverbänden und Gastdozent an Hochschulen im In- und Ausland gibt er sein Wissen weiter.

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