Urbane Lebensräume inszenieren: Lasst Mohn blühen Emotionen mit künstlichen Naturelementen erzeugen

Urbane Lebensräume

Der Trend zur Stadt hält an – jedoch existiert gleichzeitig der Trend „zurück zur Natur“. Fest steht: Das Leben in Großstädten wandelt sich. Und gerade in den Metropolen werden neue Trends oft deutlicher sichtbar als andernorts. Forscher sehen in Ballungsräumen einen Trend zum neuen Umgang der Menschen mit Arbeit und Freizeit. Man denke an Oslo, welche die erste europäische autofreie Metropole werden möchte. 

Metropolen im Wandel

Auch bei Autos und Energie wandelt sich einiges: Ob selbstfahrende Autos oder Wind und Sonne als Energie-Erzeuger, Städte befinden sich im Wandel. Und deren Bewohner auch. Eine Statistik der Trendstudie des Fraunhofer Instituts (Studie: Trendreport Stadt – Aussichten für Deutschlands urbane Zukunft (PDF)) belegt, dass seit 2007 weltweit mehr Menschen in urbanen als in ländlichen Räumen leben: „Laut Experten der Vereinten Nationen werden 2050 bis zu 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten wohnen.“

 

HQ Architects, Pavilion Sculpture Photo:Dor Kedmi
Warde by HQ architects Israel, Pavilion Sculpture
Photo: Dor Kedmi

 

Themen wie Guerilla Gardening (Gärtner-Aktionen im öffentlichen Raum – ohne offizielle Erlaubnis und auf eigene Kosten ) und Urban Farming liegen im Trend. Auf dem Gebiet der Dachfarmen gehört New York zu den Vorreitern. Bereits 1973 schlossen sich dort Stadtbewohner als Green Guerillas zusammen, um leere Bauflächen zu begrünen. Auch in Kuba und Asien wird städtische Landwirtschaft bereits seit Jahren gefördert.

Zurück zur Natur

Die gute Nachricht lautet: Wir müssen gar nicht raus aus der Stadt, um zurück zur Natur zu finden, da der Mensch einfallsreich genug ist, um sich die Natur in seinen Lebensraum zu holen. Inmitten von Hochhäusern, Straßenlärm, Beton und Industrie entstehen Biotope, Dachgärten und Hinterhofgärten.

Positiv für’s Gemüt

Gerade in immer größeren Stadtgebieten (Ballungszentren) stellen Sozialpsychologen eine evolutionär verankerte Liebe zum Lebendigen (Biophilie) fest. Eine Studienzusammenfassung der englischen Forscher Joe Barton und Jules Pretty von der University of Essex in Colchester belegt, dass besonders bei jüngeren Leuten und psychisch angegriffenen Menschen der positive Effekt von Aktivitäten im Grünen, zu denen etwa Spaziergänge im Park und Gartenarbeit gehören, erhöht wird. Die Resultate zeigen die große Bedeutung von Grünflächen und Natur in Städten und in der Umgebung von Unternehmen.

Trend der Zukunft: natürlich anmutende Städte

Manchmal muss es auch nur naturähnlich sein, um positive Emotionen aufkommen zu lassen. Dieses Prinzip machte sich das israelische Architekturbüro HQ architects aus Tel Aviv zunutze.

Sie installierten riesige Mohnblüten auf dem Valero-Platz in Jerusalem. Aus einem zarten Stoff wurden rote Blütenblätter mit einem Durchmesser von 4,5 Metern erstellt, die ihr Aussehen mit dem Wetter ändern. Wind verursacht beispielsweise, dass die Blüten „aufblühen“. Nach Sonnenuntergang werden die Mohnblüten zur Lichtquelle.

WARDE by HQ architects Israel, Pavilion Sculpture Photo:Dor Kedmi

Warde: How it works by HQ architects Israel
Photo:Dor Kedmi

 

Damit löst das Projekt Warde gleichzeitig drei Aufgabenstellungen: Die Blüten dienen als Regenschirm, Lampe und Dekoration. Inmitten des Gehsteiges, an einer Haltestation öffentlicher Verkehrsmittel, stehen gleich vier dieser künstlichen Mohnpflanzen mit einer Höhe von 9 Metern. Obwohl sie künstlich sind, zeigen sie durch die Farbauswahl und der Natur entnommenen Form positive Emotionen.

Die Blüten reagieren auf ihre Umwelt: Wenn Fußgänger die Blumen passieren, werden sie aufgeblasen, reagieren also auf Bewegung. Solange ein Mensch sich in unmittelbarem Umfeld befindet, bleiben sie geöffnet und sorgen an heißen Sommertagen für Schatten. Wenn die Straßenbahn zur Haltestelle fährt, öffnen sich alle vier Blüten gleichzeitig, um die Passanten über deren Eintreffen zu informieren. Das folgende Video zeigt die Mohnblüten aus Jerusalem in Aktion.

Warde from HQ Architects on Vimeo.

 

Architekt Erez Ella hofft, dass auch diese „kleine” Rauminszenierung Menschen dazu verhilft, öffentliche Plätze bewusst als Lebensräume zu nutzen. Es wäre doch schön, wenn wir und andere Einwohner auch mehr Zeit miteinander – also zum Beispiele für Austausch, Gespräche und Nachbarschafthilfe – im öffentlichen Raum verbringen würden. Ich werde es Anfang Dezember persönlich in Augenschein zu nehmen 🙂

Pia Kleine Wieskamp

Kommunikationsexpertin bei POINT-PR
Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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Pia Kleine Wieskamp

Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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