Tipps zum Technology Shabbat Gespräch mit Maren Martschenko

Famab-Blog Kachel Social Media

In Zeiten der ständigen Erreichbarkeit, dem „Always on“, der Angst, etwas zu verpassen und nie vollständig abschalten zu können, sind der Digital Overload oder Krankheiten wie Burn-Out die Folge. In dem Artikel Achtung, der Digital Overload droht! berichten wir, dass viele Betroffene regelmäßige Online-Pausen oder Internet-Diäten machen, um diesem Dilemma zu entgehen. „Social Media Junkie” Maren Martschenko – sie bezeichnet sich als Markenmacher, Chief Enthusiasm Officer, auf-den-Punkt-Bringer, wenn es sein muss auch in-den-Hintern-Treter – praktiziert seit Jahren einen bewussten Umgang mit digitalen Geräten. In einem Kurzinterview verrät Maren uns, wie ihre digitale Auszeit bzw. Diät – ihr Technology Shabbat – aussieht und welche Vorteile sie darin sieht.

Maren Martschenko
Maren Martschenko praktiziert den Technology Shabbat (Tech Shabbat)

FAMAB-Blog: Maren, du verzichtest bewusst auf den permanenten Einsatz von digitalen Geräten. Wie sieht das konkret aus?

Maren: Ich mache seit ziemlich genau drei Jahren, inspiriert durch die amerikanische Filmemacherin Tiffany Shlain, jeden Freitag- bis Samstagabend einen Technology Shabbat. Das bedeutet, ich nutze in dieser Zeit weder Smartphone noch iPad noch Computer.
Am Anfang war ich noch extrem streng und habe für 24 Stunden keines der Geräte genutzt. Bis ich eines Samstags einmal sehr früh aufstehen und feststellen musste, dass ich den Wecker in meinem Handy brauche, um wach zu werden. Oder keinen Fahrplan zur Hand hatte, um herauszufinden, wie ich am besten von A nach B komme.

Mit der Zeit habe ich für mich folgendes Modell gefunden:

Ich gehe nur online, um eine Fahrkarte zu kaufen. Nehme mein Smartphone oder meinen Computer nur her, um Musik zu hören oder mich wecken zu lassen.
In Ausnahmefällen verschiebe ich den Tech Shabbat um einen Tag, zum Beispiel wenn ich auf einer Digitalkonferenz bin, wo ich mein Netzwerk via Twitter und Facebook auf dem Laufenden halten möchte.

Digitale Auszeit bedeutet eine zeitweisen Verzicht auf die Nutzung digitaler Geräte.
Digitale Auszeit bedeutet einen zeitweisen Verzicht auf die Nutzung digitaler Geräte.

FAMAB-Blog: Maren, inwieweit hat die digitale Diät dein Leben beeinflusst?

Maren: Mein Verhalten in Bezug auf Hardware und mein sonstiges Leben hat sich seitdem sehr geändert:

  • Meine durchschnittliche Zeit bei Twitter, Facebook und Co. hat sich im Laufe der Zeit um ein Drittel reduziert.
  • Ich habe gelernt: Alles Wichtige erreicht mich, auch wenn ich vorübergehend abschalte.
  • Ein im Büro vergessenes Handy lässt in mir keine Panik mehr aufsteigen.
  • Ich muss nicht immer für alle überall verfügbar sein.
  • Ich scanne nicht mehr aus Gewohnheit die Social Media Kanäle, sondern ich entscheide mich bewusst dafür und freue mich darauf, was meine Freunde und Follower in der Zwischenzeit erlebt und gepostet haben.
  • Ich arbeite samstags nicht mehr, denn es gibt kaum etwas, für das ich nicht mein Smartphone oder meinen Computer brauche. So habe ich nun immer mindestens einen freien Tag in der Woche. Da freuen sich auch Partner und Familie.
  • Ich habe das Gefühl, dass die Samstage länger sind als andere Tage, weil ich so viel erledigt bekomme. An einem Samstag habe ich zum Beispiel einmal komplett alle Esstischstühle neu gepolstert oder meinen Balkon neu gestaltet. Im Gegensatz zu meinem Beraterjob, wo ich als Wissensarbeiter am Tagesende nie solche haptischen Ergebnisse vorweisen kann, empfinde ich das als sehr erfüllend.

FAMAB-Blog: Was ist für dich der größte Gewinn bei der Ausübung des Tech Shabbats?

Maren: Ich habe durch den Tech Sabbath nicht nur etwas über mich gelernt, sondern auch über die Gesellschaft:

  • Ich habe gemerkt, wie selbstverständlich einige Apps analoge Alternativen ersetzt haben: Den Wecker, den CD-Spieler, den MVV-Fahrplan, den Stadtplan, den Fotoapparat, das Festnetztelefon uvm.
  • Mir ist aufgefallen, wie unverbindlich sich viele Menschen verabreden. Dank SMS lässt sich auch noch kurzfristig zu- oder absagen, neue Verabredungsorte und -zeiten festlegen. Das geht mit mir nicht mehr. Wer mich am Samstag sehen will, muss das vorher fest vereinbaren und auch ich muss mich festlegen. Absagen funktionieren nur persönlich. Das ist etwas, das ich mittlerweile auch für alle anderen Tage übernommen habe.
  • Es ist ungewohnt, nicht sofort alles bei Google nachschauen zu können. Viele halten es gar nicht mehr aus, etwas nicht zu wissen.

All diese Erfahrungen und Erlebnisse empfinde ich als sehr bereichernd.

Der Tech Sabbath ist für mich eine wichtige Komponente für ein ausgewogenes Leben. Klick um zu Tweeten

Manchmal weiß man ja etwas erst richtig zu schätzen, wenn man eine Weile darauf verzichtet. Eine längere Auszeit von der Technik könnte ich mir, abgesehen vom Urlaub, allerdings nicht vorstellen.

FAMAB-Blog: Maren, wir bedanken uns für das Gespräch und deinen inspirierenden Umgang mit digitalen Geräten in Zeiten von ständiger Erreichbarkeit.

Pia Kleine Wieskamp

Kommunikationsexpertin bei POINT-PR
Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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Pia Kleine Wieskamp

Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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