Schatz, was ziehe ich zu meinem Essen an? Wie das Thema Essen in die Fußstapfen der Mode tritt

Ob man nach drei Messen und über 7.000 Ständen mit Essen und Trinken noch Hunger hat? Ja, und einen Kopf voll an Trends: Es eine herrliche Zeit für Lebensmittelproduzenten und Start-ups. Das kann ich nach dem Besuch der ANUGA, der eat&STYLE und der NEXT GENERATION FOOD 2015 mit ruhigem Gewissen schreiben.

Essen und Trinken ist Mode(-business) geworden

Essen und Trinken hat sowohl den Magen als auch die Herzen der Deutschen erobert – als größter gemeinsamer, unverfänglicher, gesellschaftlicher Nenner. Diese Popularität zaubert eine unglaubliche Vielfalt an Start-ups hervor, an großen Unternehmen, die als Innovator auftreten und an TV-Shows und Crowdfunding Projekten.

Heimo Tscherne bloggt auf heckmeckl.de über Food und Kommunikation.
Heimo Tscherne bloggt auf heckmeck.net über Food und Kommunikation.

 

Essen und Trinken ist keine Modeerscheinung mehr. Essen und Trinken ist Mode(-business) geworden und passt sich im Bezug auf Kommunikation, Innovation und Marketing deren Regeln an. Convenience als neue Leitkultur – ähnlich den Multifunktionsjacken, von denen jeder Deutsche mindestens zwei besitzt. Coca Cola, Rügenwalder oder McDonalds sind zu Unternehmen wie H&M oder Zara aufgestiegen, präsentieren neue Food-Kollektionen und machen so aus ‚kleinen‘ Trends massentaugliche Marktreife. Man denke an den McBio, Coca Cola mit Stevia oder den vegetarischen Schinkenspicker. Produkte, die gefeiert werden wie eine neue Modelinie.

Wikipedia beschreibt Convenience Food oder Convenience-Lebensmittel als „ein aus dem Englischen entlehnter Begriff für „bequemes Essen“ (convenience „Bequemlichkeit“, food „Essen“). Damit werden vorgefertigte Lebensmittel bezeichnet, bei denen der Nahrungsmittelhersteller bestimmte Be- und Verarbeitungsstufen übernimmt, um weitere Zubereitungen in Privathaushalten, Gastronomie oder Gemeinschaftsverpflegungen zu erleichtern.“

Do it yourself – eat&STYLE

Konsumenten streben neuerdings neben dem Genuss und nach dem Besitz von Speisen nun auch nach der Produktion von Lebensmitteln und Gerichten. Die eat&STYLE ist ein derartiger Indikator und hat sich vom Frontalunterricht zu einer DIY Veranstaltung mit gemeinsamem Wursten, Backen, Sushi Rollen und dry aged beef Anbraten gewandelt. Das Gefühl, der Herr über sein Essen zu sein, ist wichtig: Thermomix statt Tupperware.

München. Die eat&STYLE ist mit 115.000 Besuchern Deutschlands größtes Food-Festival. Neben Hamburg, München, Köln und Stuttgart reiht sich in diesem Jahr Frankfurt am Main in die Riege der Gastgeberstädte ein. Die Besucher erwartet ein vielfältiges Programm aus interaktiven Workshops, Liveshows und speziellen Themenwelten, die sich aktuellen und künftigen Kulinariktrends widmen.
Eindrücke des Food-Festivals east&STYLE in München. Die eat&STYLE ist mit 115.000 Besuchern Deutschlands größtes Food-Festival. Neben Hamburg, München, Köln und Stuttgart reiht sich in diesem Jahr Frankfurt am Main in die Riege der Gastgeberstädte ein.
Die Besucher erwartet ein vielfältiges Programm aus interaktiven Workshops, Liveshows und speziellen Themenwelten, die sich aktuellen und künftigen Kulinariktrends widmen.

Stay hungry – Next Generation Food

Der Hunger nach Neuem war auf der NEXT GENERATION FOOD zu spüren. Dabei handelt es sich um ein Treffen von (etablierten) Gründern und großen Unternehmen, die gerne Gründer wären – eine Veranstaltung, die ich Ihnen der Einfachheit halber als Messe verkauft habe. Der Ablauf beinhaltete neben zahlreichen spannenden Cases und Präsentationen – Just Spices, TeaTales oder Coawach – auch einen großen Happen Realität.

Wie funktioniert Online-Handel, wie setze ich Big-Data ein, wie optimiere ich meinen Webshop, Customer Journey und die Lieferkartons von DHL, die sowieso immer falsch dimensioniert sind. Punkte, bei denen Unternehmen wie Zalando, Westwing oder Amazon schon ein paar Schritte weiter sind.

Die NEXT GENERATION FOOD als " Familien-Treffen" der Food-Branche. Ob großer Hersteller, etablierter Pure Player oder junges Start-Up: Hier geht es um den Austausch von Entscheidern, Experten und Visionären und um die aktive Mitgestaltung der gesamten Food-Landschaft.
Die NEXT GENERATION FOOD als „Familien-Treffen“ der Food-Branche. Ob großer Hersteller, etablierter Pure Player oder junges Start-up: Hier geht es um den Austausch von Entscheidern, Experten und Visionären, und um die aktive Mitgestaltung der gesamten Food-Landschaft.

Verkehrte Welt – Anuga

Der Besuch der Fachmesse Anuga mit über 7.000 internationalen Ausstellern zeigt zum Abschluss die wahre Dimension der Lebensmittelwirtschaft. Die Grenzen in der Produktion verschwimmen: Fleischproduzenten produzieren vegetarische Produkte und Großbrauereien Craft Beer. Bedenken Sie, wir sprechen hier noch nicht von all den Produkten aus Ländern wie Asien und Afrika, die noch nicht auf dem deutschen Markt sind.

Auch wenn die Innovationstreiber noch im Souterrain der Messehalle sitzen, so bin ich überzeugt, dass Unternehmen wie emils.comfrizle.de oder daseis.eu über kurz oder lang große Hallen füllen werden. Die Unternehmen Das Eis, Emils, Foodloose, Frizle, Kulau und Proviant haben mit der Arena of fresh ideas auf der Anuga einen Stand geschaffen, der ihre Unternehmensziele und -vorstellungen auf einen Nenner bringt. Sie sorgen für Innovation im Bereich Lebensmittel – teils mit veganen und vegetarischen Alternativen – und mit neuen Verpackungskonzepten. Und insbesondere steht bei ihnen die Liebe zur Idee, zum Detail, zur Frische und zur Qualität im Vordergrund.

Eindrücke der ANUGA 2015, die unter dem Motto "Taste The Future" stand.
Eindrücke der ANUGA 2015, die unter dem Motto „Taste The Future“ stand.

Fazit:

Ist der modische Vergleich damit zu Ende? Nein, es fehlen noch die wahren Innovationen! Unsere Jacken sollen sprechen können und dem Sitznachbarn signalisieren, dass man ihn / sie süß findet. Das versprechen die Kühlschrankhersteller seit Jahren – ich sage, Lebensmittel werden es früher können. Functional food, unser Essen aus dem Drucker für die Kinder, die zu Hause darauf warten, Ersatzstoffe aus Pflanzen und endlich Applikationen, die nicht nur den Zuckergehalt unseres Muffins berechnen, sondern Tinder-like gleich das Date mitliefern (Tinder ist eine Dating-App).

Passt der Vergleich mit der Mehrzweckjacke? Vielleicht. Ich verstehe von Mode nichts, dafür umso mehr von Lebens- und Genussmitteln. Wenn ich mir jedoch eine Großzahl der Fashion-Blogger und Vlogger ansehe, die das Thema Genuss mittlerweile auf ihre Fahne heften – und wenn es nur ein Selfie mit dem Smoothie ist –, dann trifft es der Vergleich mit Mode deutlich besser.

Heimo Tscherne

Heimo Tscherne betreut seit 2007 (inter-)nationale Marken aus dem Food & Beverage Bereich in strategischer Kommunikation. Seine Kompetenzen umfassen klassische PR, Social Media, Testimonial- und Eventmanagement mit einem steten Innovationsgedanken.
Die Leidenschaft des Österreichers sind Genuss und Genussmittel. Heimo lebt für den guten Geschmack in jeglicher Form. Eine Leidenschaft, die er zu seinem Beruf gemacht habe. Acht Jahre in Agenturen, jetzt als kreativer Freigeist.
Als freier Kommunikationsberater arbeitet er für Unternehmen, Start-Ups, Verbände und Agenturen. Mit einem entsprechenden Netzwerk an (sozialen) Medienkontakten und Experten.
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Heimo Tscherne

Heimo Tscherne betreut seit 2007 (inter-)nationale Marken aus dem Food & Beverage Bereich in strategischer Kommunikation. Seine Kompetenzen umfassen klassische PR, Social Media, Testimonial- und Eventmanagement mit einem steten Innovationsgedanken. Die Leidenschaft des Österreichers sind Genuss und Genussmittel. Heimo lebt für den guten Geschmack in jeglicher Form. Eine Leidenschaft, die er zu seinem Beruf gemacht habe. Acht Jahre in Agenturen, jetzt als kreativer Freigeist. Als freier Kommunikationsberater arbeitet er für Unternehmen, Start-Ups, Verbände und Agenturen. Mit einem entsprechenden Netzwerk an (sozialen) Medienkontakten und Experten.

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