Produktives Schaffen statt Zeit verpendeln Gastautorin Doris Schuppe beschäftigt sich mit Out of Office

Working in a Coworking Station

“Work is no longer a place” hören wir auf verschiedensten Konferenzen und lesen es in Trendberichten. Wie weit sind wir diesem Trend schon nahe gekommen? Wie zufrieden sind Menschen mit ortsunabhängiger Arbeitsplatz-Gestaltung?

“Mein Arbeitgeber ist in einer anderen Stadt, ich möchte aber in München leben”, erklärte mir die Kollegin im Münchner Coworking Space am Tisch gegenüber. Festangestellt und im Shared Workspace arbeiten: Damit lebte die Software-Beraterin das Lösungs-Szenario für Unternehmen, begehrte Fachkräfte ohne Ortswechsel per Coworking zu beschäftigen.

Ein Einzelfall? Schauen wir in die Ergebnisse der im Sommer veröffentlichten Global Telework Survey von PGi arbeiten schon heute 69 Prozent der befragten Nordamerikaner zumindest zeitweilig außerhalb des Firmenbüros. 25 Prozent sind es in EMEA und 7 Prozent in APAC/Japan (die global durchgeführte Online-Erhebung gliedert die Erkenntnisse in die Regionen Nordamerika, EMEA und Asien auf). Entsprechend konstatiert die Studie den “Wendepunkt, an dem sich Arbeitende und Unternehmen auf der ganzen Welt an die neue Norm anpassen: the digital workplace”*.

Wenn nicht im Büro gearbeitet wird, dann dominiert der Arbeitsplatz zuhause in den Antworten der Befragten (62 Prozent) deutlich vor anderen Orten. Wer glaubt, die Kollegen würden ja nur im Café sitzen, ist auf dem Holzweg: Deutlich häufiger werden Shared Workspaces in EMEA aufgesucht. Erstaunlich, dass in Nordamerika keine Präferenz zu dieser Option abzulesen ist, obwohl hier bereits seit längerer Zeit ein umfangreiches Coworking-Angebot besteht.

Kaffee mit Local Coffee Shop Daten
Gemeinsam statt einsam: Arbeiten im Shared Workspace

 

Was bewegt die Mitarbeiter, dem Büro fernzubleiben? Die Studie ermittelt für die Region EMEA die drei wesentlichen Vorteile, die mit Teleworking einher gehen:

  1. Reduzierte Pendelzeit
  2. Bessere Work-Life-Balance
  3. Höhere Produktivität

Zu dem Befragungsergebnis passen die Antworten zu Pendelzeiten: 38 Prozent der in EMEA Befragten nehmen Fahrzeiten von über einer Stunde täglich auf sich, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. Zwischen 45 und 60 Minuten pendeln weitere 19 Prozent. Dazu gesellt sich noch ein anderes Phänomen. In der jüngst von der FOW Community veröffentlichten Sammelschrift “The Future of Work – Make the Future Work For You” schreibt Sara Sutton-Fell:

The two biggest reasons people think they would be more productive working from home are the reduction of office politics and fewer interruptions from office colleagues.

Und tatsächlich höre ich häufig, wie gerade Wissensarbeiter, Journalisten, Consultants ihre Arbeit im Coworking Space besonders produktiv empfinden. Nach ihrem persönlichen Zeitplan und Rhythmus gehen sie hochkonzentriert ihren Aufgaben nach.

Flexibilität als Mitarbeiter-Bindung

Kein Wunder, dass sowohl bereits zeitweilig ‘out-of-office’ Tätige als auch ihre Kollegen im Büro mehr remote arbeiten möchten. So wünschen sich 61 Prozent der befragten Teleworker in EMEA 2 bis 3 Tage flexibles Arbeiten. Unternehmen und Vorgesetzte aufgemerkt: 54 Prozent geben sogar an, bei gleicher Bezahlung für Vollzeit-Flexibilität ihren Job zu wechseln.

Mit anderen Worten: Wer sich hier als Arbeitgeber langfristig unflexibel verhält, riskiert gute Mitarbeiter an den Wettbewerb zu verlieren. Es scheint hier bereits ein Umdenken stattzufinden: 68 Prozent der Studienteilnehmer aus EMEA bescheinigen ihren Firmen, dem Teleworking aufgeschlossen zu sein.

Bei dem Wunsch nach flexibler Arbeitsgestaltung ist den Befragten durchaus bewusst, wie wichtig Büro, Kantine oder auch Face-to-Face-Meetings für den sozialen Zusammenhalt und die Verbundenheit mit den Kollegen sind. In der Umfrage steht Entfremdung an erster Stelle der negativen Aspekte von Teleworking. Entsprechend sollten die Arbeitstage am Firmenstandort von Interaktionen und Austausch mit den Kollegen geprägt sein.

Umgestaltung der Arbeitswelten

Das bedeutet auch einen Wandel der heutigen Arbeitsräume, des Mobiliars und der Infrastrukturen. Aktuell gestaltet beispielsweise Microsoft Deutschland die geplante Niederlassung im Münchner Norden passend zu den zunehmend flexiblen Arbeitskonzepten. Was dabei bedacht wird, erzählt Personalchefin Elke Frank in einem Interview:

Es gibt Ruhebereiche, in denen man allein arbeiten kann. Dort stehen Lounge-Möbel, es gibt Gelegenheiten zur Reflexion. Im Bereich ‘Share und Discuss’ wollen wir Workshops und Brainstorming unterbringen. Und wir haben Bereiche für Mischarbeitsmethoden.

Viele Ansatzpunkte bieten sich, unsere Future of Work zu gestalten. Und stärker als früher steht jetzt der Mensch im Mittelpunkt. Packen wir es an!

*Original: “signaling a turning point in which workers and companies around the world increasingly adapt to the new norm: the digital workplace”, PGi Global Telework Survey 2015, S. 7)

Doris Schuppe

Doris Schuppe

Digital Consultant bei DoSchu.Com
Doris Schuppe aka DoSchu macht als Digital Consultant Unternehmen und Mitarbeiter fit in Social Media und Mobile Internet. Sie ist Coworkerin der ersten Stunde in München und engagiert sich als Beirat in der 2015 gegründeten German Coworking Federation (Bundesverband Coworking Deutschland) e.V. DoSchu arbeitet in Santanyí im ersten Coworking & Meeting Space im Südosten Mallorcas.
Doris Schuppe

 

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Doris Schuppe

Doris Schuppe aka DoSchu macht als Digital Consultant Unternehmen und Mitarbeiter fit in Social Media und Mobile Internet. Sie ist Coworkerin der ersten Stunde in München und engagiert sich als Beirat in der 2015 gegründeten German Coworking Federation (Bundesverband Coworking Deutschland) e.V. DoSchu arbeitet in Santanyí im ersten Coworking & Meeting Space im Südosten Mallorcas.

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