Mutig und werteorientiert die Zukunft gestalten

Zukunft kann die Folterkammer unserer Ängste sein, aber auch ein fantastischer Spielraum für unsere Gestaltungskraft. Die brauchen wir, denn ein Kulturwandel klopft an unsere Türen. Wer den FAMAB- Sustainability Summit 2018 aufmerksam verfolgt hat weiß, dass und vor allem auf welchen Feldern er notwendig, ja manchmal sogar unvermeidlich ist. Lange nicht gekannte und erst recht nicht erlebte Umbrüche werden unser berufliches und privates Leben in den nächsten Jahren stark beeinflussen.

Der Wind of Change ist dabei erst ansatzweise spürbar. Mit welchen Investitionen und Paradigmenwechseln im Handeln sich Messebauer und Eventler – sprich: Architekten der Begegnungskommunikation – beschäftigen müssen, erzählt uns eine Unzahl von Fachleuten und Beratern. Fast schon eine Kakophonie. Da besteht also kein Beratungsmangel, allenfalls Beratungsresistenz.

Die größere Frage aber ist jene: Werden wir gestaltet oder gestalten wir? Und vor allem: Wie? Und mit welchen Stakeholdern, seien es Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten?

Damit betreten wir ein Gebiet, das in den letzten Jahren und Jahrzehnten leicht vermint und unterbelichtet war. Trotz einer Flut von Codices, Compliance-Regelungen und CSR-Richtlinien. Wir betreten das uralte Gebiet der Werte. Welche Überzeugungen leiten uns, welche Tugenden brauchen wir, wenn wir Wandel gestalten und ihn nicht nur mehr oder weniger erfolgreich miterleben wollen?

Der Unterschied zwischen Kontakt und Verbindung

Mut scheint mir derzeit eine der Schlüsseltugenden zu sein. Mut, nicht jedem falschen Propheten hinterher zu laufen, der uns Alexa & Co. aufschwatzen will. Denn Technik darf nicht der bestimmende Zukunftstreiber sein, dem wir immer atemloser nur hinterher stolpern. Der Mensch ist und bleibt das Maß aller Dinge und der wahre Zentralcomputer, der in der Lage ist Nutzen, Schaden und Folgen der Digitalisierung zu beurteilen. Digitale Instrumente stellen nämlich nur Kontakte her, die gegebenenfalls austauschbar sind und durch immer neue und vermeintlich bessere Reize schnell überlagert werden. Die digitale Welt meint Kontakt und spricht von Verbindung. Das ist falsch: Menschen stellen Verbindungen her! Schon mal darüber nachgedacht, woher das Wort VerBINDlichkeit kommt?

Digitale Welt VS. Menschliche Verbindungen

 

Die Zukunft gehört also denen, die Verbindungen herstellen. Und denen, die beim Betreten von unbekanntem Gebiet keine Angst vor dem Scheitern haben. Risikoscheu ist Entwicklungshemmer Nummer 1. Mit Risikoscheu entdeckt man keine neuen Kontinente. Nicht zu verwechseln mit Waghalsigkeit, denn Mut und Verantwortung gehören zusammen. Wir brauchen wieder Debattenkultur, die das Grundsätzliche des Menschseins in den Fokus nimmt. Wir brauchen verantwortliche Menschen, die handeln und nicht nur reden, um das oft kritisierte und unseren Alltag bestimmende „Talk/Action-GAP“ zu schließen. Wenn dann mal beim entschlossenen, manchmal auch nicht zeitgeistfreundlichen Handeln was schiefgeht, haben wir ganz viel gelernt. Denn aus unseren Niederlagen lernen wir bekanntlich mehr als aus unseren Siegen.

Raus aus dem Talk/Action-Gap!

Warum diese Gedankensplitter? Nun, sie ergeben sich zwangsläufig aus der Teilnahme am WerteEvent 2018 im idyllischen Bad Saarow, der unter dem auf den ersten Blick kruden Motto stand: Fail for Success! Dort hatte sich eine kleine Branchencommunity zusammengefunden, um über Werte zu reden. Fachthemen durften draußen bleiben. Vielleicht war deshalb die Atmosphäre so schön und entstand dieses feine Kribbeln unter der Kopfhaut, das man nur spürt bei Champagnerthemen eher intellektueller Natur. Dass da auch das eine oder andere aus dem esoterischen Fabulier-Baukasten mal reinrutschte, tat nicht wirklich weh.

Hinter allem steht ein Werte-Kodex, der vor einiger Zeit erarbeitet wurde, um dem häufig beklagten Werteverlust auch in unserer Branche etwas entgegen zu setzen. Er steckt sicherlich noch in den Kinderschuhen. Aber es tut nicht weh, ihn einmal anzuschauen. Und das Eine oder Andere in den Arbeitsalltag mit hinein zu nehmen. Und nicht immer nur zu reden.

Merke: Technik kennt keine Ethik. Wir eigentlich schon.
https://werte.foundation

Hans Jürgen Heinrich

Hans Jürgen Heinrich

Journalist bei miceconsulting.de
Hans Jürgen Heinrich ist seit mehr als 20 Jahren in verantwortlicher Position publizistisch für die MICE-Branche tätig. Der preisgekrönte Journalist war nach Stationen als Geschäftsführer einer Werbeagentur, Vertriebsleiter und Verlagsleiter zuletzt langjähriger Chefredakteur und Herausgeber des Fachmagazins events. Seit Juli 2018 beobachtet und kommentiert er für den FAMAB das Branchengeschehen.
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Hans Jürgen Heinrich

Hans Jürgen Heinrich ist seit mehr als 20 Jahren in verantwortlicher Position publizistisch für die MICE-Branche tätig. Der preisgekrönte Journalist war nach Stationen als Geschäftsführer einer Werbeagentur, Vertriebsleiter und Verlagsleiter zuletzt langjähriger Chefredakteur und Herausgeber des Fachmagazins events. Seit Juli 2018 beobachtet und kommentiert er für den FAMAB das Branchengeschehen.

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