Messebau: Kürzer? Schneller? Teurer? Ein Kommentar zum Artikel im m+a Report Ausgabe 5/2017

In der Ausgabe 5/2017 setzt sich der m+a Report ausführlich mit den immer kürzer werdenden Auf- und Abbauzeiten deutscher Messeplätze und deren Auswirkungen auf die gesamte Branche auseinander. Dies ist an sich schon mal sehr lobenswert. Für die Tatsache, dass dabei auch noch große, wichtige und vor allem erfahrene Kunden zu Wort kommen, spreche ich der Redaktion ein großes Kompliment aus.

Der FAMAB beobachtet diese Entwicklung seit Jahren kritisch und hat ebenfalls in unterschiedlichen Formen bereits Stellung genommen. Allerdings ist es für mich – und, damit unterstelle ich mal, für viele andere auch – völlig neu, zu lesen, dass auch unsere Kunden mit der aktuellen Entwicklung alles andere als einverstanden sind.

Logistische Probleme wurden 2016 verstärkt gemeldet

Im Jahr 2016 haben wir deutlich häufiger Meldungen unserer Mitglieder über erhebliche logistische Probleme – teilweise dem kompletten Zusammenbruch der Logistikprozesse auf den Messegeländen – erhalten, als jemals zuvor. Und auch wenn es sehr löblich erscheinen mag, dass diese Probleme im Nachgang analytisch aufbereitet, in großer Runde präsentiert und mit erheblichem Aufwand bearbeitet werden, darf dies nicht über das wesentliche Problem hinwegtäuschen: Die Auf- und Abbauzeiten auf vielen Messen sind mittlerweile schlicht so kurz, dass geregelte Prozesse kaum aufrechterhalten werden können.

Dabei stellen die teilweise unzureichenden logistischen Gegebenheiten nur den ersten, aber entscheidenden Punkt in der Kette des Versagens dar. Ein LKW, der nämlich aufgrund völlig überlasteter Logistik nicht auf das Messegelände gelangt, kann – selbst wenn ich das grundsätzliche Vorhandensein geeigneter Fördertechnik unterstelle – nicht abgeladen werden. Und damit können die benötigten Komponenten nicht an ihren eigentlichen Einsatzplatz gelangen. Die von Messebauunternehmen und anderen Dienstleistern peinlich genau ausgearbeiteten Arbeits- und Einsatzpläne zerfallen in den Stunden des Wartens, zumindest inhaltlich, zu Staub. Damit werden die verkürzten – und meiner klaren Meinung nach deutlich zu kurzen – Aufbauzeiten untragbar.

Die Begründung: Auslastung und (damit) Rentabilität

Im m+a Report wurde die Begründung für diese Entwicklung ja bereits gegeben: Auslastung und (damit) Rentabilität. In Zeiten leerer Kassen und vor dem Hintergrund der drohenden Schuldenbremse, werden wohl alle Kommunen und Bundesländer klare Leitlinien an ihre Beteiligungen gegeben haben. Und wegen der vorhandenen und teils deutlich zu umfangreichen und teuren Infrastruktur der Messegesellschaften, ist sparen nur mittelfristig und in Verbindung mit teils erheblichen Investitionen verbunden möglich. Also werden seit Jahren sehr konsequent andere Schrauben gedreht: Service runter, Nebenkosten hoch, Hallenauslastung hoch, Auf- und Abbauzeiten runter. Daran ist an sich auch nichts Verwerfliches. Einige Beteiligte haben dabei aber, so will mir zumindest scheinen, die Grenzen der Newtonschen Physik ebenso verlassen wie die, der blanken Vernunft.

Logistikprozesse auf den Messegeländen müssen optimiert werden. (Foto: Pixabay)

Am Ende zahlt es der Kunde

Der relevanteste Teil unserer Branche ist für mich der Kunde. Egal ob Messegesellschaft, externer Veranstalter, Messebauunternehmen oder sonstiger Dienstleister. Am Ende zahlt es der Kunde. Und zwar alles und immer. Dass der Kunde für sein Geld den bestmöglichen Return möchte, ist selbstverständlich. Und genau an dieser Stelle wird die Sache kritisch.

Unternehmen werden Aussteller auf einer Messe, weil sie kommunizieren wollen. Mit wem auch immer und mit welchem genauen Ziel auch immer. Und sie wollen ihre Unternehmen, ggfs. ihre Waren, Dienstleistungen und Mitarbeiter zeigen. Und dabei wollen sie so gut aussehen wie möglich. Wer würde sich seiner zukünftigen Schwiegermutter schon in einem zerknitterten Schalfanzug vorstellen wollen.

Wünsche der Kunden mit den Budgets in Einklang bringen

Aussteller haben nach meiner Erfahrung ein fixes Budget für Messen. Auf der Dienstleister-Seite haben sie erfahrene Messebauunternehmen, die – meist erfolgreich – versuchen, die Wünsche der Kunden mit den Budgets in Einklang zu bringen. Ich behaupte, nicht wenige Kunden bekommen deswegen von den teils erheblichen Kostensteigerungen nichts mit. Wer sich jetzt an den Witz mit der Frau, die sagt, dass ihr der Benzinpreis egal sei, weil sie ohnehin immer nur für 10 Euro tanke, erinnert fühlt, hat ein bisschen recht.

Klarer Trend zur Erhöhung der passiven Ausgaben beim Messebau

Ich meine, man muss die Budgets, respektive die Investitionen, für eine Messebeteiligung klar zwischen „aktiven“ – also den Auftritt des Unternehmens verbessernden – und „passiven“ – also eher strukturellen – Teilen unterscheiden. Und hier gibt es seit Jahren einen klaren Trend zur Erhöhung der passiven Ausgaben. Ehemals „kostenlose“ Leistungen werden kostenpflichtig – Genehmigungsverfahren werden aufwändiger und teurer – logistische Leistungen werden zentralisiert und verteuert. Das kann man, wie gesagt, alles machen. Nur wenn mancher unserer Kunden mal nachschaut, was er für ein paar Stunden Gabelstapler, einige Abhängepunkte, einen Stromanschluss und die Zwischenlagerung seines Leerguts bezahlt – oder was danach von seinem „Messebudget“ überhaupt noch übrig ist – stößt das oftmals auf großes Unverständnis.

Und das ist nicht ungefährlich. Kunden, die sich aufgrund der kurzen Aufbauzeiten und der hohen Nebenkosten fragen, ob ein kleiner Stand nicht auch geht, fragen sich unter Umständen bald, ob es auch nicht mal ganz ohne Messeauftritt geht.

Eine Halle mit „Hasenställen“ ist nicht unser gemeinsamer Markenkern

Deutschland ist Weltmarktführer im Bereich Messe und Messebau geworden, weil wir Kunden haben, die den Sinn von Messeauftritten und höchstwertigen Markendarstellungen für sich erkennen und bereit sind, darin zu investieren. Mit Verlaub, eine Halle voll mit „Hasenställen“ ist nicht unser gemeinsamer Markenkern. Der Erfolg unserer Branche gründet sich darauf, dass die Kunden auf ein bestens ausgebautes System aus Messegesellschaften, Messebauunternehmen und sonstigen Dienstleister und Partnern zurückgreifen können. Das sollten sich alle Teile des Systems immer mal wieder leise vorsagen. Wir als FAMAB wünschen und fordern das seit vielen Jahren – zum Wohle aller Beteiligten. Vielleicht ist es m+a ja gelungen, hierzu einen erneuten Impuls zu geben.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass die vorausgegangenen Zeilen ausschließlich meine Meinung widerspiegeln und damit nicht notwendiger Weise die Meinung des gesamten FAMAB darstellen.

Ihr
Jan Kalbfleisch

Jan Kalbfleisch

Jan Kalbfleisch

Geschäftsführer bei FAMAB e.V.
Jan Kalbfleisch, Dipl. Wirtsch. Ing., arbeitete – bevor es ihn in die Live-Kommunikation zog – in der Medienbranche sowohl als Unternehmensberater als auch in der Geschäftsleitung von Medienhäusern. Als Geschäftsführer einer Eventagentur setzte er innovative Vortrags- und Weiterbildungsformate in die Tat um. Nebenberuflich dozierte er an der Hochschule der Medien in Stuttgart.
Jan Kalbfleisch

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Jan Kalbfleisch

Jan Kalbfleisch, Dipl. Wirtsch. Ing., arbeitete – bevor es ihn in die Live-Kommunikation zog – in der Medienbranche sowohl als Unternehmensberater als auch in der Geschäftsleitung von Medienhäusern. Als Geschäftsführer einer Eventagentur setzte er innovative Vortrags- und Weiterbildungsformate in die Tat um. Nebenberuflich dozierte er an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

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