Interview mit Snapchat Experte Richard Gutjahr Snapchat – mehr als eine Experiment

Snapchat mit Richard Gutjahr

Längst hat sich der Image-Sharing-Dienst Snapchat vom Schmuddelimage zur angesagten Plattform gemausert. Vor allem junge Menschen nutzen die Dienste dieser App. Selbstverständlich haben auch Journalisten und Blogger wie Richard Gutjahr das Medium für sich entdeckt. Snapchat ist ein Instant-Messaging-Dienst, über den sich Fotos und Videos an Freunde verschicken lassen. Einzigartig ist, dass die gesendeten Informationen nach kurzer Zeit auf dem Gerät des Empfängers gelöscht werden.

Richard Gutjahr auf Snapchat
Richard Gutjahr auf Snapchat

 

Pia: Richard, Du hast Ende Januar als „Golden Blogger 2015“ einen Preis als „Bester Snapchatter“ erhalten. Meinen Glückwunsch! Wie hast Du von der Nominierung und dem Preis erfahren?

Richard: Auf Twitter. Ich war wie so oft gerade irgendwo in der Welt unterwegs zum Flughafen und bekam die ersten Glückwunsch-Tweets. Leider war das Internet so shaky, dass ich den Livestream aus Berlin nicht verfolgen konnte.

Pia: Und hältst Du die Siegerstatue bereits in den Händen?

Richard: Nein, aber ich habe im Geiste schon einen Kaminsims geplant, auf den ich ihn stellen will. Gleich neben das iPad.

Pia: Ok – Du bist der beste Snapchatter! Zunächst einmal: Was ist Snapchat?

Richard: Snapchat ist eine Kombination aus Messenger und Video-Tagebuch.

Pia: Und wie unterscheidet sich Snapchat von den anderen Medien(-Portalen)?

Richard: Snapchat ist das erste Social Network, das ausschließlich auf und für das Smartphone konzipiert wurde. Eine Desktop-Version gibt es erst gar nicht. Das Besondere: Die Nachrichten zerstören sich nach maximal 24 Stunden von selbst.

Der Journalist und Blogger Richard Gutjahr wurde für seinen Experimente auf Snapchat ausgezeichnet. Foto: Mathias Vietmeier
Der Journalist und Blogger Richard Gutjahr wurde für seine Experimente auf Snapchat ausgezeichnet. Foto: Mathias Vietmeier

Pia: Wann genau lohnt sich der Einsatz von Snapchat?

Richard: Das Snapchat-Korsett ist eng. Fotos, eine Schriftart, maximal 10 Sekunden Video, that’s it. Zu wissen, dass Snaps nicht für die Ewigkeit sind, führt dazu, dass Snaps intimer, spontaner, weniger inszeniert wirken als beispielsweise Posts bei Facebook.

Pia: Richard, Du schreibst in Deinem Blog, dass „Snapchat von allen Social Networks, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, das meiste Potential hat, zu den großen Facebooks und Twitters aufzuschließen.“

Richard: Twitter wächst kaum noch. Hinter den Kulissen im Management kracht es gewaltig. Hinzu kommt die fehlende Monetarisierungsstartegie. Anders bei Snapchat. Die Plattform gewinnt nicht nur rasant neue Nutzer, dort verdient man schon heute richtig Geld.

Snapchat gewinnt nicht nur rasant neue Nutzer, dort verdient man schon heute richtig Geld. Klick um zu Tweeten

Pia: Ich habe gehört, dass meist Jugendliche Snapchat nutzen. Stimmt das? Und wie siehst du hier die Prognosen?

Richard: Snapchat wird heute noch von überwiegend jungen Menschen genutzt. Das war mit Facebook nicht anders. Wenn man heute in den USA Erwachsenen bei Starbucks über die Schulter schaut, wundert man sich, wie viele von ihnen bereits snappen.

Pia: Du produziert täglich eine Snapchat-Geschichte. Über was berichtest Du?

Richard: Das Leben. Kleine Geschichten aus dem Alltag. Nichts weltbewegendes. Aber die Leute scheinen es zu mögen.

Pia: Wie aufwendig ist die Produktion – das Snapchatten?

Richard: Aufwendig nicht. Aber Strom- und Datenintensiv. Ohne Zusatz-Akku und fetten Datenplan geht da nix.

Pia: Richard, was reizt Dich besonders an diesem Medium?

Richard: Sich selbst zu zwingen, neu zu denken. Storytelling anders anzugehen, als ich das bisher getan habe. Geschichten in kurzen Häppchen zu servieren. Mut zur Lücke.

Pia: Und wie stellst Du Dir den professionellen und auch gewinnbringenden Einsatz von Snapchat vor?

Richard: Zum einen gibt es die Möglichkeit, Medienpartner von Snapchat zu werden. Das ist aktuell nur in den USA möglich. Alle anderen können aktuell nur mit Stories experimentieren und lernen. Wir erleben eine Art „Twitter-Moment“, als noch ganz wenige die Plattform genutzt haben und man unter sich war und noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ungestört Fehler machen durfte.

Pia: Kannst Du Dir eine Snapchat-Nische für Events (Messen, Kongresse) vorstellen – und wenn ja welche?

Richard: Firmen wie Sixt machen das bereits. Die beschäftigen sogar extra einen Grafiker, der die Snaps vor Ort künstlerisch veredelt. Das sind tolle Ansätze, die zeigen, was möglich ist, wenn man offen ist für neues.

Pia: Und stört es dich nicht, dass die Bilder und Filme spätestens 24 Stunden nach dem Betrachten gelöscht werden?

Richard: Dass sich die Werke selbst zerstören, klingt natürlich erst mal idiotisch. Ist es auch. Macht aber doch Sinn, wenn man sich überlegt, wie wir tagtäglich im Netz von allen Seiten mit Informationen zugeballert werden. Kein zusätzlicher Ballast.

Pia: Merci für das Interview Richard.

Pia Kleine Wieskamp

Kommunikationsexpertin bei POINT-PR
Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

Veröffentlicht von

Pia Kleine Wieskamp

Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

3 Gedanken zu „Interview mit Snapchat Experte Richard Gutjahr Snapchat – mehr als eine Experiment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.