Inszenierung: 7 Experten geben Einblick Lesetipp: Events wirkungsvoll inszenieren von Chris Cuhls

Foto by Pia Kleine Wieskamp

Was sind die wirklich magischen Momente eines Events? Und können diese Momente inszeniert und bewusst hervorgerufen werden? Sicherlich gibt es keine Schatzkiste, in der außergewöhliche Ideen einfach gehortet werden. Chris Cuhls hat uns aber, mit Unterstützung von sieben weiteren Experten, seinen Erfahrungsschatz in einem Buch zusammengestellt. Anhand des Inhalts kann sich jeder ein Regelwerk bzw. Musterplan zur Veranstaltungsplanung zusammen- stellen und sich so das Event-Leben erleichtern. 

Events wirkungsvoll inszenieren

In seinem Buch „EVENTS WIRKUNGSVOLL INSZENIEREN“ bezieht sich Chris Cuhls im Kern auf Corporate Events, also Unternehmensveranstaltungen. Die Prinzipien lassen sich jedoch auf (fast) alle anderen Eventdisziplinen übertragen, egal, wie groß Ihre Veranstaltung auch sein mag. Systematisch geht Cuhls dabei von den Zielen und der Zielgruppe aus, um dann praxisnah aufzuzeigen, wie in den gegebenen Rahmenbedingungen wirkungsvoll inszeniert werden kann.

Und wie bei einem Ablaufregisseur zu erwarten, liefert Cuhls mit seinen 7 Geboten einen nützlichen Ablaufplan, an dem sich Event-Planer und -Veranstalter gut orientieren können:

Infografik nach Chris Cuhls: 7 Gebote der Inszenierung
Infografik nach Chris Cuhls: 7 Gebote der Inszenierung

Inszenierungen sind kein Hexenwerk

In dem Buch beantwortet der Regisseur und Konzeptioner die Frage, wie Corporate Events inszeniert werden müssen, damit (Unternehmens-)Botschaften wirkungsvoll kommuniziert werden. Dabei wendet er sich an Event-Manager, Veranstaltungsverantwortliche auf Auftraggeberseite sowie den Event-Nachwuchs.

Für den Eventplaner ist es wichtig zu wissen, wie sein Kunde Auftraggeber) tickt und was das Publikum, der Endkunde, sich wünscht. Für den Eventmanager ist es wichtig, zu wissen, wie sein Kunde (Auftraggeber) tickt und was das Publikum, der Endkunde, sich wünscht. Foto: André Wirsig, Illustration: Ami Falk

Hier einige Auszüge aus den 7 Experten-Interviews:

Chris Cuhls: Was macht wirkungsvolle PR-Inszenierung aus?

Oliver Schrott, Gründer und Inhaber der gleichnamigen Agentur: Inszenierungen müssen einen Mehrwert schaffen. Sie dürfen kein Selbstzweck sein. In der Public Relation, unserem täglichen Business, geht es immer darum, ein Produkt oder eine Botschaft zu kommunizieren. Über eine gute Inszenierung kann ich ein Thema noch interessanter machen, medial wirksam aufbereiten, große Bilder schaffen und den Inhalten generell eine größere Relevanz verleihen.

Chris Cuhls: Wie entwickelst du Ideen, die genau zum Kunden passen?

André Verleger, Medienkünstler, Creative Director und Perfektionist: Intuitiv. Gerade in der Autobranche, für die ich viel konzeptioniere, schaue ich mir nicht die Modelle an, sondern ich versuche, den Spirit zu finden. Oft bekommt man ja so ein offizielles Briefing mit einem Wertekatalog – aber das ist ja fast immer das Gleiche. Richtiges Wortebingo ist das. „Umwelt” und „Zukunft“ steht dann da meistens. Bei der Ideenfindung lese ich daher nichts nach, ich mache mir einfach selbst Gedanken. Dabei schöpfe ich vor allem aus meiner Erfahrung, aus meinem Leben, da habe ich inzwischen einen reichen Fundus. Ein zu großer, vorgegebener Wissenspool lenkt mich eher ab von dem einen klaren Gedanken, der eine Story formt.

Chris Cuhls: Wo lässt du dich zu innovativen Lösungen inspirieren?

Jojo Tillmann, Lichtkünstler und Showdesigner: Anregungen begegnen mir oft in ganz alltäglichen Situationen. Vor Kurzem habe ich auf einer Baustelle viele – wie zufällig zusammengestellt wirkende – Leuchtstoffröhren gesehen und dachte mir auf einmal: Das ist eine Installation, wie ich sie gerne mal auf der Bühne haben würde. Ich suche mir Lampen nicht nur nach ihrer Funktion aus, sondern auch nach ihrem äußeren Design.

Chris Cuhls: Was können Corporate Events von Gottesdiensten lernen?

Pater Manfred Kollig, von 2003 bis 2005 Leiter des Bereichs Liturgie beim Weltjugendtag in Köln: Der Mensch ist auf Dialog angelegt – lasst also Zuschauer zu Teilnehmern werden. Das, was in ihnen vorgeht, soll herauskommen dürfen. Menschen sind nicht nur Konsumenten, lasst sie etwas von sich zeigen. Das ist für mich vom Ideal her auch Liturgie.

Chris Cuhls: Wie rufen Sie Emotionen bei Menschen hervor?

Wolfgang Oelsner, Therapeut für Kinder und Jugendliche sowie Karnevalsforscher und Autor von Gesellschaftsanalysen: Wer Emotionen gezielt abrufen will, muss wissen, was sie dem Menschen in dieser Phase seines Lebens bedeuten. Es ist schwer mit einem jungen Menschen, der gerade sein Abitur gemacht hat und den Sommer seines Lebens erlebt, über eine Pflegeversicherung zu reden. Vorhanden ist das in den Menschen immer, aber es muss in die aktuelle Lebensphase passen. Das heißt, um Emotionen ansprechen zu können, muss man die vorher abklopfen. Das wird auch in der Marktforschung gemacht.

7. GEBOT WAS HABE ICH ALS EVENTMANAGER EIGENTLICH DAVON (AUCH WENN ICH DAS SCHON AHNE)? - Chris Cuhls
7. GEBOT: WAS ICH ALS EVENTMANAGER EIGENTLICH DAVON HABE – (AUCH WENN ICH DAS SCHON AHNE)? – Chris Cuhls; Foto: André Wirsig

VOM THEATER LERNEN

Sein Handwerk hat Cuhls im TV erlernt. Und das merkt man dem Buch auch an. Der Autor erteilt viele Hinweise und Beispiele aus dem TV- und Theaterleben. Für ihn ist ein Event immer ein (besonderes) Ereignis, das aus der alltäglichen Kommunikation herausragt. Ein Event schafft als besonderes Erlebnis bestenfalls nachhaltige Erinnerungen. Cuhls rät: „Nutzen Sie dabei dramaturgische Möglichkeiten, um eine spannungsvolle Struktur für eine gelungene Inszenierung zu bauen. Vom Theater kennen wir beispielsweise die Drei-Akt-Struktur. Für Events heißt das: Es gibt immer ein Vorher, das Event als Höhepunkt und unbedingt die Nachkommunikation als dritten Akt, um an das Erlebnis anzuknüpfen. So können Erlebnisse nachhaltig und strategisch in die Kommunikation eingebunden werden.“

„KNIFFE & TRICKS“: Irritation schafft Aufmerksamkeit

  • Lach mal! Besonders in Deutschland wundere ich mich immer wieder, wo der Spaß-Faktor bleibt. Humor, Ironie und Running Gags sind wundervolle Stilelemente, um ein ernstes Thema aufzubrechen. Oft schafft Irritation dabei die nötige Aufmerksamkeit.
  • Wer die Macht der Empathie unterschätzt, begeht einen Fehler. Zeitweise dürfen auch Vorstände ihre Schwächen zeigen, denn damit überraschen sie und gewinnen manchmal selbst ihre Kritiker. Natürlich bietet es sich an, auch über persönliche Anekdoten und Geschichten Zuhörer in den Bann zu ziehen (dies muss aber authentisch geschehen).
  • Faustregel: In einer guten Inszenierung muss das Publikum mindestens einmal gelacht, einmal geweint und mehrfach überrascht werden. Denn jedes Mal, wenn das Publikum gelacht hat, hat es etwas verstanden.

Emotion steht in der Inszenierung immer über der Information – ob bei der Nutzung von Bildern wie Musik, einer PowerPoint-Präsentation bis hin zur Auswahl der Akteure auf der Bühne: „Der Mensch will unterhalten werden, nicht nur lernen“, wie es TV-Unterhaltungsexperte Axel Beyer formuliert. Oftmals sind es die natürlichen und naheliegenden Dinge, die den entscheidenden Unterschied machen. Achte bei der Konzeption von Events daher immer darauf, durch Aufmerksamkeit und Wertschätzung für den Einzelnen zu überraschen. Dazu musst du die Bedürfnisse der Teilnehmer kennen. 

Resümee:

Grundsätzlich kann ich dieses Fachbuch nur jedem ans Herz legen. Alleine die sieben Interviews mit Experten – in diesem Beitrag habe ich nur einen minimalen Ausschnitt gezeigt – sind eine Schatzkiste und Fundgrube für jeden, der mit Veranstaltungen zu tun hat.

Besonders gut gefällt mir auch die außergewöhnliche Aufmachung des Buches: Zunächst ist es im Querformat und erinnert mit den wunderbaren Fotografien von André Wirsig an einen Bildband. So ist das Buch hervorragend inszeniert nicht nur ein Gehirnschmaus und Wissenschaft, sondern auch ein Augenschmaus für die Sinne.

Buchinfo:

Buch: Events wirkungsvoll inszenieren von Chris Cuhls
Buch: Events wirkungsvoll inszenieren von Chris Cuhls.

Events Wirkungsvoll Inszenieren 
7 Gebote und 7 Interviews

Von Chris Cuhls mit Prof. Axel Beyer, Frank Hof, Pater Manfred Kollig, Dr. Bernward Konermann, Wolfgang Oelsner, Oliver Schrott, Jojo Tillmann und André Verleger; 100 Seiten, farbiges Bildband im Magazin-Charakter, Softcover, 1. Auflage, ISBN 978-3-00-052198-0

Über den Autor:

Chris Cuhls, Autor und als Ablaufregisseur und Eventberater für Firmenevents weltweit tätig.
Chris Cuhls

Chris Cuhls ist als Ablaufregisseur und Berater für Firmenevents tätig. Auf seinem Blog ablaufregisseur.de spürt er den Prinzipien hinter wirkungsvollen Inszenierungen nach. Gelernt hat er sein Handwerk im TV als Aufnahmeleiter bei „Wetten, dass..?“. Die Freude über magische Momente und gelungene Shows treibt ihn an, ständig Neues zu entdecken und für die Eventbranche aufzubereiten.

Pia Kleine Wieskamp

Kommunikationsexpertin bei POINT-PR
Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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Pia Kleine Wieskamp

Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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