Insights der Mittelstandsallianz Ein Interview mit Alexandra Horn vom BVMW

Der FAMAB Kommunikationsverband e.V. hat sich jüngst der Mittelstandsallianz angeschlossen und erweitert dadurch sein politisches Engagement. Wir haben Alexandra Horn, Leiterin Mittelstand 4.0 – Kompetenzzentrum Berlin beim BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e. V. zu den Aktivitäten der Mittelstandsallianz befragt.

Alexandra Horn vom BVMW

Wie kam es zur Gründung der Mittelstandsallianz?

Der deutsche Mittelstand ist extrem vielfältig und in seiner Fachexpertise oft kleinteilig. Und doch verbinden ihn zentrale Themen, die allerdings oftmals in der Vielzahl der Themen untergehen. Das wollten wir ändern – mit einer Stimme für den Mittelstand sprechen. So kamen im Zuge der Bundestagswahl 2013 Branchenverbände unter dem Dach des BVMW zusammen und  formulierten einen 10-Punkte-Plan zur Wahl. Die spontan positive Resonanz dieser Initiative hat uns bestärkt diesen lockeren Zusammenschluss nachhaltig aufzubauen.

Wie setzt sich die Mitgliedschaft der Mittelstandsallianz zusammen?

Der entscheidende Faktor für eine Zusammenarbeit sind die Themen: Wir setzen bewusst auf zukunftsorientierte und innovative Inhalte. Die Mehrzahl unserer Partner bringen Expertisen aus innovativen Branchen, wie z.B. Biotechnologie, alternative Finanzierungsmodelle, e Commerce, um nur einige zu nennen. Derzeit sind es 25 Verbände in der Mittelstandsallianz – Tendenz stark steigend. Gemeinsam vertreten wir ca. 550.000 Unternehmen in Deutschland und 10 Millionen Arbeitnehmer – ein in Deutschland einzigartiger Zusammenschluss.

Was sind aus Ihrer Sicht die bisher größten Erfolge der Allianz?

Wir haben uns mit Partnern der Mittelstandsallianz für die Senkung der Risikogewichte für Kredite an Mittelständler durch Einführung der Mittelstandsklausel bei Basel III eingesetzt und letztere durchgesetzt. Das war sicher ein sehr großer Erfolg, von dem alle kleinen und mittleren Unternehmen profitieren. Im Bereich Arbeitsmarkt haben wir weniger Regulierung und mehr Flexibilität bei Werk- und Dienstverträgen und bei Zeitarbeit durchgesetzt. Im Bereich der Digitalisierung die Abschaffung der allgemeinen Störerhaftung. Des Weiteren höhere Grenzen bei der Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter. Alle diese und weitere Themen haben wir gemeinsam mit unseren Partnern für den Mittelstand vorangebracht.

Welche politischen Ziele verfolgen Sie aktuell bzw. welche Themen liegen Ihnen für die Wahlperiode 2017-2021 besonders am Herzen und warum?

Als absolut zentral für die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland ist der Breitbandausbau – Deutschland befindet sich hier in einem erbärmlichen Zustand. Damit der Motor der deutschen Wirtschaft auch weiterhin erfolgreich bleibt, braucht der deutsche Mittelstand außerdem eine steuerliche Forschungsförderung, flexiblere Arbeitsmarktregelungen und Bürokratieabbau. Das sind aber nur einige unserer wichtigen Themen. Für die Bundestagswahl 2017 haben wir einen 10-Punkte-Plan für den Mittelstand formuliert, hier kommen auch Themen wie Energie, Bildung und Gesundheit zur Sprache.

Gerade rund um die Bundestagswahl herrscht Hochbetrieb im politischen Berlin. Wie genau sieht ihr Engagement in diesem Rahmen aus und welche Zugänge gibt es zu politischen Entscheidungsträgern?

Unseren 10-Punkte-Plan haben wir bereits im Mai an alle Bundestagsabgeordneten geschickt. Über unser regionales Netzwerk von 300 Geschäftsstellen haben wir auch eine sehr gute flächendeckende Verbreitung des 10-Punkte Plans erreicht. Im Vorfeld des Wahlkampfs haben wir mit Politikern gesprochen, die für den Wahlkampf der Parteien entscheidend sind. Dazu gehören Christian Lindner, Peter Tauber, Anton Hofreiter und Andreas Scheuer. Sie alle haben ein offenes Ohr für den deutschen Mittelstand. Diese und weitere Kontakte werden wir nun pflegen und intensivieren.

Was sind Ihrer Meinung nach die aktuell größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft?

Die Digitalisierung. Eine der größten Herausforderungen des Mittelstands kann nicht umgesetzt werden ohne einen flächendeckenden Breitbandausbau! Zudem hat die große Koalition das Arbeiten für Selbstständige erschwert – wir fordern eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und Bürokratieabbau. Außerdem brauchen wir eine steuerliche Forschungsförderung, damit der deutsche Mittelstand nachhaltig innovativ und damit wettbewerbsfähig bleibt.

Wie gestalten Sie die Interessenvertretung auf europäischer Ebene und welche Einflussmöglichkeiten gibt es dort?

Die Gesetzgebung auf europäischer Ebene ist extrem wichtig für den Mittelstand. In Brüssel Gehör zu finden, ist allerdings besonders schwierig. Eben deshalb muss der Mittelstand dort mit einer starken Stimme sprechen. Daher wird es auch auf europäischer Ebene Gespräche mit Spitzenpolitikern und den betreffenden Kommissaren geben. Aktuell befassen wir uns mit der ePrivacy Directive und sprechen auch dort mit einer Stimme für den Mittelstand.

FAMAB-Redaktion

Blog-Redaktion bei FAMAB e.V.
Wir freuen uns auf spannende Berichte, hilfreiche Kommentare, kollegialen Austausch und nicht zuletzt hitzige Debatten.

Veröffentlicht von

FAMAB-Redaktion

Wir freuen uns auf spannende Berichte, hilfreiche Kommentare, kollegialen Austausch und nicht zuletzt hitzige Debatten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.