Fünf Trends für die Kommunikationsbranche 2016 Gastbeitrag von Florian Blaschke, Redaktionsleiter des Digital-Magazins t3n.de

Kommunikationsbranche FAMAB e.V.

In den letzten Jahren hat gerade die Kommunikation sich enorm gewandelt: Online- bzw. digitale Kommunikation ist dem Experimentalstadium entwachsen. Marketing und Kommunikation wachsen immer näher zusammen, und die Rollenverteilung von Kommunkatoren und Zuhörer hat sich in Zeiten von User Generatet Content und Social Media grundlegend geändert. Nach Buzzworten wie Content Marketing und Storytelling fragen wir, welche Trends Experten in 2016 erwarten. In diesem Artikel verrät uns Florian Blaschke, Redaktionsleiter des Digital-Magazins t3n.de, seine fünf Trends:

Versucht man, die Herausforderungen der Branche zu skizzieren, stößt man auf einige spannende Entwicklungen, die es den Unternehmen jedoch nicht unbedingt leichter machen. Skizzieren wir einige davon:

 

Florian Blaschke, Redaktionsleiter t3n
Florian Blaschke, Redaktionsleiter t3n

1. Der Kommunikations-Gap

Durch Debatten über Native Advertising und unsaubere Methoden, sowohl im Publishing als auch beispielsweise auf Netzwerken wie YouTube, wächst die Ablehnung gegenüber Werbung – zumindest bei den Zielgruppen über 30. Die jüngeren Zielgruppen dagegen scheinen Product Placement und Schleichwerbung deutlich unkritischer gegenüber zu stehen. Es entsteht eine Art Kommunikations- Gap.

2. Das Trojanische Pferd

Die AdBlocker-Quoten steigen. Was auf der einen Seite ein Problem für das klassische Bannergeschäft ist, wird auf der anderen Seite immer wieder als Chance für Content Marketing verstanden. Das ist nicht ganz falsch, greift aber zu kurz. Denn diesem „Trojanischen Pferd“, wie es Gerald Hensel kürzlich genannt hat, könnte die Branche mit dem Boom auch schon das eigene Grab schaufeln. Verbraucher sind nicht blöd – und das ist auch ganz gut so.

3. Verfälschte Daten

Marketing ohne Daten scheint im Jahr 2016 nicht mehr möglich. Tracking, Analytics, Prediction, Programmatic – all das sind Buzzwords, ohne die in der Branche offensichtlich niemand mehr arbeiten will. Dabei sind Daten nur auf den ersten Blick objektiv. Jede VPN-Verbindung, jeder Rechner, der keine Cookies akzeptiert, jeder AdBlocker und jedes Privacy-Tool verfälschen die Analyse. Jede Suchanfrage, die nicht aus privatem, sondern aus einem anderen Interesse erfolgt, verfälscht mein Profil. Ich kann durchaus nach Lack-Stiefeletten suchen, ohne für meine Frau oder mich welche kaufen zu wollen. Noch mögen das Ungenauigkeiten sein, doch sie nehmen zu. Und je stärker sich eine Branche auf solche Daten verlässt, desto stärker wird das zu einem Problem.

4. Der Unternehmens-Gap

Es ist beinahe egal, um was für Maßnahmen es geht: Das Erzählen einer guten Geschichte bleibt das A und O. Das ist kein Geheimnis – und das ist ein Problem. Längst nämlich haben Unternehmen das Storytelling auch für sich selbst entdeckt – womit der Kuchen für Agenturen und Freelancer kleiner wird. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie viele mittelständische Unternehmen und Institutionen nach wie vor die Augen komplett verschließen – selbst vor Plattformen wie Facebook. Dabei ist die Entwicklung rasant. Twitter, WhatsApp und Snapchat zeigen, dass in immer schnellerer Abfolge Kanäle entstehen, die gerade bei jungen Zielgruppen rasant Verbreitung finden. Auch auf Unternehmensseite entsteht also ein Gap. Einen kleinen Teil wird die Branche als Auftraggeber verlieren, einen größeren Teil gar nicht erst bekommen, weil diese immer schnellere Entwicklung zu immer größeren Ängsten und einer immer stärkeren Ablehnung führt. Kaum vorstellbar, wie hier noch Argumente gefunden werden wollen.

5. Lose Enden

In letzter Zeit ist verstärkt zu beobachten, dass Schnittstellen wegbrechen. Unternehmen wie Apple, Facebook oder Google betreiben seit jeher eine recht einseitige Kommunikationspolitik, mit HP Inc. hat nun auch die Hardware-Sparte von HP seit einiger Zeit keinen eigenen Pressesprecher mehr. Eine Tendenz, die – so verständlich sie aus Unternehmenssicht sein kann – für die Branche durchaus zum Problem werden kann. Kommunikation ohne ein Gegenüber ist schlicht nicht möglich – und sollte dieser Trend anhalten, werden aus dem Netzwerk, das in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurde, schnell unzählige lose Enden.

FAZIT

Was so pessimistisch klingt, ist eigentlich das genaue Gegenteil. All diese Entwicklungen nämlich haben auch ihre guten Seiten. Die Werbeverdrossenheit kann zu besseren und ehrlicheren Maßnahmen führen, steigende AdBlocker-Quoten, wie Felix Schwenzel kürzlich mutmaßte, zur Reputation von Publishern und ihrer originären Inhalte beitragen. Im Umgang mit Daten stehen wir noch ganz am Anfang und werden die Analyse großer Mengen mit den Jahren verbessern und vielleicht perfektionieren.

Mit neuen Kanälen entstehen neue Erzählformen (und immer wieder neue Zielgruppen) und lose Enden werden – wie früher auch schon geschehen – von neuen Playern aufgenommen und wieder zusammengefügt: zu einer ganz neuen Art von Netzwerk. Was die Branche braucht, um all das zu überstehen und für sich zu nutzen? Spaß. Und genau den wünsche ich ihr auch.

Über den Gastautor:

Florian Blaschke, Redaktionsleiter t3n
Florian Blaschke, Redaktionsleiter t3n

Florian Blaschke ist Redaktionsleiter des Digital-Magazins t3n.de. Er liebt die finnische Natur und schottischen Whisky, das Laufen und den 1. FC Köln und bloggt auf trotzendorff.de.

Pia Kleine Wieskamp

Kommunikationsexpertin bei POINT-PR
Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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Pia Kleine Wieskamp

Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

2 Gedanken zu „Fünf Trends für die Kommunikationsbranche 2016 Gastbeitrag von Florian Blaschke, Redaktionsleiter des Digital-Magazins t3n.de

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