Eventfotografie Fünf wichtige Grundregeln für Fotografen

Eventfotografie klingt leicht – ist es aber bei weitem nicht. Je nach Art des Events (Business, Konzert, Sport etc.) unterscheiden sich die Bedingungen vor Ort teils enorm und stellen unterschiedliche Ansprüche an Können und Ausrüstung des Fotografen. Mit den folgenden Tipps gelingt die richtige Vorbereitung, und die Bilder werden ein voller Erfolg.

Unter kontrollierten Bedingungen im Studio Personen oder Motive abzulichten, ist für Fotografen leicht. Die Resultate können sich sehen lassen und sind nicht auf intensive Retusche über Software angewiesen. Auf Veranstaltungen verlässt der Fotograf jedoch das gewohnte Terrain. Wo viele Menschen zusammenkommen, existieren viele schwer vermeidbare Störelemente. Das ständig wechselnde und vor allem nicht immer ausreichende Umgebungslicht hebt die Herausforderung zusätzlich an. Nicht zuletzt herrscht in vielen Fällen ein gewisser Zeitdruck. Gewissenhafte Vorbereitung und wichtige Grundsätze für Fotografen auf Veranstaltungen helfen bei der Bewältigung dieser Hindernisse.

Die richtige Fotoausrüstung und die richtigen Kameraeinstellungen

Blitzlichter sind zwar verlockend, doch in vielen Fällen erzeugen diese ohne professionelles Setup sehr unnatürliche Kontraste. Grelle Frontblitze sollten daher nur in absoluten Notfällen bei extremem Lichtmangel zum Einsatz kommen. Zudem stören sich viele Gäste oder Veranstalter ohne klare Absprachen an den grellen Lichtern. Bei zu aufdringlichem Gebrauch ist Ärger vorprogrammiert. Auf Meetings empfiehlt sich der Einsatz des entfesselten Blitzens über zwei oder mehrere Blitzgeräte mit Funktechnik, die unabhängig von der Kameraposition Personen angemessen ausleuchten.

  • Natürlich Farben gibt es meist nur ohne Blitzlicht

Abhängig vom Veranstaltungsort herrschen manchmal schwer einzuschätzende Lichtstimmungen vor. Häufig müssen höhere ISO-Werte für befriedigende Verschlusszeiten von 1/50s zur Ablichtung von Menschen in Kauf genommen werden. Prinzipiell gilt: Höhere ISOs und ein wenig mehr Rauschen wirkt deutlich ästhetischer als ein Motiv mit extremen Schlagschatten durch eine schlechte, künstliche Beleuchtung. Ein lichtstarkes Zoom-Objektiv mit einer Offenblende von f/2.8 hilft, Distanz zu Personen zu wahren, bietet Freistellungspotenzial, die notwendige Flexibilität und drückt den ISO-Wert wieder in rauscharme Regionen zurück. Hier gilt auch die goldene Regel am Kleinbildformat: Ein 50-mm-Objektiv benötigt für wackelfreie Fotos aus der Hand ungefähr 1/50s an Verschlusszeit (1,5x oder 2,0x an Crop-Sensoren APS-C und MFT). Unterhalb dieser Belichtungszeit drohen Menschen selbst bei leichten Bewegungen unscharf zu wirken. Daher bringen Stabilisatoren meist nur bei Stillleben oder der Verwendung einer längeren Brennweite wie 100 mm oder 200 mm einen klaren Vorteil.

Immer eine Herausforderung: Schwierige Lichverhältnisse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein guter Sensor aus der Systemkameraklasse gilt zudem als Grundvoraussetzung für Indoor-Fotografie. Autofokus und Weißabgleich schwanken häufig in ihrer Zuverlässigkeit bei schummrigen Sichtverhältnissen oder fehlenden, neutralen Tönen im Bildausschnitt. Der manuelle Weißabgleich und der Einzelfeld-AF erweisen sich häufig als verlässlicher bei der gezielten Suche nach einem Motiv in der großen Menge. Generell gilt: In eher dunklen Räumen hilft es, um etwa +2/3 bis +1 EV zu überbelichten. Obwohl RAW-Daten immer die bestmögliche Bildqualität für die Nachbearbeitung garantieren, gewähren reine Aufnahmen in JPEG-Format ebenfalls Vorteile. Rasch volllaufende Datenpuffer wegen großer RAW-Daten zwingen die Kamera zu einer sekundenlangen Auszeit. In exakt diesem Moment könnte eine einzigartige Fotogelegenheit verstreichen. JPEGs füllen den internen Speicher deutlich langsamer und halten die Kamera länger einsatzbereit.

Diskretes Verhalten für authentischere Bilder

Pünktlichkeit ist eine Tugend und absolute Pflicht für eine gezielte Vorbereitung. Nur wer rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung einen Blick auf Beleuchtung und Aufbau der Räumlichkeiten erhält, kann später von geeigneten Plätzen aus fotografieren. Dazu gehört auch die grobe Einschätzung der benötigten Kameraeinstellung durch erste Testschüsse an leeren Rednerpulten oder Präsentationsflächen. Im späteren Verlauf gelangen häufig ungewollt Störelemente vor die Linse. Daher sollte jede Möglichkeit mit guter Sicht zeitig genutzt und bei der Bildkomposition genau auf hereinragende Objekte geachtet werden. Ein großer Pool an Bildserien erhöht die Chancen, eine interessante Szene einzufangen.

  • Die richtige Bildkomposition setzt Objekte gekonnt in Szene.

Doch was bedeutet dies eigentlich genau? Da der Fotograf meist die Rolle des diskreten Beobachters einnimmt, kann er Menschen keine Anweisungen geben. In der Regel ist dies auch vollkommen unnötig – solange er unsichtbar bleibt. Präsentatoren, Redner, Musiker und interessierte Gäste zeigen sich immer von ihrer glaubwürdigen und natürlichen Seite, wenn diese ahnungslos während ihrer Tätigkeit als Motiv herhalten. Dabei kommt vor allem bestimmten Körperhaltungen und Gestik eine tragende Rolle zu. Auf den Bildern sollte ein klarer Kontext zu erkennen sein. Abgebildete Menschen sollten für lebendige Ergebnisse unmissverständlich mit dem Betrachter, einem Objekt oder einer anderen Person interagieren. Schnellere Bewegungen, wie etwa die einer Musikband oder von tanzenden Personen, verlangen natürlich andere Grundeinstellungen mit einer Priorität zu schnelleren Verschlusszeiten (1/100s bis 1/250s).

Die richtige Bildkompositionen und das richtige Format

Weitverbreitete Formate sind das Hoch- sowie Querformat, doch auch eine leichte Schrägstellung bringt manchmal ungewöhnlich viel Dynamik in das Motiv. Allgemein engen Hochformate den Blick von der Bildwirkung etwas ein, während horizontal ausgerichtete Kameras mehr von der Umgebung einfangen und freie Pufferzonen zum Rand ermöglichen. In den meisten Fällen ist der Verwendungszweck der Fotos durch den Auftraggeber bereits bekannt. Internetauftritte, Zeitschriften, Facebook (soziale Netzwerke) oder großer Ausdruck stehen als potenzielle Möglichkeiten zur Wahl.

Querformate und Weitwinkel sorgen für Überblick

 

 

 

 

 

Das gewählte Format hängt ab vom bevorzugten Layout. Querformate nutzen allgemein den Platz bei den weit verbreiteten Breitbildbildschirmen besser aus und entfalten dort besser ihre Wirkung. Eine gezielte Einbindung von vorder- und hintergründigen Elementen verleiht der Komposition mehr Anziehungskraft auf den Betrachter. Bereitschaft, zügig den Ort für eine frische Perspektive auf das Geschehen zu wechseln, gilt als notwendiges Übel für abwechslungsreiche Resultate. Häufig ergeben sich von seitlicher, niedriger oder erhöhter Position völlig andere Impressionen – alleine schon wegen des anderen Lichteindruckes.

Als Hilfsmittel zur Positionierung und der Motive auf dem Bild kann die Zwei-Drittel-Regel dienen, die dem goldenen Schnitt ähnelt. Kreuzpunkte und Linien des bei eigentlich allen modernen Digitalkameras zuschaltbaren Gitternetzes mit neun gleichgroßen Feldern markieren interessante Punkte zur Platzierung. Auch wenn aufdringliches Verhalten meist jegliches Ambiente zunichtemacht, lassen sich viele unerfahrene Fotografen dennoch von zu großer Zurückhaltung bei ihrer Arbeit leiten. Mit einem Zoom lässt sich ohne physikalische Annäherung das Motiv stärker heranholen, unnötiges Beiwerk auf dem Abbild ausgrenzen und Menschen erscheinen in Aktion sichtbar authentischer.

Hier noch einmal in Kurzform die Punkte, die es zu beachten gilt:

  • Auskundschaften des Veranstaltungsortes
  • manuelle Modi bevorzugen (Zeit, Blende oder M)
  • lichtstarke Zoom-Objektive bringen Vorteile
  • auf Licht und Schattenwurf achten
  • Weißabgleich regelmäßig kontrollieren
  • Zwei-Drittel-Regel als Hilfe heranziehen
  • häufiger Perspektivenwechsel
  • diskretes und intensives Fotografieren
  • frontales Blitzen möglichst vermeiden
  • auf ausdrucksstarke Momente achten

Gastbeitrag sponsored by Rollei GmbH & Co. KG (A. Herbst)
Bildquelle: pixabay.com

FAMAB-Redaktion

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