Erfolgsfaktor interkulturelle Kompetenz Andere Länder, andere Sitten

Andere Länder, andere Sitten: Die Globalisierung der Geschäftswelt eröffnet deutschen Unternehmen attraktive neue Absatzmärkte, wartet aber auch mit einigen Fallstricken auf. Das Geheimrezept lautet interkulturelle Kompetenz. Denn was in der Kommunikation zwischen Geschäftspartnern auf heimischem Boden üblich ist, kann auf internationalem Parkett schnell zu erheblichen Irritationen führen.

Wichtigkeit von cultural awareness

Welche wichtige Rolle „cultural awareness“ und interkulturelle Kompetenz gerade für den Erfolg von Messeauftritten im Ausland spielen, ist Thema von Nancy Rienows Vortrag im Rahmen des Expertenforums Kommunikation4 der mac messe und ausstellungscenter Service GmbH. Das Expertenforum der mac steht in diesem Jahr unter dem Motto „WELT WEIT WIRKEN – erfolgreiche Messebeteiligungen im Ausland“ und findet am 26. November 2015 in Langenlonsheim statt.

Wir haben Nancy Rienow, Expertin für interkulturelle Messevorbereitung, für Sie interviewt:

Interview mit Nancy Rienow

 

Nancy Rienow
Nancy Rienow

FAMAB-Blog: Frau Rienow, Sie sind Trainerin für „interkulturelle Kompetenz“. Das klingt zunächst einmal ziemlich abstrakt. Was genau ist darunter zu verstehen?

Nancy Rienow: Interkulturelle Kompetenz klingt vielleicht abstrakt, weil es eine übergreifende Rolle in vielen wirtschaftlichen Bereichen und wissenschaftlichen Disziplinen spielt. In meinem Arbeitsgebiet sehe ich interkulturelle Kompetenz als eine Sensibilisierung und eine Würdigung dessen, was Menschen aus anderen Kulturen unter Respekt verstehen und erwarten.
Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit zu erkennen, was für mein Gegenüber aus einer anderen Kultur wichtig ist, und warum es wichtig ist. Das heißt, ich nehme meine eigenen Kulturwerte durch die Augen der fremden Kultur wahr und handele mit Empathie.

FAMAB-Blog: Welche Bedeutung hat interkulturelle Kompetenz in der heutigen Messewirtschaft?

Nancy Rienow: Dank moderner Globalisierung kommen heutzutage immer mehr Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander in Kontakt. Insbesondere bei Messen sind die Begegnungen konzentriert und intensiv, weil die Zeit sehr begrenzt ist. Alle Teilnehmer, ob Aussteller oder Besucher, haben Ziele, die sie in dieser kurzen Zeit erreichen möchten. Kulturunterschiede spielen auch hier eine Rolle. Nicht alle haben die gleiche Zielsetzung, und auch der Weg zum Ziel kann kulturbedingt immens voneinander abweichen.

FAMAB-Blog: Frau Rienow, Sie sind Amerikanerin, leben aber schon lange in Deutschland. Gibt es so etwas wie typisch deutsches Verhalten bei Messeausstellern und -besuchern? Wie werden wir von anderen Nationen wahrgenommen?

Nancy Rienow: Jede Kultur hat ihre besonderen Eigenschaften, die von der Geschichte des Landes über lange Zeit geprägt wurden. Das ist das Spannende an interkultureller Zusammenarbeit! Es ist wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass das Verhalten einer Person immer von mehreren Faktoren beeinflusst wird: von dem Kulturraum, aus dem sie stammt, von der aktuellen Situation und ihrer individuellen Persönlichkeit.
Mein Eindruck von deutschen Messeausstellern ist, dass sie gut organisiert, strukturiert und detailliert präsentieren, und dass deutsche Messebesucher dies auch erwarten. Für Vertreter anderer Kulturen sind diese positiven Eigenschaften eventuell nicht so wichtig.

FAMAB-Blog: Gibt es Punkte, an denen wir unsere Kommunikation mit Geschäftspartnern aus anderen Kulturkreisen noch verbessern können? Anders gefragt: Wo liegen die klassischen „Fettnäpfchen“?

Nancy Rienow: Im interkulturellen Training geht es nicht darum, was richtig oder falsch ist. Es geht um die Fähigkeit, meinen eigenen Kommunikationsstil wahrzunehmen, zu reflektieren und zu verstehen, wie er auf andere wirken könnte. Fettnäpfchen sind ebenfalls kulturabhängig und nicht immer vermeidbar.
Aus der Perspektive einer Amerikanerin empfinde ich, dass in Deutschland Kritik häufig etwas zu hart und direkt formuliert wird. In meinen Trainings zeige ich meinen deutschen Teilnehmern, wie sie „sanfter“ kommunizieren können, um nicht unhöflich oder verletzend zu wirken.

FAMAB-Blog: Wie genau machen Sie Messeaussteller in Ihren Seminaren zur interkulturellen Messevorbereitung fit für das internationale Parkett?

Nancy Rienow: Durch das Bewusstmachen der eigenen Kultur lernen meine Teilnehmer, ihren eigenen Kommunikationsstil wahrzunehmen. Mit praktischen Übungen erlernen sie Strategien, um kompetenter im globalen Bereich zu kommunizieren. Dies schafft nicht nur einen erleichterten Zugang zu internationalen Messebesuchern und potentiellen Kunden, sondern gibt auch Sicherheit für das eigene Auftreten am Messestand.

FAMAB-Blog: Frau Rienow, wir bedanken uns für das Gespräch und die interessanten Einblicke.

Unsere Gesprächspartnerin

 

Nancy Rienow
Nancy Rienow

Nancy Rienow ist zertifizierte Trainerin und Coach für interkulturelle Kompetenz sowie Sietar Deutschland Mitglied. Die Expertin für interkulturelle Zusammenarbeit berät und schult unter anderem Mitarbeiter von Unternehmen, die Messebeteiligungen im Ausland planen.

FAMAB-Redaktion

Blog-Redaktion bei FAMAB e.V.
Wir freuen uns auf spannende Berichte, hilfreiche Kommentare, kollegialen Austausch und nicht zuletzt hitzige Debatten.

Veröffentlicht von

FAMAB-Redaktion

Wir freuen uns auf spannende Berichte, hilfreiche Kommentare, kollegialen Austausch und nicht zuletzt hitzige Debatten.

2 thoughts on “Erfolgsfaktor interkulturelle Kompetenz Andere Länder, andere Sitten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.