Ein Gastbeitrag von Stephan Schäfer-Medhi Gebt dem Hass keine Bühne!

In Deutschland gibt es eine Flut an neuen Veranstaltungen, die Bühnen, Technik oder Räume brauchen. Es handelt sich um politische Events. Ob AfD oder Identitäre, PEGIDA und ihre Ableger oder die „Kandel“-Bewegung, auch Rechtspopulisten machen Veranstaltungen. In Hamburg ist es die regelmäßige Anti-Merkel-Kundgebung, in Dresden treffen sich immer noch 2.000 besorgte Bürger sogar Woche für Woche oder Anfang Juni gab es eine Kundgebung in Solingen. Wie damit umgehen?

Ich bin Solinger. Für einen Samstag, nur wenige Tage nach dem Gedenken zum rassistischen Brandanschlag mit fünf Mordopfern und acht Schwerverletzten von vor 25 Jahren, meldeten die selbsternannten „Patrioten NRW“ – ein rechtsextremes Bündnis – eine Kundgebung mitten in der Klingenstadt an. Sie brauchten auch Infrastruktur. Doch da generell viele Locations, Technik- und Bühnenvermieter eine klare Haltung haben an diese Kunden nicht zu vermieten – und lieber auf den Umsatz zu verzichten -, mieteten die Veranstalter einen Eventtruck privat, unter eigenem Namen an. Als ich den Dienstleister anrief, um nachzufragen ob er bewusst an die Rechtsextremen vermietet, war der entsetzt. Denn der wahre Einsatz war verschwiegen worden, man könnte auch sagen der Vermieter wurde arglistig getäuscht. Er kündigte seinerseits kurzfristig den Vertrag.

Was tun, wenn man einen Verdacht hat?

Was tun, wenn man den Verdacht oder die Gewissheit hat, wer hinter einer Anfrage steckt? Wenn der Vertrag unterschrieben ist, die Miete im Voraus bezahlt, dann werden eine Kündigung oder Rücktritt nicht leicht. Vielleicht macht es zukünftig Sinn, in die AGBs oder Mietbedingungen Klauseln aufzunehmen, dass der Vermieter den Vertrag einseitig aufkündigen kann, wenn der Zweck nicht wahrheitsgemäß angegeben wurde.
In der Regel finden zu solchen Kundgebungen und Demonstrationen auch Gegenaktionen statt. Eine mögliche Eskalation mit Gefährdung von Personal und Material ist auch ein möglicher Kündigungsgrund. Aber besser ist es, vorher zu recherchieren.

Nachforschen lohnt sich!

Geht die Anfrage über eine übliche Privatfeier hinaus und sind die Kunden unbekannt, sollte man nachforschen. Zunächst, wer ist der Vermieter? Auf Facebook oder Twitter merkt man sehr schnell, wes Geistes Kind die Personen sind, sofern sie mit einem echten, und keinem Fakeprofil unterwegs sind. Auch beim Googeln findet man Mandatsträger oder Funktionäre. Dann sollte man nachforschen, ob es zum gleichen Datum am gleichen Ort schon eine Veranstaltung gibt, die eindeutig rechtsextrem ist. Und dann muss jeder selbst entscheiden.

Das betrifft natürlich das gesamte politische Spektrum: extremer Hass, Rassismus oder Antisemitismus sollten keine Bühne bekommen, da sollten die Demokraten wehrhaft sein.

Die Kundgebung in Solingen lief unter dem Deckmäntelchen der „Meinungsfreiheit“. Die muss natürlich gewahrt werden: Aber es ist eine Strategie der Rechtsextremen, die Meinungsfreiheit für sich zu reklamieren, um dann Hass und Menschenverachtung zu verbreiten. Oft tun sie das so geschickt von den Bühnen oder Transparenten, dass es so gerade eben nicht strafbar ist. Aber wer dann die „Fankommentare“ auf Facebook oder Twitter verfolgt, ist entsetzt über die oft auch strafrechtlich relevante verbale Brutalität und den Hass.

Wir sind eine internationale, weltoffene Branche. Wir haben seit 2015 vielen Flüchtlingen geholfen. Dem Hass auch noch eine professionelle Bühne zu geben, das passt aus meiner Sicht nicht. Egal von welcher Seite der Hass kommt. Deshalb mein Respekt vor allen, die solche Anfragen und Aufträge nicht annehmen oder kündigen.

Stephan Schäfer-Mehdi

Stephan Schäfer-Mehdi

Als freiberuflicher Creative Director und ­Consultant für Live-Kommunikation berät und betreut Stephan Schäfer-Mehdi Unternehmen wie Bayer AG und Agenturen wie WILKENWERK, JOKE Event AG oder Pure Perfection. Vorherige Stationen waren Chief Creative Officer von VOK DAMS, wo er die Kreation und Konzeption von Events und Inszenierungen für Kunden wie Bayer, BASF, Puma, Deutsche Bank oder Mercedes-Benz verantwortete und Quasar Communications. Seine Projekte wurden und werden mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Art Directors Club für Deutschland (ADC).

Als Trainer und Referent konzipiert und betreut er Seminare. Als Fachjournalist, Blogger und Autor ist er ebenfalls aktiv. Er ist Autor des Standardwerkes: Eventmarketing, Kommunikationsstrategie, Konzeption und Umsetzung, Dramaturgie und Inszenierung, das 2015 in einer aktualisierten Auflage erschien.
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Als freiberuflicher Creative Director und ­Consultant für Live-Kommunikation berät und betreut Stephan Schäfer-Mehdi Unternehmen wie Bayer AG und Agenturen wie WILKENWERK, JOKE Event AG oder Pure Perfection. Vorherige Stationen waren Chief Creative Officer von VOK DAMS, wo er die Kreation und Konzeption von Events und Inszenierungen für Kunden wie Bayer, BASF, Puma, Deutsche Bank oder Mercedes-Benz verantwortete und Quasar Communications. Seine Projekte wurden und werden mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Art Directors Club für Deutschland (ADC). Als Trainer und Referent konzipiert und betreut er Seminare. Als Fachjournalist, Blogger und Autor ist er ebenfalls aktiv. Er ist Autor des Standardwerkes: Eventmarketing, Kommunikationsstrategie, Konzeption und Umsetzung, Dramaturgie und Inszenierung, das 2015 in einer aktualisierten Auflage erschien.

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