Die Produktkettenzertifizierung des FSC® Bald auch für Messebauunternehmen relevant?

Der Rohstoff Holz ist weltweit begehrt – als Baumaterial, für die Produktion von Möbeln oder Papier und zur Energiegewinnung. Auch im Messebau ist Holz als vielseitiger Allrounder nicht mehr weg zu denken. Doch vor allem in tropischen Ländern trägt illegaler Holzeinschlag und nicht nachhaltige Forstwirtschaft zur Entwaldung großer Landstriche bei. Der Import von Holz aus diesen Quellen ist leider keine Seltenheit.

Politik als Wegbereiter einer nachhaltigen Forstwirtschaft

Um dem entgegenzuwirken, verabschiedeten im Jahr 2010 verschiedene Bundesministerien (BMWi, BMEL, BMUB und BMVBS) einen gemeinsamen Erlass, der die nachhaltige Beschaffung von Holzprodukten unterstützt.

Ende letzten Jahres wurde der Erlass konkretisiert und in naher Zukunft soll ein Beschluss erlassen werden, der eine lückenlose Nachweiskette des beschafften Holzes bis zum endverarbeitenden Betrieb vorschreibt. Dieser Nachweis kann entweder über eine FSC®– (Forest Stewardship Council®) oder PEFC– (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) Produktkettenzertifizierung (engl: Chain of Custody – CoC) erfolgen. Diese Art der Zertifizierung gewährleistet, dass das zertifizierte Holz entlang der gesamten Wertschöpfungskette identifizierbar bleibt und von nicht zertifiziertem Material unterschieden werden kann.

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Nachhaltige Forstwirtschaft gewinnt an Bedeutung

Ein Muss für öffentliche Ausschreibungen

Eigentlich sollten bereits seit Juli 2016 Aufträge, die die Beschaffung von Holzprodukten beinhalten, nur noch an Unternehmen vergeben werden, die eine solche Produktkettenzertifizierung vorweisen können. Allerdings ist bis heute kein entsprechender Beschluss erlassen worden. Jedoch tagen die beteiligten Gremien, denen auch viele deutsche Firmen angehören, nach wie vor. Somit ist davon auszugehen, dass ein offizielles Ergebnis bald vorliegen wird. Unter anderem ist vorgesehen, dass die für den Auftrag vorgesehenen Anbieter, die keine entsprechende Zertifizierung nachweisen können, vor Zuschlagserteilung, den Prüfnachweis des Thünen-Instituts in Hamburg (TI) oder des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn (BfN) zu erbringen haben.

Vorteile einer Produktkettenzertifizierung

Doch auch nicht öffentliche Unternehmen achten vermehrt auf den Einsatz FSC®– oder PEFC-zertifizierter Hölzer. Ebenso verarbeitet bereits ein Großteil der Sustainable Company zertifizierten Unternehmen FSC®– oder PEFC-zertifiziertes Holz, für viele ist es sogar eine Selbstverständlichkeit. Eine erfolgreiche Produktkettenzertifizierung ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass sie ihre Produkte mit den entsprechenden Labels kennzeichnen und diese als Marketinginstrumente nutzen dürfen. Gekennzeichnete Produkte wiederum ermöglichen ihren Kunden, Produkte zu wählen, die eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft unterstützen.

An dieser Stelle sei noch ein Mal erwähnt, dass mit dieser Art der Zertifizierung nicht das gesamte Unternehmen, sondern lediglich einzelne Produkte zertifiziert werden. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Anteil an verarbeitetem FSC®– oder PEFC-zertifiziertem Holz am eigentlichen Produkt ist.

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Wo kommt das Holz her?

Ablauf einer Produktkettenzertifizierung

Folgende Voraussetzungen müssen für die Produktkettenzertifizierung erfüllt werden: Etablierung eines unternehmensspezifischen Managementsystems sowie eines Überwachungssystems, welches spezifiziert, wie die Materialströme kontrolliert werden, die Regelung des Einsatzes von Subunternehmern und die Definition der Produktkennzeichnung (z.B. FSC®-Label).

Wenn diese Anforderungen erfüllt, Strukturen etabliert und Zuständigkeiten geklärt wurden, wird das Unternehmen von einem akkreditierten Zertifizierer überprüft. Bei erfolgreicher Zertifizierung erhält das Unternehmen das entsprechende Zertifikat und kann seine zertifizierten Materialien mit der entsprechenden Kennzeichnung an nachgelagerte Verarbeitungs- und Handelsstufen bzw. an den Endkunden weiterreichen. Das Zertifikat ist für fünf Jahre gültig, allerdings werden jährliche Überwachungsaudits durch den Zertifizierer durchgeführt. Nach fünf Jahren werden alle Elemente des Managementsystems erneut umfassend geprüft.

FSC® vs. PEFC

Beide Zertifizierungen stehen für nachhaltige Forstwirtschaft und stellen hohe Anforderungen an die zu zertifizierenden Betriebe. Darüber hinaus erfüllen beide die Kriterien der EU-Kommission: Freiwilligkeit, unabhängige Überprüfung, Transparenz, Kosteneffizienz und offener Zugang. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede?

KriteriumPEFCFSC®
StrukturWurde von europäischen Waldbesitzern und Förstern gegründetWurde von den großen Umweltverbänden WWF, Greenpeace, Robin Wood, NABU und BUND ins Leben gerufen
AkkreditierungTrennung zwischen Standardsetzung, Zertifizierung und AkkreditierungStandardsetzung und Akkreditierung liegen in einer Hand
Zertifizierte Fläche weltweit267 Mio. Hektar190 Mio. Hektar
Zertifizierte Fläche Deutschland7,3 Mio. Hektar1,1 Mio. Hektar

Weiterführende Links:

Julia Daniel

Julia Daniel

Project Manager CSR Certifications bei ForestFinest Consulting GmbH
Bereits von Beginn an begleitet Julia Daniel die Sustainable Company powered by FAMAB Zertifizierung und hat im Laufe der Jahre schon mehr als 50 Unternehmen erfolgreich zertifiziert. Nach vielen Jahren im Bonner CO2OL-Team ist Julia Daniel heute am Standort Leipzig für Zusammenarbeit mit dem FAMAB und anderen Partnern verantwortlich. Darüber hinaus ist sie bei CO2OL interne Ansprechpartnerin für Recherchearbeiten, Organisatorisches und sonstigen Support.
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Julia Daniel

Bereits von Beginn an begleitet Julia Daniel die Sustainable Company powered by FAMAB Zertifizierung und hat im Laufe der Jahre schon mehr als 50 Unternehmen erfolgreich zertifiziert. Nach vielen Jahren im Bonner CO2OL-Team ist Julia Daniel heute am Standort Leipzig für Zusammenarbeit mit dem FAMAB und anderen Partnern verantwortlich. Darüber hinaus ist sie bei CO2OL interne Ansprechpartnerin für Recherchearbeiten, Organisatorisches und sonstigen Support.

One thought on “Die Produktkettenzertifizierung des FSC® Bald auch für Messebauunternehmen relevant?

  1. Unser Unternehmen Projekt rk Messe Design Werbung war ein Jahr lang FSC- und PEFC-zertifiziert. Diese sehr aufwändige Zertifizierung hat an unserem Einkaufsverhalten nichts geändert, da wir bereits zuvor über unseren langjährigen Partner Klöpferholz nur zertifizierte oder faire Holzprodukte erworben haben. Der Aufwand der Dokumentation in der Verwaltung, Lagerhaltung und Tischlerei war jedoch immens hoch und hat uns keinerlei Vorteile gebracht, denn selbst bei Ausschreibungen der Öffentlichen Hand hatte die FSC-/PEFC-Zertifizierung bis dato keine Relevanz. So haben wir von der jährlichen Rezertifizierung Abstand genommen und bleiben weiterhin als Sustainable Company einfach nur „nachhaltig“.

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