Die Kunst der Messearchitektur Einblicke in: Wie passen Messen und virtuelle Realität zusammen?

Messestände in Zeiten digitaler Präsenz: Märkte verändern sich durch die fortschreitende Digitalisierung. Mit welchen Konzepten reagieren Messen auf diesen Wandel? Welche Veränderungen erleben wir als Aussteller und als Besucher? Wie wirkt sich die Marktveränderung auf Messestände aus? Welche Veränderung ist dort nur modischer Hype, welche notwendig oder von Dauer? Aller Digitalisierung zum Trotz bleibt ein Messestand schließlich stets, was er ist: ein realer Ort, an dem Menschen sich begegnen und miteinander sprechen. Hier können Materialien angefasst und Produkte ausprobiert werden. Er ist ein realer Ort, an dem es um Menschen und um Gefühle geht. Darum, Begeisterung zu wecken, Feedback zu erhalten, das eigene Unternehmen authentisch und stilvoll zu präsentieren. Hier werden Geschäfte besprochen und abgeschlossen.

Wie passen Messen und virtuelle Realität zusammen?

Die Auswirkungen der Digitalisierung werden in allen Bereichen der Wirtschaft diskutiert. Auch in der Messebranche. Andrea Walburg und Randolph Maurer, Geschäftsführer von imb: troschke, haben sich mit dem Thema befasst und beziehen im Gespräch eindeutig Position.

Ist Digitalisierung ein Hype, der wieder verschwindet?

Randolph Maurer: Die Frage geht doch vollkommen an der Realität vorbei. Stellen Sie sich vor, jemand hätte bei der Erfindung des Automobils davon gesprochen, das sei nur ein vorübergehender Hype. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Es gibt immer wieder neues Engineering, das Veränderungen bringt. Die entscheidende Frage ist vielmehr, wie und warum nutzt man neue Technologien.

 

Messen und Digitalisierung. Was erwartet uns in der Zukunft? Im Gespräch mit Andrea Walburg und Randolph Maurer (Quelle: www.imb-troschke.de)

Virtueller Realität, besonders der VR-Brille, wird zugetraut, Messen grundlegend zu verändern. Mal ehrlich, braucht es überhaupt noch Messestände, wenn die Realität virtuell erlebt werden kann?

Randolph Maurer: Ich unterscheide zwischen Virtual Reality, in der man die Umwelt – die Realität um sich herum – nicht wahrnimmt, und Augmented Reality, bei der man seine Umwelt weiterhin erlebt. Hier sehe ich großes Entwicklungspotential.

Andrea Walburg: Die Digitalisierung wird das Geschehen auf dem Messestand verändern, nicht aber den Messeauftritt an sich in Frage stellen. Wer eine VR Brille aufsetzt, verliert schnell das Gefühl für Raum und Zeit. Man taucht in eine Fantasiewelt ein und erlebt Szenarien die in der Realität unvorstellbar sind. Messebesucher künftig in komplexe Produkte oder Fertigungstechniken virtuell hineinzuschleusen, um ihnen ein Bild von Prozessen, Details oder Dienstleistungen zu präsentieren, finde ich irre. Dennoch ersetzen diese Instrumente für mich nicht das persönliche Gespräch.

Randolph Maurer: Auf einer Messe suchen Kunden nicht nur Produkte oder Aussteller, sondern auch jemanden der sie berät, einen Menschen, der bei einer Entscheidung in einer komplexen Welt unterstützt, passende Lösungen erarbeitet und dem man vertraut. Per se ist es nichts Schlechtes, wenn alles komplexer wird, aber es fällt immer schwerer, die richtige, die passende Auswahl zu treffen. Eine der künftigen Herausforderungen ist beispielsweise, dass es immer weniger Serienprodukte geben wird. Mithilfe der Digitalisierung und Technologien wie 3D Druck werden die Produkte zunehmend individueller. Früher gab es einige wenige Modelle, die wurden an einem Stand vorgestellt und ein Kunde konnte sich aussuchen, welches am besten zu ihm passt. Jetzt werden Kaufentscheidungen komplexer. Der Kunde wird in der Komplexität einen Partner suchen, dem er vertrauen kann.

 

Messen und Digitalisierung. Was erwartet uns in der Zukunft? Im Gespräch mit Andrea Walburg und Randolph Maurer (Quelle: www.imb-troschke.de)

Frau Walburg, Sie sagen, Messestände als solche werden sich nicht verändern, aber deren Inhalt und damit die Kommunikation. Wie ist das gemeint?

Andrea Walburg: Nun, in erster Linie entscheidet doch der Konsument, was ihn interessiert und was ihm nutzt. Daher geht es bei Messen immer mehr um Abgrenzung und auch um die Kunst, den Betrachter zu fesseln und zu beraten. Es gilt, neben der Markenwelt auch eine Erlebniswelt zu schaffen, die ohne emotionale Ansprache nicht funktioniert. Die Frage bleibt daher: Wie können diese Anforderungen in ihrer Vielschichtigkeit die Marke erlebbar machen und sich sinnvoll mit allen genutzten Kommunikationselementen zu einem gelungenen Messekonzept ergänzen?

„Die Digitalisierung wird das Geschehen auf dem Messestand verändern, nicht aber den Messeauftritt an sich in Frage stellen.“ Andrea Walburg (Quelle: www.imb-troschke.de)

Wie lautet also Ihr Fazit in Sachen Messen und Digitalisierung

Andrea Walburg: Es geht auf Messen ums Verkaufen und um die Präsentation von Markenräumen. Zwar wird im Internet heutzutage alles angeboten, was man sich nur vorstellen kann. Aber persönliche Beratung, Orientierung, Information und die Begegnung mit Experten bietet das Netz eben nicht in diesem Maße und solcher Qualität. Kaufentscheidungen werden neben sachlichen Argumenten immer auch über die Sinne getroffen. Sympathie spielt ja auch eine große Rolle für eine Markenaffinität und Akzeptanz. Dafür wird es auch weiterhin Messen und Messestände geben und damit die Möglichkeit, Menschen persönlich zu überzeugen. Selbst um ein virtuelles Produkt oder ein Produkt virtuell zu präsentieren, braucht es einen realen Raum.

Andrea Walburg u. Randolph Maurer

Andrea Walburg u. Randolph Maurer

Geschäftsführung bei imb: Troschke GmbH & Co. KG Messearchitektur & Messemanagement
Andrea Walburg
Seit 2005 leitet Andrea Walburg als Geschäftsführerin das Messebauunternehmenimb: troschke, das auf eine mittlerweile 80 jährige Firmengeschichte zurückblicken kann.

Randolph Maurer
Herr Randolph Maurer ist seit 2012 im Unternehmen als Geschäftsführer und Gesellschafter.

Frau Walburg und Herr Maurer waren bis 2017 bei der DHBW mit einem Lehrauftrag beschäftigt.
Herr Maurer mit dem Fokus Controlling und BWL, Frau Walburg mit dem Fokus Strategie und Markenführung.
Andrea Walburg u. Randolph Maurer

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Andrea Walburg u. Randolph Maurer

Andrea Walburg Seit 2005 leitet Andrea Walburg als Geschäftsführerin das Messebauunternehmen imb: troschke, das auf eine mittlerweile 80 jährige Firmengeschichte zurückblicken kann. Randolph Maurer Herr Randolph Maurer ist seit 2012 im Unternehmen als Geschäftsführer und Gesellschafter. Frau Walburg und Herr Maurer waren bis 2017 bei der DHBW mit einem Lehrauftrag beschäftigt. Herr Maurer mit dem Fokus Controlling und BWL, Frau Walburg mit dem Fokus Strategie und Markenführung.

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