Die CSR-Richtlinie ist da! Sie betrifft alle – auf unterschiedliche Weise

„Nachhaltigkeit entwickelt sich von einer „Nice-to-have“-Option zu einem harten „Must-have“-Standard!“ waren die Eröffnungsworte beim FAMAB-Sustainability Summit 2017 von Jörn Huber, dem Vorstandsvorsitzenden des FAMAB Kommunikationsverband e.V.

Nun ist es Fakt: Das Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten wurde am 09.03.2017 im Bundestag beschlossen und am 31. März im Bundesrat offiziell verabschiedet.

Welche Unternehmen sind davon betroffen?

Diese EU-Richtlinie gilt für knapp 6.000 Unternehmen und Gesellschaften in Europa, die mehr als 500 Mitarbeiter/-innen beschäftigen. Diese Unternehmen sind allerdings nicht nur verpflichtet, über ihre eigenen Aktivitäten in puncto Nachhaltigkeit umfangreich, nachvollziehbar und transparent zu berichten. Indirekt sind darüber hinaus ebenso mittelständische Unternehmen (KMU) betroffen. Denn als Dienstleister und Lieferanten sind sie in die Berichtskette eingebunden.

Der Nachweis nachhaltiger Wertschöpfungsprozesse in der Lieferkette wird somit für Messebau- und Medientechnikunternehmen, Cateringbetriebe und Eventagenturen sowie für Locations, Hotels und Messegesellschaften jeder Größe zukünftig verbindlich.

Die Lieferkette endet nicht im eigenen Betrieb

Um den Anforderungen eines Supply-Chain-Managements gerecht zu werden, muss bspw. der Messebauer seinen Materiallieferanten, die externen Montageteams und Schreinereien, die ihm zuarbeiten, in die Berichtskette einbinden. Vor allem die Messebau- und Cateringbetriebe werden zurzeit verstärkt unter die Lupe genommen. Das liegt zum einen an der hohen Fertigungstiefe und Materialverwendung im Messebau und zum anderen an dem umfangreichen, teils globalen Bezug von Lebensmitteln und dem Einsatz tierischer Produkte bei Caterern.

Beim Supply-Chain-Management muss ganzheitlich gedacht werden
Beim Supply-Chain-Management muss ganzheitlich gedacht werden

Was wird künftig vom Messebauunternehmen gefordert?

Auszüge aus aktuellen Leistungsverzeichnissen für Messebaudienstleistungen:

„Der Materialnachweis hinsichtlich ihrer nachhaltigen Verwendung ist zu erbringen, als auch das Erstellen eines Kataloges über alle eingesetzten Produkte bzgl. ihrer widerverwendbaren und der recycelbaren Komponenten, Bauteile, Stoffe, Teppiche etc.“ Weiterhin: „Für textile Boden- und Wandbeläge aus Kunststoff ist zu 100% recycelter Polypropylen, Polyamid oder Polyethylen einzusetzen, den es nach der Verwendung wieder vollständig zu recyceln gilt.“ Und weiter heißt es: „Verbindungen unterschiedlicher Materialien müssen zudem mit geringem Aufwand sortenrein voneinander getrennt werden können.“

Welche Nachweise müssen erbracht werden?

Nachweise zu den Ressourcenverbräuchen und der Herkunft der eingesetzten Materialien ist nur eine Seite der Anforderungen der Auftraggeber.

Noch stärker gefordert werden im Rahmen der EU-Berichtspflicht Informationen zur Umwelt-, Sozial- und Gesundheitspolitik und zur Geschäftsethik. Bei zu großen Nachhaltigkeitsdefiziten erfolgt oftmals der Ausschluss als Lieferant und eine Sperre für die Teilnahme an Ausschreibungen und Angebotserstellungen oder Wettbewerbspräsentationen.

Gefühlte Nachhaltigkeit reicht nicht aus

Bei einer Vielzahl persönlicher Gespräche mit den Entscheidern von Catering- und Messebauerunternehmen, Eventagenturen und Tagungslocations haben wir viel über die nachhaltigen Aktivitäten in den jeweiligen Betrieben erfahren. Persönliches Engagement und Herzblut sind oftmals schon vorhanden. Dies gilt für die Optimierung des Materialeinsatzes, die Wiederverwertung und den Bezug von Ökostrom ebenso, wie für die Förderung von After-Work-Aktivitäten für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen u.v.m.

Prüfung und Reporting sind wichtige Faktoren im Nachhaltigkeitsmanagement

Ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem bringt Klarheit

Was allerdings fehlt, um eine CSR-Prüfung der Auftraggeber zu bestehen, ist eine Zusammenfassung aller nachhaltigen Aktivitäten in ein strukturiertes Nachhaltigkeitsmanagementsystem, welches transparent ist, schriftlich dokumentierte Vereinbarungen und Ziele enthält und jederzeit aktuell abrufbar ist. Hierbei ist die persönliche Selbsteinschätzung nicht bewertbar. Es geht um eine Nachweispflicht eines betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagementsystem, dessen Bewertung und die Offenlegung der damit verbundenen Begleitdokumentationen. Nur damit kann die Leistungsfähigkeit in puncto Nachhaltigkeit eines Lieferanten oder Dienstleisters von Auftraggeberseite klar bestimmt werden.

Auszüge aus aktuellen Prüfungen zum Nachhaltigkeitsmanagementsystem bei Dienstleistern und Lieferanten der Veranstaltungswirtschaft

  • Hat Ihr Unternehmen eine Darstellung der Verpflichtung zu korrektem Geschäftsverhalten und geschäftsethischen Grundsätzen?
  • Hat Ihr Unternehmen schriftliche Grundsätze/Leitlinien (Code of Conduct) für korrektes Geschäftsverhalten für Mitarbeiter/-innen?
  • Hat Ihr Unternehmen schriftlich dokumentierte Grundsätze (Lieferantenkodex) für korrektes Geschäftsverhalten für Geschäftspartner?
  • Hat Ihr Unternehmen eine Nachhaltigkeitspolitik für Lieferanten in vertraglichen Bedingungen
  • Hat Ihr Unternehmen ein Programm mit konkreten und messbaren Zielen zur Gesundheits- und Sicherheitspolitik?
  • Hat Ihr Unternehmen ein Programm zur Förderung des Gesundheits- und Sicherheits-bewusstseins durch Ausbildung, Information und Motivation der Mitarbeiter/-innen?
  • Hat Ihr Unternehmen ein Umweltprogramm mit konkreten Umweltzielen und messbaren und dokumentierten Maßnahmen?
  • Werden Gehaltsunterschiede im Unternehmen nur über Arbeitsplatzbewertungen begründet? (Männer und Frauen erhalten den gleichen Lohn für gleiche Arbeit.)
  • Verfügt Ihr Unternehmen über ein „Diversity-Konzept“ um Beschäftigungs-möglichkeiten, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Glaube, sexueller Orientierung und Beeinträchtigung anzubieten?

Ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem umfasst neben dem Umweltmanagement, eine strukturierte Gesundheits- und Sicherheitspolitik, die Wahrung von Anliegen der Mitarbeiter/-innen, die sozial- und umweltverträgliche Ausrichtung der Zulieferkette, betriebliche Informationssysteme sowie die Erklärung zur Einhaltung bestimmter Gesetze und Regeln (Compliance).

Die Richtung ist klar: Wer heute nicht die Gesellschaft und Umwelt in ihrer Qualität mit einbindet, wird zukünftig ökonomisch keinen Erfolg haben können!

Jürgen May

Jürgen May

Geschäftsführer bei 2bdifferent
Jürgen May ist Experte für Nachhaltigkeit in der Event-, Messe- und Meetingbranche. Auf Grundlage der Qualifikationen gemäß ISO 14001 und EMAS sowie als ausgebildeter Auditor für nachhaltiges Eventmanagement nach ISO 20121 berät er im Event- und Sporteventbusiness tätige Unternehmen und Verbände zur Entwicklung nachhaltiger und klimafreundlicher Geschäftsstrategien.
Mit seiner Agentur 2bdifferent ist er darauf ausgerichtet, Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft jeder Größe und Rechtsform so qualifiziert zu beraten, dass bei einer Nachhaltigkeitsprüfung durch Auftraggeber ein positiver Prüfungsverlauf zur 100% gewährleistet werden kann.
Als Inhaltsgeber und Referent entwickelte er für das GCB German Convention Bureau das aktuelle Aus- und Weiterbildungskonzept „Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsberater 2.0 für die Veranstaltungsbranche“, welches von der Deutschen UNESCO-Kommission als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wurde.
Damit Veranstalter und Eventdienstleister wertvolle Hinweise erhalten, um die Barrierefreiheit ihrer Veranstaltung einzuplanen, hat er für das GCB zudem den 30-seitigen Inklusionskompass „Inklusive Tagungen und Kongresse“ verfasst.
Im FAMAB Kommunikationsverband e.V. ist er als Sprecher der Projektgruppe Nachhaltigkeit mit für den weiteren Ausbau der Zertifizierung “Sustainable Company powered by FAMAB” zuständig.
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Jürgen May

Jürgen May ist Experte für Nachhaltigkeit in der Event-, Messe- und Meetingbranche. Auf Grundlage der Qualifikationen gemäß ISO 14001 und EMAS sowie als ausgebildeter Auditor für nachhaltiges Eventmanagement nach ISO 20121 berät er im Event- und Sporteventbusiness tätige Unternehmen und Verbände zur Entwicklung nachhaltiger und klimafreundlicher Geschäftsstrategien. Mit seiner Agentur 2bdifferent ist er darauf ausgerichtet, Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft jeder Größe und Rechtsform so qualifiziert zu beraten, dass bei einer Nachhaltigkeitsprüfung durch Auftraggeber ein positiver Prüfungsverlauf zur 100% gewährleistet werden kann. Als Inhaltsgeber und Referent entwickelte er für das GCB German Convention Bureau das aktuelle Aus- und Weiterbildungskonzept „Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsberater 2.0 für die Veranstaltungsbranche“, welches von der Deutschen UNESCO-Kommission als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wurde. Damit Veranstalter und Eventdienstleister wertvolle Hinweise erhalten, um die Barrierefreiheit ihrer Veranstaltung einzuplanen, hat er für das GCB zudem den 30-seitigen Inklusionskompass „Inklusive Tagungen und Kongresse“ verfasst. Im FAMAB Kommunikationsverband e.V. ist er als Sprecher der Projektgruppe Nachhaltigkeit mit für den weiteren Ausbau der Zertifizierung “Sustainable Company powered by FAMAB” zuständig.

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