Der urbane Dschungel-Style Szenografie-Trend

Dass Pflanzen vermehrt Einzug auf Veranstaltungen, bei Raum-Inszenierungen und in der Innenarchitektur halten, mag vor allem dem Umstand geschuldet sein, dass wir im Alltag viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. In unserer modernen Arbeits- und Lebenswelt kommen die Natur und das Naturerlebnis oft zu kurz. Wir verbringen unsere Tage im sterilen Büro und urbanen Lebenswelten. Die Natur ist nicht mehr zwangsläufig Teil unseres Alltags.

Dadurch steigt gleichzeitig der Wunsch uns diese Natur in die eigenen vier Wände zu holen. Diese Sehnsucht nach mehr Natürlichkeit ist eine logische Folge aus der Urbanisierung und der Beschleunigung unseres Alltags. Alles bewegt sich mit immer höher werdender Drehzahl. Es gilt also, in dieser sich immer schneller drehenden Welt, Momente des „bei-sich-seins“ zu kreieren und dabei spielt die Natur eine große Rolle. Begriffe wir „Paradies“ und „Urban Junge“ sind in der Gestaltung und Inszenierung in 2018 daher in aller Munde.

Natur und Florales als Gestaltungselement

Dieser Trend in der Gestaltung ist jedoch nicht ganz neu und kündigte sich auch bereits seit 2015 an. Zunächst trat er eher in abstrahierter Form zu Tage. Trendgebende Modedesigner wie Karl Lagerfeld arbeiteten bereits mit dem Naturthema: Denn schon 2015 waren weiße Papierblumen und –pflanzen beispielsweise im Zentrum des Laufstegs von Chanel.  Auch der Szenograf Tim John verwendete 2014 farbige zweidimensionale Pflanzen-Scherenschnitte für die aufwändigen Schaufenstergestaltungen von Hermés. Die exotischen Pflanzen und Blumen waren zweidimensional aus Papier, aber farbenfroh gestaltet. Die Natur wird zwar als Vorbild genommen, jedoch nicht imitiert. Die Natur wird viel mehr auf wesentliche Aspekte abstrahiert und reduziert.


Blumen- und Pflanzenelemente auf dem Messestand

Bald folgten Messeauftrittem wie beispielsweise der des Deutschen Tapeten-Instituts aus 2017 mit dem Titel „Life in Paradies“, die das Thema Pflanzen ebenfalls abstrahiert aufgriffen. Das Thema Paradies wurde auf diesem Messestanddesign mit Pflanzenformen assoziiert. „Die Konzeption des Messestandes untersucht spielerisch die damit verbundenen Optionen, entführt die Besucher in ein heiter irritierend irreales Szenario zwischen Urwald, Paradies und Urban Jungle, in dem alles (!) aus Tapete gefertigt ist: Boden und Wände, Blumen und Bäume, Ranken und Sträucher.“ Papier bzw. Tapeten waren der Baustoff für die Pflanzendarstellungen, die Naturdarstellungen in abstrahierter Form das Gestaltungselement des Standes. Und der Imagefilm versucht Schlagworte wie Individualität, Freiheit und Vielfalt mit diesem gebauten Paradies aus Papierpflanzen zu verbinden.


Catwalks in der Natur und der Natur nachempfundenen Kulissen

Kaum verwunderlich ist daher auch, dass Modedesigner sich in 2017 und 2018 sehr von dem Thema Natur inspirieren ließen, sogar ihre gesamten Modepräsentationen in die Natur verlegten oder aber Kulissen schufen, die natürliche oder exotische Landschaften möglichst detailgetreu nachbildeten. Models liefen für Chanel neben künstlichen Wasserfällen, das Label Louis Vuitton zeigte seine Mode in Japan inmitten der Natur. In einem grünen Tal, ca. 1 Stunde von Kyoto entfernt fühlt sich der Betrachter im Miho Museum wie auf einem anderen Planeten. Der Weg zum Museum führt zu einem Tunneleingang. Der Tunnel ist etwa 200 Meter lang und leicht gebogen, so dass der Ausgang anfangs nicht sichtbar ist. Am anderen Ende mündet der Tunnel in eine halbe Hängebrücke, die über eine etwa 100 Meter tiefe Schlucht gespannt ist. Diese Hängebrücke wählte das Modelabel als Bühne bzw. als Laufsteg.

Vor einer täuschend echten Waldkulisse präsentierte Chanel Anfang 2018 im Pariser Grand Palais seine  Herbstentwürfe. Die Wände wurden mit riesigen Grafiken, die uralte Wälder zeigten, bedeckt und die Gäste nahmen auf Holzbänken Platz, die Füße bedeckt von Blättern und Laub. Im Zentrum standen die Bäume bzw. die für Baumallee.


Blumen als Gestaltungselement

Neben dem Trend hin zu natürlichen Kulissen, fällt auch auf, dass auch Blumen und florale Motive auf den internationalen Designerschauen erneut ein Mega-Trend waren. Ob bei der Inszenierung von Modenschauen oder als Teil Designerkleider selbst. Auch die Herstellung dieser Blumen- und Blumendetails wird medial von den jeweiligen Designern inszeniert. So zeigt beispielsweise Chanel wie Blumendetails aufwändig per Hand bemalst und angestickt werden.
In diesem Zusammenhang sollte man auch die 2017 gemeinsam gestartete Kampagne von ERDEM und H&M erwähnen. Das vierminütige Werk mit dem Titel „The Secret Life of Flowers“ , der auf die vielen Blumenprints in der Kollektion anspielt und die so typisch für Erdem sind, spielt in einem mysteriösen Landhaus in dem immer Frühling ist.  Die Designs der Kollektion leben auf den ersten Blick von zarten, romantischen Blütendesigns. Auch bei den Männern sind Accessoires sind Blumen ein wichtiger Teil der Outfits. Auf Slip-on-Sneakern dürfen Blumenmuster genauso wenig fehlen wie auf Socken, Schals und dem Rucksack. Die Mode wird somit nur auf dem Laufsteg präsentiert, sondern es werden aufwändige Filme mit bekannten Regisseuren wie Baz Luhrmann geschaffen, die den Lifestyle, das Gefühl und die Markenbotschaften transportieren.


Urban Jungle im Temporären Bau

Auch im temporären Bau, wie beispielsweise der Messebaubranche, bediente man sich in den letzten Jahren immer mehr dem Thema Pflanzen und Dschungel. Tim John und Martin Schmitz setzten in Zusammenarbeit und im Auftrag der Agentur Vitamin-E in 2016 auch den Opel-Messestand auf dem Autosalon Paris um. Der außergewöhnliche Markenauftritt, auf der weltweit besucherstärksten Automesse, brach bewusst mit dem auf Automessen üblichen eher kühlen und futuristischen Standdesign und nutzt stattdessen mit dem perspektivischen Scherenschnitttheater eine der ältesten Erzähltechniken. Der interaktive Scherenschnitt,der die Geschichte von Opel erzählte, wurde umrahmt von Dschungel- und Blumenmotiven. Das Standdesign, das den Mut der Marke neue Wege zu gehen verdeutlicht, macht diese neue Ära für alle erlebbar.

Opel Motorshow Paris – Deutsch – Tim John from Tim John on Vimeo.


Fachmagazine AD, ELLE Decoration und IDEAT
Fachmagazine AD, ELLE Decoration und IDEAT
Statement Leaves
Statement Leaves, Quelle: www.jungalow.com

Urban Jungle Trend in Interior und Graphic Design

Auch andere Kunstformen wie das Interior Design und Graphic Design nehmen diesen Natur-Trend auf. In Fachmagazine wie ELLE Decoration, FRAME oder AD kann man deutlich beobachten, dass Pflanzen und Natur an Gewichtung gewinnen. Da Wohnungen in Großstädten oft keine Balkone und Städte nur künstlich angelegte Parks haben, bringen ihre Bewohner die Natur in die eigenen vier Wände. ELLE Decoration stellt beispielsweise gemusterte Tapeten, Pflanzen-Prints und Stühle in Forrestgreen vor und spricht vom Botanical Trend in Wohnungen. In der Innengestaltung von öffentlichen Räumen wie zum Beispiel von Cafés und Restaurants liegt der Natur-Trend ebenfalls ganz weit vorne. Fachzeitschriften wie u.a. FRAME zeigen regelmäßig diese außergewöhnlichen Interior Designs. Auch Arbeitsräume werden grün. Dies zeigte ebenfalls die Fachzeitschrift FRAME am Beispiel Schouw Informatisering.

Mit einzelnen Gestaltungselementen wie Kissen und Tapeten im Dschungel-Look holen sich die Menschen die Natur nach Hause. Dabei fällt auf, dass besonders exotische Blätter, wie Plamen- und Bananenblätter sehr beliebte Motive sind.   

Im Grafik-Design und besonders auf Social Media-Portalen wie Instagram kennt man den Begriff „Statement Leaves“. Dieser Begriff bezieht sich auf eben diese exotischen Blätter. Exotische Pflanzen werden mit Themen wir Luxus, Exotik, dem Paradies und Urlaub assoziiert. Man will sich also ein Stück Paradies  – im Kontrast zur Schnelllebigkeit  – im eigenen Zuhause schaffen. Zu den genannten Statement Leaves zählen beispielsweise Palmen, Bananenblätter oder der Philodendron:

  • Palmen wurden aufgrund ihrer Form, die den Fingern einer Hand ähneln, nach palm in der Bedeutung der Handfläche benannt. Das Wort verbreitete sich durch den Einfluss des Christentums ( „Palmsonntag“) rasch in Europa, wo Palmen nicht natürlich vorkommen. In der Antike waren Palmzweige Symbole für Sieg und Triumpf.
  • Die Banane ist im tropischen/subtropischen Asien und dem Pazifikraum beheimatet. In China gilt die Banane als Symbol der Selbsterziehung, das heißt der Disziplin und des Willens, sich selbst zu unterrichten und zu verbessern. In vielen Ritualen (auch in Taiwan und Japan) wird bei Wettkämpfen dem Sieger ein geschmücktes Bananenblatt überreicht – ähnlich dem griechischen Lorbeerkranz. Als tropische Frucht kann die Banane auch als Sinnbild für Luxus, Überfluss und die Verheißung des Paradieses verstanden werden.
  • Die Philodendren stammen meist aus neotropischen Regenwäldern vom US-Bundesstaat Florida über Mexiko, Zentralamerika und den Karibischen Inseln bis zum tropischen Südamerika. Nach der Feng Shui Philosophie symbolisiert diese Pflanze Erneuerung, sorgt für Erholung und frische Energie in verfahrenen Zuständen.

Grün und Petrol – die neuen Trendfarben

Die Natur und Blätter haben eines auf jeden Fall gemeinsam: die Farbe Grün. Die Farbe, der eine beruhigende Wirkung auf den Menschen nachgesagt wird, rückt nämlich immer mehr selbst ins Zentrum des Gestaltungstrends. Denn in Magazinen und Einrichtungszeitungen kann man längst beobachten, dass der Anteil von grünen Gestaltungselementen einen bedeutenden und steigenden Anteil erreicht hat. Die Farbe Grün als solche gewinnt immer mehr an Gewichtung und läuft dem Klassiker Schwarz schon fast den Rang ab. Dies kann an grünen Tapeten, wiesengrünen Teppichen und petrolfarbenen Sofas und Sesseln beobachtet werden. Grüntöne in allen Nuancen sind in 2018 daher die Trendfarben.

Christian Flörs & Martina List

Christian Flörs & Martina List

Kreativdirektor und FAMAB-Vorstandsmitglied | Marketing Managerin für dreidimensionale Markenkommunikation bei BRUNS Messe- und Ausstellungsgestaltung GmbH
Die Bruns Messe- und Ausstellungsgestaltung GmbH ist ein weltweit tätiger Anbieter von innovativen Messe- und Ausstellungslösungen mit Hauptsitz in München und jährlich ca. 30.000 m² erfolgreich realisierter Messefläche auf allen fünf Kontinenten. Das Angebotsportfolio umfasst die Konzeption, das Design sowie die Umsetzung klassischer Messestände, Pavillons, Showrooms und Events.
Christian Flörs & Martina List

Veröffentlicht von

Christian Flörs & Martina List

Die Bruns Messe- und Ausstellungsgestaltung GmbH ist ein weltweit tätiger Anbieter von innovativen Messe- und Ausstellungslösungen mit Hauptsitz in München und jährlich ca. 30.000 m² erfolgreich realisierter Messefläche auf allen fünf Kontinenten. Das Angebotsportfolio umfasst die Konzeption, das Design sowie die Umsetzung klassischer Messestände, Pavillons, Showrooms und Events.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.