Blog-Reihe Raumwelten: Spielfeld Bürgersteig! Wie wirkt Szenografie heute im öffentlichen Raum?

Seit letztem Jahr kooperieren Raumwelten – Plattform für Szenografie, Architektur und Medien – und FAMAB AWARD. Diese Zusammenarbeit wird auch dieses Jahr in Ludwigsburg beim Raumwelten Kongress (17. – 19.11.) und der FAMAB AWARD-Verleihung (17.11.) fortgeführt. Besucher profitieren vom gemeinsamen Kombiticket, das Sie unter famab.de direkt buchen können. Raumwelten greift in den Panels und Präsentationen Themen und Fragen auf, die auch FAMAB-Mitglieder umtreiben: In einer achtteiligen Reihe werden wir Ihnen hier die diesjährigen Raumwelten-Schwerpunkte vorstellen.

Heute widmen uns heute dem Panel „Spielfeld Bürgersteig! Wie wirkt Szenografie heute im öffentlichen Raum“, präsentiert vom Kurator Jean-Louis Vidière Ésèpe. Für weitere Informationen zur Veranstaltung: www.raum-welten.com

Wie ist dieser Panel-Titel zu verstehen? Oft werden wir gefragt, was der Beruf der Szenografie sei. Gern antworte ich: Wir betrachten und gestalten Räume als Bühnen und ermöglichen dem Publikum auf und mit diesen Bühnen zu spielen.

Welche Spiele sind im öffentlichen Raum möglich?

Was für ein Spiel wird es denn? Es gibt ganz viele Formen von Spielen. Die Konstante ist dabei immer: Spielen ist die Eröffnung eines Freiraumes, wo besondere, freiwillig akzeptierte Regeln gelten und, der für eine bestimmte Zeit gemeinsam und nur aus Spielfreude benutzt wird. Die im öffentlichen Raum möglichen Spiele sind meistens sehr offen, da die Passanten ihre große – und wunderbare! – Vielfalt mitbringen. Eine Schaukel oder ein öffentliches, überdimensionales Schachspiel sind bekannte und zeitlose Grundbeispiele. Wenn wir von Szenografie im öffentlichen Raum sprechen, wollen wir natürlich hier neuere, ungewöhnliche Spielformen unter die Lupe nehmen, die unseren Zeitgeist illustrieren oder gar mitgestalten.

Eine Bühne für die Bürger

Eine große Ikone dafür könnte das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin noch werden. Was für ein Denkmal! Es ist das Gegenteil einer in sich geschlossenen Skulptur. Ein ganz neuartiges Denkmal, das wortwörtlich eine freie Bühne für die Bürger ist. Eine Balanceübung, ein symbolisches Spiel mit dem sozialem Gleichgewicht wird es hoffentlich sein und ich will dazu sagen: ein Sinnbild für ein offenes Land.

Einer der zentralen Macher dieses Projektes, Sebastian Letz, von der Stuttgarter Agentur Milla & Partner wird es bei unserem Panel im Detail erläutern. Er wird dabei auch auf die Entstehung und die Aktualität des Projektes eingehen.

Ansicht des Denkmals aus der Vogelperspektive
Projektvisualisierung Nationales Freiheits- und Einheitsdenkmal; Aufsicht. Foto: © Milla & Partner

Mitten in Berlin baden in der Spree

Davor spricht Jan Edler, Architekt aus Berlin, mit seinem Bruder Gründer von Realities United. Er wird von einer ganz anderen Form von Bühne als städtischer Freiraum berichten: Nämlich von seinem Projekt des Flußbads in Berlin, also der Verwandlung der Spree in einen Badeort am Fuße der Museumsinsel. Ja, unsere Gewässer sind dafür sauber genug, das dürfen wir zelebrieren und dieser Raum kann den Bürgern und Gästen gegeben werden. Auch dieses Projekt, wie ich finde, reicht weit in die Beobachtung unseres Zeitgeistes.

projekt-flussbad-berlin_-deutschland_visualisierung_c_2011-realitiesunited
Das Projekt ,Flussbad Berlin‘ will die Spree um die Museumsinsel in ein öffentliches Schwimmbad verwandeln. Foto: © 2011 realities:united

Die Sicht einer Theatermacherin

Dann verlassen wir aber auch Berlin: Unsere dritte Referentin Sodja Zupanc Lotker kommt aus Prag, wo sie die drei letzten Prager Quadriennalen künstlerisch geleitet hat. Die Quadriennale ist seit 1967 ein europäisches Zentrum der Theaterwelt und auch der Szenografie geworden. Ich freue mich sehr auf die andere Sicht von Sodja auf das Thema: Nicht als Architektin, nicht als Designerin, sondern als Theatermacherin.

Sie wird unter anderem von dem fantastischen Moment erzählen, wo alle Teilnehmer der Quadriennale einst mit Masken durch Prag gingen. Es ist eine einmalige Art, den öffentlichen Raum zum sinngeladenen Spielort zu machen, mit der Freude des theatralischen Spieles. Denn diese Freude hat, wie Peter Brook es immer wieder wunderbar erläutert hat, im Wesentlichen mit der Begegnung des Publikums mit den Bühnenmenschen zu tun. Das Theater war in dem Sinne schon immer ein Probeort für die Gesellschaft.

PQ2015_Tribes, Autor: Daniel Suška (fotograf)
Exploring costume in public space: ,Tribes 2015 – Vestyl (Pratt Institute in Brooklyn) Reticular Momentum‘, presented at Praque Quadrennial 2015. Foto: © Daniel Suška

Talents meet Business

Am Samstag Vormittag lassen wir Welten, die im Alltag getrennt sind, aufeinander treffen: Vier Hochschulen und zwei Design Agenturen präsentieren ihre jeweiligen Arbeitsweisen und vor allem erhalten die Möglichkeit in einen offenen Dialog zu treten, sowie mit dem Publikum. Dieses besondere Format verspricht einen spannenden Austausch von sehr unterschiedlichen Perspektiven: Firmen, die wirtschaftlich funktionieren wollen und junge Menschen, die, so hört man öfters, eine Anstellung als eine Einschränkung der Freiheit sehen. Wie kommt man da doch zusammen?

Studenten als Echtzeitreporter

Und nicht zuletzt ist die Echtzeitredaktion zu erwähnen: Das organisieren wir jedes Jahr zu den Raumwelten. Drei bis sechs Studierenden aus verschiedenen Gestaltungsfächern fungieren während des Kongresses als kurzfristige Journalisten. Echtzeitreporter nennen wir sie: Sie werfen ihren eigenen Blick auf das Geschehen von Raumwelten und schreiben darüber. Das Ergebnis wird gleich am Abend online gestellt und bleibt auch auf der Website von Raumwelten als originelle Dokumentation bestehen.

 

Kurator: Jean-Louis Vidière Ésèpe

Kurator: Jean-Louis Vidière Ésèpe

Dipl. Designer – Freelance Konzepter, Szenograf, Creative Director bei Jean-Louis Vidière Ésèpe
Jean-Louis Vidière wurde 1972 im Geburtsort des Autors der Marseillaise am französischen Nationalfeiertag geboren. Doch verließ er Frankreich im Jahre 1996 nach seinem Design Studium an der Ecole Nationale Supérieure d’Art de Nancy, um eine Stelle als Künstlerischer Assistent an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart anzunehmen. 1998 wechselte er in die Wirtschaft: Er trat bei Milla und Partner in Stuttgart als Art Director für Kommunikation im Raum ein, wo er 2001-2003 auch als Partner einstieg.

2003 rief die Selbständigkeit: Er spezialisierte sich als freier Creative Director und Konzepter in der Kommunikation im Raum für Agenturen wie Milla und Partner, Atelier Markgraph, Totems Communication, Design Hoch Drei, B612, Interbrand Zürich/München, Das Konzentrat, AV Communication, Steiner Sarnen Schweiz, Metadesign, Demirag Architekten. 2010 rief ihn die Schweiz: Dort wurde er Konzepter und Szenograf bei Steiner Sarnen Schweiz. Seit September 2013 ist er wieder selbständig als Freelance Konzepter, Szenograf, Creative Director in den Bereichen Markenkommunikation im Raum, Museen und Tourismus.

Jean-Louis Vidière ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Deutschland bei Basel (CH). Gern erzählt er, daß er seit 1992 auch Ésèpe ist (zu Deutsch Aisepos), selbst im Jahre 733. v. Chr. in einem antiken Fluss der heutigen Nordwest-Türkei geboren. Die imaginäre Figur des Ésèpe wird durch die Erzählung und die begleitende, künstlerische Arbeit, die Jean-Louis Vidière ihm widmet, immer realer.

Weitere Informationen unter: www.esepe.com
Kurator: Jean-Louis Vidière Ésèpe

Letzte Artikel von Kurator: Jean-Louis Vidière Ésèpe (Alle anzeigen)

Veröffentlicht von

Kurator: Jean-Louis Vidière Ésèpe

Jean-Louis Vidière wurde 1972 im Geburtsort des Autors der Marseillaise am französischen Nationalfeiertag geboren. Doch verließ er Frankreich im Jahre 1996 nach seinem Design Studium an der Ecole Nationale Supérieure d’Art de Nancy, um eine Stelle als Künstlerischer Assistent an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart anzunehmen. 1998 wechselte er in die Wirtschaft: Er trat bei Milla und Partner in Stuttgart als Art Director für Kommunikation im Raum ein, wo er 2001-2003 auch als Partner einstieg. 2003 rief die Selbständigkeit: Er spezialisierte sich als freier Creative Director und Konzepter in der Kommunikation im Raum für Agenturen wie Milla und Partner, Atelier Markgraph, Totems Communication, Design Hoch Drei, B612, Interbrand Zürich/München, Das Konzentrat, AV Communication, Steiner Sarnen Schweiz, Metadesign, Demirag Architekten. 2010 rief ihn die Schweiz: Dort wurde er Konzepter und Szenograf bei Steiner Sarnen Schweiz. Seit September 2013 ist er wieder selbständig als Freelance Konzepter, Szenograf, Creative Director in den Bereichen Markenkommunikation im Raum, Museen und Tourismus. Jean-Louis Vidière ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Deutschland bei Basel (CH). Gern erzählt er, daß er seit 1992 auch Ésèpe ist (zu Deutsch Aisepos), selbst im Jahre 733. v. Chr. in einem antiken Fluss der heutigen Nordwest-Türkei geboren. Die imaginäre Figur des Ésèpe wird durch die Erzählung und die begleitende, künstlerische Arbeit, die Jean-Louis Vidière ihm widmet, immer realer. Weitere Informationen unter: www.esepe.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.