Blog-Reihe Raumwelten: New Work Spaces Ein Gastbeitrag von Veit Haug

Seit letztem Jahr kooperieren Raumwelten – Plattform für Szenografie, Architektur und Medien – und FAMAB AWARD. Diese Zusammenarbeit wird auch dieses Jahr in Ludwigsburg beim Raumwelten Kongress (17. – 19.11.) und der FAMAB AWARD-Verleihung (17.11.) fortgeführt. Besucher profitieren vom gemeinsamen Kombiticket, das Sie unter famab.de direkt buchen können. Raumwelten greift in den Panels und Präsentationen Themen und Fragen auf, die auch FAMAB-Mitglieder umtreiben: In einer achtteiligen Reihe werden wir Ihnen hier die diesjährigen Raumwelten-Schwerpunkte vorstellen und widmen uns heute dem Panel „New Work Spaces – Neue Arbeitswelten“, präsentiert vom Raumwelten-Kurator Veit Haug. Für weitere Informationen zur Veranstaltung: www.raum-welten.com

New Work

Die Arbeitswelt wandelt sich rasant, getrieben insbesondere durch Digitalisierung, Globalisierung und eine sich wandelnde Wirtschaft und Gesellschaft. Innovative Antworten auf Veränderungen sind gefragter denn je. Denn der Arbeitsplatz der Zukunft kann so viel mehr und gleichzeitig viel weniger umfassen als zuvor: Er lässt sich auf ein einfaches Tablet reduzieren oder räumlich intelligent gestaltet sein, fast ein zweites Zuhause mit höchster Lebensqualität. Auch die Einbettung der Arbeitsplätze verändert sich. Wir beobachten, dass sich bislang örtlich konzentrierte Unternehmensstrukturen auflockern, zum Beispiel in überbetrieblichen Campusstrukturen, Hubs, Co-Working Spaces oder Projekthäusern. Wohnverträgliche Arbeits- und Produktionsformen ermöglichen darüber hinaus gemischte Arbeits- und Lebenswelten.

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Collaborative Working Spaces im Impact Hub Westminster, London

Der Mensch im Mittelpunkt

Nach Jahrzehnten des Funktionalismus rückt der Mensch und die Gestaltung seines Umfeldes langsam wieder in den Mittelpunkt: Zu Zeiten der Industrialisierung im 18. Jahrhundert vermittelten Firmengebäude Unternehmenskultur und Werte des Unternehmens. Damals galten Industriegebäude als Vorreiter der modernen Architektur und Raumgestaltung. Heute möchten Unternehmen mithilfe der Architektur der Gebäude und der Gestaltung der Arbeitsplätze wieder stärker ihre Unternehmenswerte zum Ausdruck bringen.

Produktive Räume

Die Qualität des Arbeitsumfelds beeinflusst Wohlbefinden und Arbeitsleistung der Angestellten, die viele Stunden am Arbeitsplatz verbringen. Im Wettbewerb um die besten Fachkräfte ist die Qualität des Arbeitsumfelds ein entscheidender Faktor. Die Räume sollen die Mitarbeiter inspirieren, die Zusammenarbeit in Teams unterstützen, sich den rasanten Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft anpassen  und höchsten Ansprüchen hinsichtlich Energieeffizienz und Wiederverwendbarkeit der Materialien entsprechen. Neue Arbeitswelten sollen neue, agile Arbeitsmethoden und -prozesse, wie zum Beispiel Scrum und Design Thinking, unterstützen.

Public vs. Private Space

Arbeitswelten bewegen sich heute im Spannungsfeld von Öffentlichkeit und privatem Raum. Transparenz und Offenheit gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Kooperationspartnern und der Öffentlichkeit prägen die Architektur der Gebäude. Flexible Arbeitsplätze, Desk-Sharing und mobiles Arbeiten setzen sich in der Wirtschaft immer stärker durch. Eine Kultur offener Türen soll den offenen und direkten Austausch von Ideen, Technologien und Kontakten ermöglichen und Innovationen beschleunigen. Der Arbeitsplatz als persönliches und individuell gestaltetes „Territorium“ wird seltener. In vielen Unternehmen ist es nun üblich den Schreibtisch jeden Tag abzuräumen, um sich am nächsten Tag einen neuen Platz zu suchen. Nicht allen Mitarbeitern gefällt die neue flexible „Publicness“ im Unternehmen – und sicherlich passt sie auch nicht zu allen Tätigkeiten und Unternehmenskulturen.

DEU, Herzogenaurach, 09/2011, adidas LACES Designcenter, Architekt: kadawittfeldarchitektur, Bildtechnik: Digital-KB
adidas bietet seinen Mitarbeitern Büroräume, die Kreativität und Zusammenarbeit fördern. © adidas group

Auf einer ehemaligen Militärbasis in Herzogenaurach wächst seit 1999 das Adidas Headquarter „World of Sports“. Campus und Gebäude sollten die Markenwerte von Adidas reflektieren. Auf dem grünen, von Sportflächen durchzogenen Campus von 59 ha trifft man auf Mitarbeiter aus mehr als 75 Nationen mit einem Durchschnittsalter von Anfang Dreißig. „Serendipity“ lautet das Kernthema für die Campuserweiterung und die Zukunft der Arbeitsplätze bei Adidas. Durch das Fördern zufälliger Begegnungen und Entdeckungen möchte Adidas die Voraussetzungen dafür schaffen. Christian Dzieia von der Adidas Group spricht bei den Raumwelten über neue Arbeitswelten, die unterschiedlichste Varianten des Arbeitens ermöglichen und die Mitarbeiter dazu einladen, sich interdisziplinär auszutauschen.

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Der Eingangsbereich des SoundCloud Headquarters in Berlin © Werner Huthmacher

Kinzo Berlin verfolgt den Ansatz, die individuelle Unternehmenskultur in eine räumliche Struktur mit stimmiger Atmosphäre zu übersetzen. Durch die gezielte und dosierte Auswahl von Material, Form, Licht und Akustik sowie intuitiver Wegeführung, Zonierung und Funktionsüberlagerung. Die Unternehmenswerte werden dabei erlebbar und spürbar, damit soll Identität aufgebaut und auf authentische Weise gelebt werden. Im Panel New Work Spaces zeigt Kinzo Partner Chris Middleton am Beispiel des SoundCloud Headquarters/Berlin und des ErsteCampus in Wien, wie Start-Ups und Konzerne voneinander lernen können.

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Der neue GETRAG Getrieberaum © GETRAG / Arne Hartenburg

 

„Woher kommen wir traditionell und wie möchten wir in Zukunft leben und arbeiten?“ Diese Frage stellte Alexander Lenk der Belegschaft und Unternehmensführung der GETRAG AG, einem süddeutscher Mittelständler, zu Beginn eines nun stetigen Gestaltungsprozess. Das Unternehmen entwickelte mit dem GETRAG Office Landscape Design eine Metapher von Landschaft und Stadt – mit Marktplätzen, ruhigen und inspirierenden Orten, privaten und öffentlichen Bereichen. Für die Besucher der Raumwelten ein gutes Beispiel dafür, wie schwäbische Werte, Unternehmensgeschichte, Zukunft, Technologie und Ökologie in einer neu gestalteten Arbeitswelt umgesetzt werden können.

Das Panel New Work Spaces möchte Antworten finden auf die entscheidenden Fragen: Wie beeinflusst gebaute Kommunikation Mitarbeiter, Partner, Kunden und Umfeld des Unternehmens? Wie können Räume für interdisziplinäre und offene Innovation und Industrie 4.0 gestaltet werden? Was sind die entscheidenden Aspekte für die Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft?

Veit Haug

Veit Haug

Leiter Geschäftsbereich Kreativwirtschaft bei Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH
Veit Haug ist Diplom-Informatiker und studierte Medieninformatik an der Hochschule Furtwangen sowie Fernsehregie und Medienästhetik an der San Francisco State University. Seit 1996 arbeitet er für die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), verantwortete zunächst die Themen Projektentwicklung sowie International und leitet seit 2011 den Geschäftsbereich Kreativwirtschaft der WRS.
Zuvor war er für den Süddeutschen Rundfunk (SDR) als Koordinator für den initialen Aufbau und den Betrieb des Online-Angebotes verantwortlich und vertrat den Sender in der NEON Arbeitsgruppe der ARD. Er war Initiator des Vereins „Business Angels Region Stuttgart“, leitete dessen Geschäftsstelle mehrere Jahre und begleitete zahlreiche Gründungsvorhaben und Spin-Offs. An der Eberhard Karls Universität Tübingen erfüllte Veit Haug von 2001-2009 Lehraufträge zu den Themen „Medienkonzeption“ und „Management von Medienprojekten“. Derzeit engagiert sich Veit Haug mit seinen KollegInnen von der WRS für eine Internationale Bauausstellung in der Region Stuttgart 2017-2027.
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Veit Haug ist Diplom-Informatiker und studierte Medieninformatik an der Hochschule Furtwangen sowie Fernsehregie und Medienästhetik an der San Francisco State University. Seit 1996 arbeitet er für die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), verantwortete zunächst die Themen Projektentwicklung sowie International und leitet seit 2011 den Geschäftsbereich Kreativwirtschaft der WRS. Zuvor war er für den Süddeutschen Rundfunk (SDR) als Koordinator für den initialen Aufbau und den Betrieb des Online-Angebotes verantwortlich und vertrat den Sender in der NEON Arbeitsgruppe der ARD. Er war Initiator des Vereins „Business Angels Region Stuttgart“, leitete dessen Geschäftsstelle mehrere Jahre und begleitete zahlreiche Gründungsvorhaben und Spin-Offs. An der Eberhard Karls Universität Tübingen erfüllte Veit Haug von 2001-2009 Lehraufträge zu den Themen „Medienkonzeption“ und „Management von Medienprojekten“. Derzeit engagiert sich Veit Haug mit seinen KollegInnen von der WRS für eine Internationale Bauausstellung in der Region Stuttgart 2017-2027.

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