Ramp-up.me: Barrierefreie Kommunikation Ein Gastbeitrag von Lilian Masuhr

Ramp-me.up Foto3_AndiWeiland

Der Ort, das Datum und die Redner*innen für Ihr Event stehen fest, nun möchten Sie, dass zahlreich Gäste erscheinen. Doch manche Gäste werden Ihren Events immer fernbleiben, da Kommunikationsbarrieren sie daran hindern. Wie Sie Ihr Event für mehr Menschen zugänglicher gestalten, verraten im folgenden Text die Macher*innen des Projekts Ramp-Up.me der Sozialhelden.

 

Die Landingpage Ihres Events ist ästhetisch aufregend. Doch haben Sie nicht selbst Augenbrennen bei dem gelben Schriftzug auf weißem Hintergrund? Die Redner*innen halten informative Vorträge – doch wünschen Sie sich nicht auch manchmal mehr verständliche Sprache als Textwüsten mit Fachlatein? Jetzt stellen Sie sich vor, dass Menschen, die aufgrund der Farbgebung schlecht sehen, alle Inhalte der Website erkennen können, weil Sie das Farbkonzept angepasst haben. Und dass alle Gäste mehr von Ihrem Event mitnehmen, wenn die Redner*innen verständlich und unterhaltsam die Inhalte vermitteln. Die Entscheidung, Ihr Event barrierefrei und inklusiv zu gestalten, ist freiwillig – da bisher nur Behörden und öffentliche Einrichtungen verpflichtet wurden, barrierefrei zu sein -, aber aufgrund von Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention sowie der demographischen Entwicklung einer alternden Bevölkerung, ist es ratsam, sich vorzubereiten.

Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de
© Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de


Einladungskarte und Technik vor Ort

Damit möglichst vielseitige Diskussionen zustande kommen, laden Sie doch einmal Gäste unterschiedlichster Hintergründe und Merkmale ein. Zur Vielfalt gehört auch das Merkmal Behinderung. Da behinderte Menschen häufig Hilfsmittel benötigen, können Sie diese bereits in Ihrer Einladungskarte abfragen und rechtzeitig die Technik vor Ort anpassen. Gehörlose Menschen verstehen besser mit Hilfe von Dolmetscher*innen für Gebärdensprache und schwerhörige Menschen besser über Mikrofone und eine FM-Anlage. Diese Anlage überträgt die gesprochene Sprache über Funkwellen an ein Empfangsgerät, das ein hörbeeinträchtigter Mensch um den Hals trägt und das die Schallwellen an sein Hörgerät weiterleitet. Schrift-Dolmetschung ist ein Service, den viele Events schon als Standard haben, und der auch praktisch ist für alle, die mal kurz nicht dem oder der Redner*in zugehört haben. Zudem ist „Leichte Sprache“ ein guter Weg, Menschen zu erreichen, die noch nicht gut deutsch verstehen oder eine kognitive Beeinträchtigung haben. Von einem Livestream profitieren jene, die zu weit weg wohnen, ein Kind zuhause betreuen oder eher kontaktscheu sind.

Schulung von Redner*innen und Personal

Um Berührungsängste abzubauen, lohnt es sich, Ihr Personal zu schulen, was es bedeutet, das Event inklusiv und barrierefrei auszurichten. Fragen wie “Darf ich eine Rollstuhlfahrerin schieben? Wie gebe ich einem Mann ohne Arme die Hand? Wie schreibe ich den Programmtext bezüglich Menschen mit Migrationsgeschichte oder queerer Identität auf Augenhöhe?” können in speziellen Sensibilisierungstrainings besprochen werden. Auch den Redner*innen können Sie Hinweise zur erleichterten Kommunikation mitgeben, z.B. die Videos mit Untertiteln einzubinden und eine verständliche Sprache zu verwenden.

Sensibilisierungstrainings helfen dabei, Berührungsängste abzubauen / © Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de

Webseite, Broschüren und Flyer

Zeigen Sie auf Ihrer Webseite und auf Flyern, was sie als Aspekte von Barrierefreiheit anbieten, z.B. wenn Ihr Veranstaltungsort rollstuhlgerecht ist und sie eine Übersetzung in Gebärdensprache anbieten. Für das generelle Design gilt ein starker Kontrast zwischen Text und Hintergrund und möglichst wenig Ablenkung durch flackernde Elemente. Egal ob über Text, Bild oder Video kommuniziert wird, das Prinzip der 2 Sinne hilft, mehr Menschen zu erreichen – ein Foto enthält also einen Alternativtext für blinde Gäste, ein Video Untertitel für Gehörlose. Gleiches gilt für Flyer und Broschüren, also möglichst gut lesbare Schrift ohne Serifen zu verwenden und ggf. Alternativ-Versionen in Leichter Sprache und Braille-Schrift anzubieten. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Fangen Sie mit einem Aspekt von barrierefreier Kommunikation an und bauen Sie schrittweise weiter darauf auf.

Mehr Tipps zur barrierefreien Kommunikation Ihres Events und wo Sie die Anbieter zur Beratung finden gibt es auf Ramp-Up.me.                                

Lilian Masuhr

Lilian Masuhr

Journalistin und Aktivistin bei sozialhelden.de
Lilian Masuhr, Journalistin und Aktivistin aus Berlin, leitet bei der NGO Sozialhelden das Online-Portal Leidmedien.de, das Journalist*innen für die Berichterstattung über Behinderung sensibilisiert und für den Grimme Online Award nominiert war. Sie gibt Medientraining-Workshops für Redaktionen und berät Unternehmen zu inklusiver und barrierefreier Veranstaltungsplanung. Während des Studiums der Kulturwissenschaften und Französischen Philologie an der Universität Potsdam war sie Reporterin und Moderatorin bei Fritz, dem Jugendsender vom Rundfunk Berlin-Brandenburg. Heute moderiert sie Podiumsdiskussionen über digitale Kultur und sozialen Journalismus, u.a. für die Berliner Gazette. Im Campaign Boostcamp engagiert sie sich für mehr Empowerment von behinderten Aktivist*innen und Barrierefreiheit im Kampagnensektor. Sie twittert über @lysairvue.
Lilian Masuhr

Veröffentlicht von

Lilian Masuhr

Lilian Masuhr, Journalistin und Aktivistin aus Berlin, leitet bei der NGO Sozialhelden das Online-Portal Leidmedien.de, das Journalist*innen für die Berichterstattung über Behinderung sensibilisiert und für den Grimme Online Award nominiert war. Sie gibt Medientraining-Workshops für Redaktionen und berät Unternehmen zu inklusiver und barrierefreier Veranstaltungsplanung. Während des Studiums der Kulturwissenschaften und Französischen Philologie an der Universität Potsdam war sie Reporterin und Moderatorin bei Fritz, dem Jugendsender vom Rundfunk Berlin-Brandenburg. Heute moderiert sie Podiumsdiskussionen über digitale Kultur und sozialen Journalismus, u.a. für die Berliner Gazette. Im Campaign Boostcamp engagiert sie sich für mehr Empowerment von behinderten Aktivist*innen und Barrierefreiheit im Kampagnensektor. Sie twittert über @lysairvue.

2 thoughts on “Ramp-up.me: Barrierefreie Kommunikation Ein Gastbeitrag von Lilian Masuhr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.