Themen setzen und politische Fehleinstellungen beeinflussen: Die Mittelstandsallianz

Die Mittelstandsallianz vereint mittelständisch geprägte Branchenverbände unter dem Dach des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Mit 35 Mitgliedsverbänden repräsentiert sie 900.000 Unternehmerstimmen, die sie in die politischen Meinungsbildungsprozesse einbringen will. Nicht nur will: sie tut es! Immer mit dabei: der Kommunikationsverband FAMAB e.V.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“ – das umschreibt vielleicht am besten Sinn und Zweck einer politisch wirksamen Interessenvertretung. So hat sich unter anderem der gemeinsame Verbändebrief des BVMW und Partnern der Mittelstandsallianz gegen die Abschaffung der 44€ Freigrenze beim steuerfreien Sachbezug für Mitarbeiter ausgezahlt. Der Vorschlag des Bundesfinanzministeriums, Gutscheine nur für eine Akzeptanzstelle zuzulassen, ging klar auf Kosten der kleinen und mittleren Unternehmen, die gegen das übergreifende Angebot großer Marktplatzanbieter verlieren würden. Die Sache ist mittlerweile „vom Tisch“!

Aber auch zahlreiche andere schwebende Gesetzesinitiativen und problematische Regelungen sind dauerhaft im Fokus der Allianz und sollen rechtzeitig beeinflusst werden. Natürlich immer unter dem Aspekt sachlicher Angemessenheit und nicht mit dem fragwürdigen Ziel unangebrachter politischer Einflussnahme. So ist es auch längst an der Zeit klare Kriterien zu schaffen, um Missbrauch zu verhindern, ohne dass ganz normale Selbstständige und ihre Auftraggeber kriminalisiert werden.

Maßnahmen gegen Scheinselbstständigkeit, eigentlich zum Schutz von Solo-Selbstständigen gedacht, schaden diesen zunehmend: Immer rigider angewandte, unzeitgemäße Abgrenzungskriterien, langwierige und willkürliche Statusfeststellungsverfahren, widersprüchliche Gerichtsurteile in Verbindung mit unverhältnismäßig hohen Strafen führen zu enormer Verunsicherung  bei den Auftraggebern. Gemeinsam mit der politischen Bedeutung der Mittelstandsallianz bringt der FAMAB e.V. die legitimen Interessen seiner Mitglieder auf vielen Feldern in die politische Diskussion ein. Detlef Wintzen von insglück ist für den FAMAB e.V. bei der Mittelstandsallianz aktiv. Wir haben ihm einige Fragen zu Relevanz und Umfang seiner Tätigkeit gestellt.

Gruppenbild Strategiemeeting der Mittelstandsallianz | © bvmw.de

Sechs Fragen an Detlef Wintzen zum Thema „Mittelstandsallianz & FAMAB“

Herr Wintzen: Was motiviert Sie eigentlich neben Ihren durchaus anstrengenden Hauptaufgaben in einer der führenden deutschen Live Com-Agenturen, sich ehrenamtlich im Ausschuss für Politik + Gesellschaft zu engagieren? 

Meine Motivation war und ist es, die Branche mitzugestalten; eigene Ideen und Meinungen einzubringen und die ideellen und wirtschaftlichen Interessen unserer Branche zu vertreten.

Dabei geht es bei unserer Arbeit hauptsächlich darum, die Vielzahl zumeist heterogener Wünsche und Forderungen zu bündeln und einheitliche Ziele daraus abzuleiten und diese programmatisch umzusetzen und im politischen Diskurs einzubringen.

Der FAMAB ist erstaunlicherweise – oder sagen wir besser: lobenswerterweise! – der einzige Mitgliedsverband aus den verschiedenen Segmenten der deutschen Veranstaltungswirtschaft. Warum hat sich der FAMAB zu einer Mitgliedschaft entschlossen?

Als Fachverband (für Messebauunternehmen, Marketing-/Eventagenturen, Messearchitekten und -designagenturen, Eventcatering-Unternehmen sowie jeweils deren Zulieferer) repräsentieren wir aktuell 250 Mitgliedsunternehmen der Kommunikationsbranche.

In dieser Größenordnung ist es nicht ganz so einfach, branchenrelevante Themen und Diskussionen wirkungsvoll einzubringen und die Besonderheiten und Herausforderungen unserer Branche gegenüber der Politik zur Sprache zu bringen.

Durch die Kooperation mit der Mittelstandsallianz gewinnen wir zusätzliches politisches Gewicht. Im Rahmen der Mittelstandsallianz werden die Interessen von über 550.000 Unternehmen und Mitgliedern vertreten, die über zehn Millionen Mitarbeiter beschäftigen. Das hat eine durchaus höhere Schlagkraft.

Die treibende Kraft hinter der Allianz ist der Bundesverband mittelständische Wirtschaft, vielen durch ihren Präsident Mario Ohoven bekannt. Er setzt seinen Bekanntheitsgrad und sein Netzwerk ein, um für die Mittelstandsallianz Termine mit Spitzenpolitikern zu erhalten.

Wir profitieren also von den exzellenten politischen Kontakten der Initiative und dem verbändeübergreifenden Austausch.

Wie kann der FAMAB bei einer Mitgliederzahl von 35 Verbänden sein spezifisches Gewicht ins Feld führen, sich angemessen zu Gehör bringen?

In Vorbereitung auf die politischen Gesprächstermine finden regelmäßige Themenabfragen statt, die als Wortmeldungen in die Agenda aufgenommen werden. Bei Ministerterminen muss man sich meist auf ein Thema pro Verband konzentrieren und kann dieses kurz und prägnant vorstellen. Ausführliche Stellungnahmen, Positionspapiere und weitere Themen können aber auch eingereicht werden. Die Dokumente werden dann als Themenordner zu dem Treffen, zu Beginn des Gesprächs übergeben, um sie dann auf den zuständigen Arbeitsebenen weiter zu vertiefen.
Darüber hinaus überschneidet sich die Majorität der eingebrachten Themen inhaltlich. Das heißt bei den zentralen Forderungen der Mittelstandsallianz liegen die Allianz-Partner oft gar nicht so weit auseinander und verfolgen die gleichen Ziele. 

Welche Themenfelder will speziell der FAMAB bei der Politik platzieren?

Der FAMAB wird als Mitglied die Perspektive der Branche Integrated Brand Experiences mit in die politische Arbeit einbringen. Vor allem im Bereich Arbeitsmarkt, Finanzierung / Steuern und Digitalisierung wird der Verband künftig innerhalb der Allianz Akzente setzen. Dabei wird mit Themen wie bspw. Scheinselbstständigkeit, Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, Steuersenkungen und Vereinfachung bis hin zum Datenschutz und Datensicherheit als Digitalisierungsthema eine große Bandbreite an relevanten Themen gemeinsam vorangetrieben.

Gibt es erste „Erfolge“ für den FAMAB? Wie sind die „ersten Runden“ mit Ihrer Teilnahme nach Ihrem Eindruck gelaufen? Haben Sie das Gefühl oder sogar gesicherte Erkenntnisse, dass die MA in angemessener Weise politisches Gehör findet? Mehr ist als eine „Alibi-Anhörung“?

Jüngst waren wir zum gemeinsamen Austausch beim Ministerialrat Helge Hassold im Bundeskanzleramt, um über die Rechtsunsicherheiten beim Thema “Scheinselbständigkeit” zu diskutieren sowie bei Bundesminister Peter Altmaier, um über die Wettbewerbsnachteile für deutsche Unternehmen aufgrund des hohen bürokratischen Aufwands zu sprechen.

Ich habe den persönlichen Eindruck gewonnen, dass unsere eingebrachten Punkte Gehör gefunden haben und weiter in die politischen Ausschüsse getragen werden.

Im Jahresverlauf sind weitere Gespräche auf Ministerebene geplant unter anderem mit Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (11. Dezember) und Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen (19. Dezember)

Von einer konkreten Gesetzesänderung weiß ich noch nicht zu berichten, aber ich bin auch noch relativ jung im Amt. Vielleicht befragen Sie mich hierzu nochmal in 6-10 Monaten.

Wie läuft der FAMAB interne Scouting-Prozess für die Themen, die Sie platzieren wollen?

Neben den zentralen Themenfeldern, die wir bereits mit dem Entschluss einer Mitgliedschaft in der Mittelstandsallianz erklärt haben werden wir weitere Themen in einer eigens eingerichteten Fokusgruppe „Politik & Gesellschaft“ definieren. Die Gruppe setzt sich aus verschiedenen Vorstandsmitgliedern und einfachen Mitgliedern sowie mir als Fachvorstand zusammen.

Was hat Ihnen nach Ihren ersten Erfahrungen besonders gefallen, was missfällt Ihnen?

Was ich jetzt schon positiv festhalten kann ist der Dialog auf Augenhöhe und der konstruktive, verbandsübergreifende Austausch. Positiv überrascht haben mich auch die thematischen Überschneidungen und die teils gleichen Interessen der verschiedenen Verbände.

© Manfred H. Vogel

Detlef Wintzen, geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur insglück engagiert sich seit 2007 im FAMAB-Kommunikationsverband. Das erste Aufeinandertreffen ergab sich aus der insglück-Teilnahme am Branchenwettbewerb „Adam & Eva-Award“ (heute BrandEx Award).
Es folgten die Mitgliedschaft von insglück im Verband und auf aktive Anfrage des FAMAB schließlich dann sein persönliches Engagement zunächst in einer Arbeitsgruppe und später dann in verschiedenen Ressorts im Vorstand. Aktuell leitet Detlef Wintzen dort das Ressort Politik & Gesellschaft. In dieser Funktion vertritt er den FAMAB e.V. auch in der Mittelstandsallianz.

Zug Deutsche Bahn

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FAMAB NEW TALENT AWARD 2017 5 Fragen an Freddy Justen

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