Arbeitsmarkt: Fast jeder Dritte arbeitet „atypisch“ Gastbeitrag von Moritz Hofmann

Planbarkeit und Sicherheit sind gerade für junge Menschen wichtige Kriterien bei der Wahl des Arbeitsplatzes. In der Realität finden sie dies jedoch immer weniger an. Und so sieht der Arbeitsmarkt in Deutschland aus: Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) herausfand, arbeiten in Deutschland 27,9 Prozent der unter 35-jährigen Beschäftigten „atypisch“. Dazu zählen Zeitarbeit, Minijobs, befristete oder Teilzeit-Jobs. Bei den unter 25-Jährigen ist es sogar fast jeder Zweite. Grund genug, sich mit dieser Situation zu beschäftigen!

DGB beschäftigt sich in einer Studie besonders mit den Arbeitsbedingungen junger Menschen

Planbarkeit und Sicherheit sind für junge Menschen die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Doch erwartet werden kann beides nicht, wie die Sonderauswertung des DGB-Index „Gute Arbeit für junge Beschäftigte“ zeigt.

Die Studie DGB-Index für junge Beschäftigte finden Sie hier als PDF zum Download.

Zwischen Wünschen und Realität klafft eine riesige Lücke

DGB-Studie-ArbeitsqualitätZwischen den gewünschten und den tatsächlichen Arbeitsbedingungen von jungen Beschäftigten klafft oft eine riesige Lücke. Das liegt auch an der mangelnden Flexibilität, denn lediglich 34,1 Prozent der Befragten sind im Betrieb flexibel bei der Gestaltung der eigenen Arbeitszeit.

  • Bei den unter 35-Jährigen sind es immer noch 27,9 Prozent, die einem Teilzeit-Job oder der Zeitarbeit nachgehen bzw. einen Minijob haben. Ergo: Mehr als einer von vier Beschäftigten unter 35 Jahren arbeitet in Deutschland nicht in einem regulären Vollzeitjob.

Die Statistik lässt ein erschreckendes Fazit zu:

Je jünger, desto unsicherer der Job. Klick um zu Tweeten

Drastische Verhältnisse

Die Umfrage des DGB bringt drastische Zahlen hervor. Die Folge dieser Zahlen sind Stress, mickrige Gehälter und Druck: Kein guter Nährboden für den deutschen Arbeitsmarkt.

„Junge Menschen sind im Job enorm unter Druck”, kommentiert Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär, die Ergebnisse der Umfrage. Zwar wollen sich die meisten jungen Arbeitnehmer in ihr Unternehmen einbringen, bekommen allerdings selten die Möglichkeit dazu. Vor allem das Gefühl der Zugehörigkeit sei weniger stark ausgeprägt, wenn der Job dauernd befristet wird. „Alarmierend sind diese Werte auch deshalb, weil die Fehlerhäufigkeit unter diesen Bedingungen zunimmt”, so Haggenmiller.

FAMAB Engagement:

Junge Talente verantwortungsvoll ausbilden
Der Verband ist in der  Ausbildungsinitiative 100Pro aktiv, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, die berufliche Ausbildung in den Betrieben der Veranstaltungsbranche zu sichern bzw. zu verbessern.
Auf Initiative des EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. wurde gemeinsam mit den Verbänden AUMA Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V., VPLT Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik e.V. und FAMAB e.V. und mit Unterstützung des DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag ein Ausbildungskodex entwickelt, der in prägnanten Leitlinien die wichtigsten Bausteine der Ausbildung zu Veranstaltungskaufleuten und Fachkräften für Veranstaltungstechnik verdeutlicht.

„Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es leider auf dem Markt viele Ausbildungsbetriebe gibt, die die Attraktivität des Berufsbildes der Veranstaltungskaufleute nutzen, um Auszubildende zu akquirieren, ohne jedoch im Ansatz die Vielfalt der Ausbildungsinhalte vermitteln zu können. Für den FAMAB ist es daher eine Herzensangelegenheit, mit 100PRO – Der Ausbildungsinitiative der Veranstaltungswirtschaft zu helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen.“ Andreas Weber, FAMAB Vorstandsmitglied

Nachhaltiger Umgang mit Beschäftigten
Sie werden keinen Auftrag bekommen, weil Sie nachhaltig arbeiten – aber Sie werden einen Auftrag nicht bekommen, weil Sie nicht nachhaltig arbeiten. So lautet die FAMAB Hypothese für die nächsten Jahre.
In den nächsten fünf Jahren wird die wirtschaftliche Notwendigkeit nach Nachhaltigkeit signifikant steigen. Schon ab 2017 müssen große Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte schreiben und so in allen Bereichen auf nachhaltiges Handeln achten. Das gilt auch für Messeauftritte und Marketing-Events.
Die unternehmenspezifische Zertifizierung Sustainable Company betrachtet in elf verschiedenen Kategorien alle relevanten Geschäftsbereiche, dabei werden nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte durchleuchtet.
Nach bestandener Prüfung durch den unabhängigen Zertifizierer CO2OL kann das Siegel „Sustainable Company powered by FAMAB“ geführt werden.

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet eben auch den verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitern. Die Zertifizierung legt hier besonderes Augenmerk auf Arbeitszeit, Löhne und Fortbildung.

Wie die Umfrage des DGB zeigt, machen 60,9 Prozent der unter 35-Jährigen regelmäßig Überstunden – und zwar durchschnittlich 4,1 Überstunden pro Woche.

Ebenfalls nicht zu vergessen sind eventuelle Konsequenzen auch im gesundheitlichen Bereich: „Über 65 Prozent sind in den letzten 12 Monaten krank zur Arbeit gegangen”, sagt Haggenmiller. Offensichtlich sind auch die Überstunden ein großes Problem in Deutschland.

 

Richard Gutjahr moderiert den Workshop rund ums Thema "Arbeiten der Zukunft" der Firma Microsoft
Richard Gutjahr moderiert den Workshop rund ums Thema „Arbeiten der Zukunft“ der Firma Microsoft

Was die lästige Mehrarbeit betrifft, sind sich alle Beschäftigten einig: 35,4 Prozent wollen weniger als derzeit vereinbart arbeiten. Von dem hohen Druck am Arbeitsplatz sind besonders der Gesundheits- und der Bausektor betroffen. Allerdings ist anzumerken, dass in die Kategorie der „atypisch“ Arbeitenden auch Menschen fallen, die sich freiwillig dazu entschieden haben, kürzer zu treten.

35,4 Prozent aller Beschäftigten wollen weniger arbeiten!! Klick um zu Tweeten

Für jüngere Beschäftigte scheint ein befristeter Arbeitsvertrag leider normal geworden zu sein. Gibt es bei den über 35-Jährigen lediglich fünf Prozent, die befristet angestellt sind, steigt dieser Wert bei den unter 35-Jährigen drastisch: 16,2 Prozent dieser Altersgruppe sind befristet angestellt. Das Schlimme: Rechtlich ist das absolut legitim.

Befristete Verträge als Dauerlösung?

Laut Gesetz kann ein Vertrag derzeit auf bis zu zwei Jahre begrenzt werden, ohne dass die Befristung begründet werden muss. Viele Arbeitgeber nutzen die Gesetzesvorgabe und reduzieren dadurch ihr eigenes Risiko. Denn auch nach den zwei Jahren kann der Arbeitgeber den befristeten Vertrag bis zu dreimal verlängern.

Ein Befristeter Vertrag kann bis zu dreimal verlängert werden! Klick um zu Tweeten

Die harte Gangart hat auch psychologische Folgen. Nach der Umfrage des DGB fühlen sich nach eigener Aussage fast zwei von drei jüngeren Beschäftigten dadurch belastet, dass sie ihre spätere Rente für nicht ausreichend halten. Bei den über 35-Jährigen sind es immerhin noch 53,2 Prozent.

Geringe Bezahlung und steigende Kosten

Jeder dritte junge Beschäftigte hat ein monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 1.500 Euro und findet das nicht angemessen. Nur rund ein Drittel (30 Prozent) verdienen mehr als 2.500 Euro brutto. Das Durchschnittseinkommen bei den unter 35-Jährigen liegt in Deutschland derzeit bei 1.855 Euro, bei über 35-Jährigen sogar bei 2.717 Euro. Doch auch bei den über 35-Jährigen ist jeder Dritte mit seinem Gehalt unzufrieden.

Auch die Politik beäugt das Thema. Linke-Chef Bernd Riexinger kritisierte: „Wer eine Familie will, muss sich dafür ohne eine auch nur halbwegs gesicherte Zukunftsperspektive entscheiden.“

Nun bin ich auf Ihre Erfahrungen, Meinungen und Diskussionsbeiträge gespannt.

Moritz Hofmann

Geschäftsführer bei clockodo.com
Moritz Hofmann studierte Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund und ist Geschäftsführer der clickbits GmbH in Unna. Das Unternehmen vertreibt seit 2009 die Zeiterfassungssoftware. Mit dem webbasierten Tool können Arbeitszeiten schnell, unkompliziert und zuverlässig online erfasst werden. Außerdem ist die Erstellung umfangreicher Berichte möglich.
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Moritz Hofmann

Moritz Hofmann studierte Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund und ist Geschäftsführer der clickbits GmbH in Unna. Das Unternehmen vertreibt seit 2009 die Zeiterfassungssoftware. Mit dem webbasierten Tool können Arbeitszeiten schnell, unkompliziert und zuverlässig online erfasst werden. Außerdem ist die Erstellung umfangreicher Berichte möglich.

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