Achtung: Der Digital Overload droht Ist die digitale Askese der neue Trend?

Grafik by Pia Kleine Wieskamp

Das ursprünglich so gehypte „Kommunikationswunder“ Social Media ist nicht mehr neu. Längst lässt sich bei den Usern ein Überdruss – der „digital overload” – erkennen. Als Gegenwind hält in zunehmendem Maße ein Trend zur Einschränkung oder Abkehr von Social Media dagegen. Immer häufiger liest man: „Ich bin in den nächsten Wochen dann mal offline!“ und sogenannte Offline-Camps sind im Kommen.

Längst ist das Smartphone zum ständigen Begleiter geworden. Foto by Pia Kleine Wieskamp
Längst ist das Smartphone zum ständigen Begleiter geworden.
Foto by Pia Kleine Wieskamp

Rückwärts laufende Trendwende von digital zu real

Kennen Sie den Pilgerschritt? In der Tanzliteratur wird so eine Schrittfolge bezeichnet, bei der nach mehreren Schritten vorwärts ein oder zwei Schritte zurück gemacht werden. Wenn Sie sich nun fragen, was der Tanzschritt mit den digitalen Trends der Gegenwart zu tun hat, dann denken Sie einfach an „zwei Schritte vor und einen Schritt zurück“!

Dies scheint sich auch auf die digitale Welt von World Wide Web, Social Networks und Co. übertragen zu lassen. Ob Messen, Konferenzen oder auch sonstige Events: Face-to-Face Treffen scheinen wieder ein Trend zu sein. Gastautorin Lisa Placa geht in dem Artikel Digital vs. Face-to-Face: Was Messebesucher wollen auf dieses  Phänomen ein.

Digital Overload

Viele Smartphone-Besitzer klagen über Stress – ausgelöst durch ständige Erreichbarkeit. Hand auf Herz: Wer aus unserer Branche kennt das nicht?

Denn gerade durch die voranschreitende Digitalisierung findet eine zunehmende Überlappung von Arbeitswelt und Privatleben statt (hierzu gibt es eine Untersuchung der AOK ).

Nachhaltiger und anderer Umgang mit Erreichbarkeit und Privatsphäre

In den letzten Jahren hat die digitale Transformation neue Arbeitsweisen und einen sozialen und organisatorischen Wandel hervorgebracht. Resultate sind beispielweise eine ständige Erreichbarkeit sowie eine große Anzahl an Kommunikationsplattformen, die alle zugleich und immer bespielt werden wollen. Sowohl Service- als auch Kundeninteraktionen verlagern sich mehr und mehr auf digitale Kanäle.

Eine Folge ist, dass sowohl Mitarbeiter als auch Kunden unter Dauerbeschallung leiden: Von Werbung über Informationen bis zur Unterhaltung prasseln tagtäglich tausendfach Meldungen auf uns ein. Die Abkehr von der digitalen Welt ist nicht nur eine Antwort auf zu viel Input, sondern vor allem auf zu viele unnütze Informationen.

Digitale Entgiftung Offline-Camps

Manche Personen experimentieren mit einer digitalen Auszeit, also einem bestimmten Zeitraum, in dem keinerlei digitale Geräte wie TV, PC, Tablet oder Smartphone eingeschaltet werden.

Die „digitale Entgiftung“ verspricht, dass wir als immer erreichbar zu seiende gestresste und sich nie ganz im Privatleben fühlende Menschen,wieder zu uns selbst finden. Auf dem Programm der „Offline-Camps“ stehen Aktionen wie Wandern, Yoga, Malen oder Meditation. Hier steht zunächst die Abstinenz von der „Droge“ Smartphone und Co., ein weiterer und sehr tief reichender Aspekt ist aber der reflektierte Umgang mit mobiler Kommunikation.

Ich gebe ja zu, dass ich eher zu den digitalen Suchtkonsumenten gehöre und mir keine Hotelunterkunft mehr ohne WLAN bestellen würde. Doch seit einigen Monaten fällt mir mehr und mehr auf, dass einige eher aktive Internet-Nutzer ein „Digital Sabbatical“ oder zumindest eine digitale Reinigung absolvieren.

Hierbei wird die große anonyme Follower- und Fan-Gemeinde entfreundet und man folgt nur noch den „echten“ – real bekannten – Freunden auf den Social Media-Kanälen.

Zudem ist zu beobachten, dass sich immer häufiger in den Social Networks sehr aktive Personen für eine gewisse Zeit von Social Media und Co. verabschieden.

Die Zeitschrift t3n beschreibt in dem Artikel „Heilfasten im digitalen Zeitalter: Mit ‚Digital Detox‘ gegen die ständige Erreichbarkeit im Job“, dass das Verlangen nach der „digitalen Auszeit“ mehr als nur ein Hype oder ein Medien-Phänomen ist: „Es könnte den Menschen helfen, besser mit den Errungenschaften des Internets und der mobilen Arbeitswelt umzugehen. Es hilft dabei, den eigenen Umgang mit dem Smartphone zu hinterfragen. Es macht klar, dass Kommunikation immer zweiseitig ist: Wer nachts E-Mails und SMS schreibt, belastet womöglich nicht nur sich selbst, sondern setzt auch seine Kollegen unter Druck.“

Lesen Sie dazu auch die Tipps zum Technology Shabbat von Maren Martschenko.

App zur Entgiftung

Es scheint gar nicht so einfach, sich von der Sucht der ständigen Erreichbarkeit zu befreien. Man könnte ja etwas verpassen oder weniger wichtig sein?

Studie der Humboldt-Universität Berlin über das Smartphone-Nutzungsverhalten
Studie der Humboldt-Universität Berlin über das Smartphone-Nutzungsverhalten

Laut einer Studie der Humboldt-Universität Berlin über das Smartphone-Nutzungsverhalten aktivieren wir unser Smartphone täglich 63-mal für je 2:49 Minuten. Und dies nur selten, um zu telefonieren, sondern hauptsächlich, um SMS, Messenger-Apps und Social Networks zu nutzen.

Das Smartphone-Nutzungsverhalten wurde über zwei Wochen von 49 Probanden im Durchschnittsalter von 34 Jahren beobachtet und analysiert.

Heraus kam die App OFFTIME, eine Hilfestellung zur Kontrolle innerhalb der hypervernetzten Welt.

Digital Detox als Marktlücke?

Trotzdem, machen wir uns nichts vor: Der Wunsch nach einer Zeit ohne digitalen Austausch ist auch schon wieder zur „Marktlücke“ geworden. Digital Detox nennt sich die Bewegung, die für einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone und anderen mit dem Internet verbundenen Geräten steht. Es existieren bereits Anti-Online-Videos, wie u.a. das Video Coca-Cola Social Media Guard zeigt.

Coca-Cola beschreibt auf dem Storytelling-Online-Magazin Journey den Social-Media-Guard folgendermaßen: „Deine Freunde twittern, statt sich zu unterhalten? Sie hängen auf Facebook rum, obwohl ihr eigentlich gemeinsam abhängen wollt? Und ihre witzigen Katzenvideos stellt dein Stubentiger mit einem Pfotenschlag in den Schatten? Dann brauchst du den Coca-Cola Social Media Guard! Er bringt deine Freunde zurück ins wirkliche Leben – Kopf hoch! Wie ihm das gelingt? Schau selbst!“.

Und Ihre Lösung?

Nachdem ich mich als Digital Junkie geoutet habe, gebe ich zu, dass ich mir zumindest für acht Stunden wöchentlich eine bewusste Auszeit gönne. Das schaffe ich einfach, indem ich an einen Ort gehe, der schlechten Empfang hat und an dem ich für mein Smartphone schädliche Staubkörner produziere (es nennt sich Bildhauen).

Und wie geht es Ihnen? Wie gehen Sie mit dem Stress der ständigen und allzeit Erreichbarkeit um? Welche Wege und Lösungen praktizieren Sie? Oder kennen Sie das beschriebene Problem nicht?

Pia Kleine Wieskamp

Kommunikationsexpertin bei POINT-PR
Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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Pia Kleine Wieskamp

Pia Kleine Wieskamp arbeitet als selbstständige Kommunikationsexpertin, Trainerin und Beraterin in den Bereichen Storytelling (story-baukasten.de), Kommunikation und Marketing bei POINT-PR. Zudem ist sie als Bloggerin unterwegs.

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